Ein Zeichen gegen Raser und Tuner in der Innenstadt

Groß-Kontrolle der Polizei hat sich gelohnt: Diese Fahrer sind besonders aufgefallen

Auf der Offenbornstraße stellte die Polizei unter anderem den Fahrer eines Golf 7R.
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Auf der Offenbornstraße stellte die Polizei unter anderem den Fahrer eines Golf 7R.

Fast 80 Fahrzeuge hat die Polizei am Mittwoch im Rahmen einer Großkontrolle gegen Raser und Tuner in der Plettenberger Innenstadt kontrolliert. Dabei landeten die Beamten den ein oder anderen Treffer. Eine ganze Reihe von Fahrern und Fahrzeugen stachen dabei besonders heraus.

Plettenberg - Das Thema Raser und Tuner beschäftigt die Plettenberger schon lange. Wie in vielen anderen Städten auch müssen Anwohner oft viel zu laute Auspuffanlagen oder quietschende Reifen in Kauf nehmen, wenn sie zentral wohnen wollen. Damit das nicht so bleibt, hat die Polizei der Raser- und Tuner-Szene den Kampf angesagt und am Mittwoch mit einer Groß-Kontrolle am Nachmittag und Abend ein deutliches Zeichen gesetzt.

Fahrer eines Golf 7R besonders im Blickpunkt

Der dickste Fisch des Tages ging den gemeinschaftlich agierenden Polizisten der Plettenberger Wache und des Verkehrsdienstes Lüdenscheid bereits kurz nach dem Start der Kontrollen ins Netz. Seit Längerem sucht die Polizei nach einem Fahrer eines Golf 7 R, der durch erhebliche Geschwindigkeitsverstöße aufgefallen ist, die auch dokumentiert sind. „Wir sprechen da von Bereichen, in denen Fahrverbote drohen“, spricht Dirk Eisenblätter vom Verkehrsdienst von Verstößen, bei denen der Fahrer mindestens 41 km/h außerorts zu schnell gefahren ist. Das Problem war: Die Polizei konnte nie nachweisen, wer da am Steuer saß, weil das Fahrzeug auf einen anderen Halter angemeldet ist.

Als den Polizisten dann am Mittwoch während einer Geschwindigkeitskontrolle an der Affelner Straße der Golf auffiel, informierten sie ihre Kollegen, die in mehreren Bullys auf Kontrollfahrten in der Stadt unterwegs waren. An der Offenbornstraße stellten sie den Fahrer des Sportwagens, der ab Werk je nach Baujahr 300 oder 310 PS unter der Motorhaube hat. Dem jungen Mann drohen jetzt saftige Strafen.

Eine KTM-Supermoto wird aus dem Verkehr gezogen

Der Golf-Fahrer blieb nicht der einzige Verlierer an diesem Tag. Die Kontrolle eines Leichtkraftmotorrades – einer 125er KTM Supermoto-Maschine – zum Beispiel förderte eine manipulierte Abgasanlage zutage. Ihr Fahrer war wahrscheinlich gerade volljährig, so genau konnte das die Polizei gestern nicht sagen, weil der junge Fahrer seinen Führerschein nicht dabei hatte. Sein Gefährt jedenfalls legten die Polizeibeamten noch an Ort und Stelle still.

Eine Harley Davidson fast so laut wie ein startender Airbus

Apropos laute Motorräder: Bei der Streife durch die Stadt fiel den Polizisten eine Harley Davidson auf, die einen ohrenbetäubenden Lärm verursachte. Dieser Eindruck bestätigte sich bei der Kontrolle auf dem Prüfstand. 115 Dezibel zeigte das Messgerät – das entspricht in etwa der Lautstärke eines startenden Airbus, ergo: ohne Ohrstöpsel kaum zu ertragen. Nun hatte der Fahrer der Harley einen Mechanismus an seinem Gefährt verbaut, das ihn vor Schlimmerem bewahrte. Mit einer Klappensteuerung, die er manuell während der Fahrt verstellen kann, lässt sich die Lärmausstoß regeln. Diese Steuerung ist auch im Fahrzeugschein eingetragen – mit der Auflage, sie nicht zu aktivieren, um damit die Motoren- und Auspuffgeräusche bei den zulässigen 96 Dezibel zu halten. Gegen diese Auflage hat der Fahrer verstoßen – es handelte sich sozusagen nur um einen „Bedienfehler“. Statt einer Stilllegung wie zuvor bei der KTM musste der Harley-Fahrer nur 50 Euro Verwarngeld zahlen. „Wir können da nichts machen, denn diese Klappensysteme sind zulässig“, erklärt Polizeihauptkommissar Dirk Eisenblätter. „Da ist die Politik gefordert.“

Fahrer, die ihre Lektion gelernt zu haben scheinen

Bei all den Verstößen, die die Polizei am Mittwoch festgestellt hat, berichten die Beamten auch von durchaus erfreulichen Kontrollen. „Positiv zu erwähnen ist, dass ehemals auffällige Verkehrsteilnehmer mittlerweile ihre Fahrzeuge gemäß den Vorgaben der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) zurückgebaut haben und/oder entsprechende Gutachten vorlegen konnten“, erklärt Wachenleiter Wolfgang Klein. Beispiele dafür waren die Fahrer von zwei Golf 7 und eines Audi A7. Sie waren bereits in der Vergangenheit in Plettenberg aufgefallen, weil sie so stark tiefergelegt waren, dass es nicht mehr erlaubt war. Nun traf die Polizei diese Fahrer erneut an – und siehe da: Die Autos waren zwar immer noch tiefergelegt, nun aber in einem legalen Bereich.

Überhaupt trafen die Polizisten in Plettenberg auch viele Fahrer an, die zwar auffällige Autos fahren, bei denen aber alle Veränderungen ordnungsgemäß eingetragen sind. „Optisch auffällige Fahrzeuge sind nicht zwangsläufig illegal unterwegs“, merkt Wachenleiter Klein an. „Wir nehmen sehr wohl wahr, dass in dem einen oder anderen Umbau viel Leidenschaft und Mühe steckt. Um so schöner ist es, wenn wir bei solchen Fahrzeugen feststellen können, dass die Bestimmungen der StVZO eingehalten werden.“

Kein Ende der Schwerpunktkontrollen

Schon weit vor dem Corona-Lockdown im März hatte die Polizei angekündigt, die Raser- und Tunerszene in Plettenberg noch stärker in den Blick zu nehmen. Dafür wurden die Beamten nicht nur entsprechend weitergebildet und ausgestattet, sondern sie verschaffen sich über den Besuch von Tuningtreffen (so wie am kommenden Sonntag beim „Seasons End“ in Meinerzhagen) auch stets aktuelle Überblicke, wer da mit welchen Fahrzeugen unterwegs ist. Wolfgang Klein versichert: „Wir werden weiterhin aktiv gegen Regelverstöße in diesem Bereich vorgehen. Auch außerhalb von Schwerpunkteinsätzen ist jederzeit mit entsprechenden Fahrzeug- und Personenkontrollen zu rechnen.“

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