Arztpraxis im Lennetal sollte an Silvester für immer schließen:

Gibt es doch noch Hoffnung für Hausarzt-Patienten?

Ejkhawi Abdulbaset kann sich vorstellen, die Hausarztpraxis von Rodica Csapo  in Ohle zu übernehmen.
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Rodica Csapo und Ejkhawi Abdulbaset, der ebenso wie die Ohlerin Facharzt für Innere Medizin ist und sich vorstellen kann, die Hausarztpraxis in Ohle zu übernehmen. Den Mund-Nasen-Schutz haben beide nur für den kurzen Moment des Fotografierens abgenommen.

Plettenberg – Am Silvestertag hätten Rodica Csapo und Ute Hülsmann für immer den Schlüssel ihrer gemeinschaftlich geführten Hausarztpraxis an der Lennestraße in Ohle umgedreht. Für immer.

Die monatelange Suche nach einem Nachfolger blieb trotz lukrativer Fördermöglichkeiten durch die kassenärztliche Vereinigung (KVWL) bis zuletzt ohne Erfolg. Doch einen Tag vor dem Weihnachtfest geschah das unerwartete Wunder. „Ich freue mich sehr, mit Ejkhawi Abdulbaset einen Nachfolger für die Praxis gefunden zu haben“, sagt die 65-jährige Rodica Csapo, die die nicht mehr für möglich gehaltene Praxisübernahme am 23. Dezember besiegelte, was für sie das Weihnachtsfest rettete. Denn der in Dinslaken wohnende Facharzt für Innere Medizin will zur Freude von Csapo auch die vier in der Praxis verbliebenen Mitarbeiterinnen übernehmen.

Mitarbeitern drohte Arbeitslosigkeit

„Das freut mich ungemein. Ich werde unseren Nachfolger in den nächsten drei Monaten noch einarbeiten, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten“, sagt Csapo. Beide Seiten hoffen, dass damit die wirtschaftliche Grundlage geschaffen wird, um nach der Probezeit die endgültige Übernahme ab April sicherzustellen. Auch Mitarbeiterin Andrea Stahlschmidt gönnte sich an Weihnachten ein Glas Sekt auf die Nachricht. „Ich hätte mich ansonsten im Januar arbeitslos melden müssen“, so die Plettenbergerin.

Ute Hülsmann wird dagegen wie geplant am Jahresende ihre Tätigkeit beenden. Aufatmen können auch all die Patienten, die bislang noch keinen Hausarzt gefunden haben. Und das sind nicht wenige, denn bei vielen Hausärzten in Plettenberg gibt es einen Aufnahmestopp. Anders als bei der zuerst angedachten Lösung, bei der ein in Lüdenscheid ansässiger Arzt die Praxis in Ohle als Filiale weiterführen wollte, wird sich der aus Libyen stammende Ejkhawi Abdulbaset in den nächsten Monaten nur auf die Praxis an der Lennestraße konzentrieren. Genau das hatte auch Ansgar von der Osten für notwendig gehalten. Der Leiter des Geschäftsbereiches Sicherstellungspolitik bei der KVWL betonte, dass bei über 3 000 Patienten die medizinische Versorgung bei einer Teilzeitlösung nicht sicherzustellen sei.

Bürgermeister unterstützt Praxis-Neustart

„Um den Bedarf vernünftig abzudecken, braucht man einen zweiten Arzt“, befand auch Bürgermeister Ulrich Schulte, der sich in den letzten Monaten ebenfalls in die Nachfolgelösung eingeklinkt hatte und auch jetzt unbürokratisch Hilfe anbot. So unterstütze die Stadt den Praxisstart in den ersten Monaten, sagte Schulte, der dafür das Mandat des Stadtrates bekam. „Ich freue mich, dass es noch eine Lösung gab, auch wenn die Übernahme zu einem früheren Zeitpunkt schöner gewesen wäre“, sagte Schulte, der hofft, dass die Patienten dem neuen Arzt ihr Vertrauen schenken. Der 39-jährige Internist freut sich, dass Rodica Csapo ihn in den ersten drei Monaten unterstützt. Dies habe ihn darin bestärkt, die Herausforderung in Plettenberg anzugehen.

Studium in Tripolis

Der heute 39-jährige Ejkhawi Abdulbaset absolvierte im Jahr 2007 sein Medizinstudium in Tripolis und kam im Jahr 2010 nach Deutschland, wo er in Mannheim am Goethe-Institut die Sprache erlernte. Medizinisch tätig war er am Klinikum in Schleiden (Eifel), in Bitburg und in Dinslaken, ehe sich der Vater von vier Kindern als Facharzt für Innere Medizin auf die Suche nach einer Hausarztpraxis begab, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

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