Grippe erreicht auch Vier-Täler-Stadt: Wartezimmer randvoll

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Das Wartezimmer von Dr. Martin Dillenberger war in dieser Woche stets voll. Auch seine Patienten sind von der Grippewelle betroffen.

Plettenberg - Das Wartezimmer ist bis auf den letzten Platz besetzt. Derzeit keine Seltenheit in der Praxis von Dr. Martin Dillenberger in Eiringhausen, denn die Grippewelle hat auch die Vier-Täler-Stadt erreicht. „Wir haben 50 Prozent mehr Patienten als sonst“, sagt der Hausarzt.

Am Montag seien es allein 70 Grippe- beziehungsweise Erkältungskrankheiten gewesen, die Dr. Martin Dillenberger behandelte und der Andrang habe sich die ganze Woche über gehalten. Allerdings hat der Hausarzt nicht den Eindruck, dass sich die Grippe schwerer auswirkt als in den letzten Jahren, sondern einfach mehr Bürger betroffen sind. Die Arztpraxis käme mit dem Andrang jedoch gut zurecht. 

Doch was genau ist eigentlich der Unterschied, zwischen einer Grippe (Virusgrippe) und einem grippalen Infekt? „Bei einer Virusgrippe ruft ein bestimmter Erreger schwere Symptome hervor“, sagt Dr. Martin Dillenberger. Ein Infekt hingegen sei eine leichtere Erkrankung. Der Unterschied liege in der Art des Erregers. Bei 15 Prozent der Fälle handle es sich um eine echte Grippe und der Rest sei ein grippaler Infekt. Beides sei jedoch schwer auseinander zu halten. Der Mediziner empfiehlt: Sollte die Erkrankung länger als eine Woche dauern, nicht besser werden, das Fieber nicht weg gehen oder der Betroffene Luftnot bekommen, sollte er sich auf jeden Fall behandeln lassen, da der Virusinfekt die Schleimhäute schädige. Der Virus gehe ohne Behandlung über in eine Bronchitis und könne zur Lungenentzündung werden.

Gibt es eigentlich eine Möglichkeit, der Grippe vorzubeugen? Es ist zwar gut, sich gesund zu ernähren, viel an der frischen Luft zu sein oder regelmäßig die Hände zu waschen, ändert jedoch nichts daran, ob man sich an der Grippe ansteckt, da sie über Tröpfchen übertragen wird. „Die Grundlagen der Hygiene sind immer wichtig, trotzdem hilft das Desinfizieren der Hände nicht gegen eine Grippe, da man sich schon beim Sprechen anstecken kann“, erklärt Dr. Martin Dillenberger.

„Die einzige Möglichkeit ist die Grippeschutz-Impfung“, führt der Mediziner weiter aus. Diese verhindere eine Grippe zwar auch nicht zu 100 Prozent, aber immerhin zu 60 bis 70 Prozent. Er halte es jedoch nicht für sinnvoll, sich jetzt noch impfen zu lassen, da es 14 Tage dauere bis ein tragfähiger Schutz einsetze. Dann sollte man sich lieber im nächsten Herbst frühzeitig darum kümmern. Zudem sei es schwierig, jetzt noch einen Arzt zu finden, der den Impfstoff noch habe. „Der Impfstoff wird immer auf Vorrat bestellt. Wir können ihn zwar einmal nachbestellen, aber dann ist schluss“, sagt Dr. Martin Dillenberger. Es sei nicht so einfach, den Impfstoff nach zu produzieren, da er anhand von Virusbestimmungen produziert werde und die Viren der Grippe immer sehr verschieden seien von Jahr zu Jahr.

Die Patienten müssen sich keine Sorgen machen, dass sie den Impfstoff für die Grippe-Impfung selbst bezahlen müssen, denn wenn die Impfung von der Impfkommission empfohlen würde – wie es bei der Grippeimpfung für gewöhnlich ist – übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Auch der Arzt und das medizinische Personal können sich übrigens nicht anders als mit der Impfung schützen. Es sei jedoch so, dass wer dauernd mit Krankheiten zu tun habe, weniger krank werde, da man sozusagen abgehärtet sei. Trotzdem könne man genauso wie alle anderen auch eine Grippe bekommen. Besonders gefährdet seien ältere Menschen und Menschen mit chronischen Leiden. Bei ihnen sei die Wahrscheinlichkeit größer, dass das Immunsystem den Viren nicht standhalte.

Im gesamten Märkischen Kreis wurden seit dem 1. Januar 157 Grippefälle gemeldet, informiert Michael Buschkämper von der Kreisgesundheitsaufsicht im Märkischen Kreis. Das ist bei einer Einwohnerzahl von rund 416 000 (Stand Juli 2016) nicht viel. Die Realität sieht allerdings anders aus, da nur die wenigsten Fälle gemeldet werden. Buschkämper schätzt, dass es gerade einmal zehn Prozent sind, die gemeldet werden und daher auch im Märkischen Kreis viele betroffen sind.

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