Warum das Plus eigentlich ein drastisches Minus ist

Bürgermeister zu Gewerbesteuer-Einnahmen: „Jetzt bleibt einem das Lachen im Halse stecken“

Blick auf den Entwurf für den Haushalt 2021 in Plettenberg.
+
Blick auf den Entwurf für den Haushalt 2021 in Plettenberg.

Auf dem Papier sind die Gewerbesteuereinnahmen in Plettenberg gestiegen. Doch wer die Zahlen genau betrachtet, stellt ein drastisches Minus fest. Bürgermeister Ulrich Schulte sagt: „Jetzt bleibt einem das Lachen im Halse stecken.“

Plettenberg - Das Gewerbesteueraufkommen in Plettenberg ist im ersten Quartal 2021 gestiegen und liegt jetzt mit gut 15 Millionen Euro rund vier Millionen Euro über dem Plan. Doch da der Ansatz bei gerade einmal elf Millionen Euro lag, ist die Zahl nicht sonderlich erfreulich, was auch Bürgermeister Ulrich Schulte im Haupt- und Finanzausschuss anmerkte. „Wenn der Kämmerer vor zwei Jahren gesagt hätte, dass wir vier Millionen Euro über dem Gewerbesteueransatz liegen, hätten wir uns sehr gefreut. Jetzt bleibt einem das Lachen im Halse stecken“, sagte Schulte.

Denn beim Blick auf die kreisweite Gewerbesteuerentwicklung in Plettenberg wird das Dilemma sichtbar. Während der Steuerrückgang beispielsweise in Altena von 2019 zu 2020 13,1 Prozent betrug, fiel das Minus in der ansonsten sehr steuerstarken Stadt Plettenberg fast fünfmal so hoch aus, denn laut einer Übersicht von IT.NRW gingen die Gewerbesteuereinnahmen in Plettenberg um mehr als 63 Prozent zurück. 8,5 Millionen Euro waren es am Ende – 14,7 Millionen Euro weniger als 2019.

Damit nahm die Stadt Plettenberg bescheidene 339 Euro pro Bürger ein und lag damit zum ersten Mal seit Menschengedenken weit hinter Altena, wo ein Pro-Kopf-Aufkommen von 529 Euro zu verzeichnen war.

Besonders hohe Verluste verzeichneten im Märkischen Kreis zudem Neuenrade (minus 53,4 Prozent), Herscheid (minus 47,2 Prozent) und Hemer (minus 45,7 Prozent). Besser als in Altena lief es in Kierspe (9,8 Prozent Rückgang) und Meinerzhagen mit einem Minus von 10,4 Prozent. Eine absolute Ausnahmestellung nimmt im Märkischen Kreis die Stadt Werdohl ein. Dort lagen die Gewerbesteuereinnahmen 2020 trotz Corona fast 25 Prozent über denen des Jahres 2019, was die dortige Stadtverwaltung mit Einmaleffekten erklärt, die auf die gute wirtschaftliche Entwicklung in den Vorjahren zurückzuführen seien.

Wir befragten den Plettenberger Kämmerer Jens Groll zu der Steuerentwicklung in der Vier-Täler-Stadt.

Herr Groll, können Sie erklären, warum gerade Plettenberg so stark getroffen wurde und hängt das mit dem großen Anteil der Automobilzulieferer zusammen?

Warum Plettenberg so stark betroffen war, kann meines Erachtens nicht an der einen einzigen und klar definierbaren Ursache festgemacht werden. Der Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen des Jahres 2020 zu 2019 mag in Teilen mit den allgemeinen Entwicklungen in der Automobilbranche zusammenhängen. Dies trifft allerdings die Region gleichermaßen. Insofern ist dieses Kriterium für den jetzt angestellten Vergleich im Märkischen Kreis nicht geeignet.

Wie sieht die aktuelle Entwicklung in Plettenberg aus und wie stark hat die Sonderzahlung des Bundes in Höhe von 15 Millionen Euro geholfen?

Die Stadt Plettenberg hat zur Liquiditätsunterstützung der örtlichen Unternehmen in der herausfordernden Pandemielage geholfen, indem die Gewerbesteuervorauszahlungen zu Lasten des Haushaltsjahres 2020 auf Antrag unbürokratisch und schnell herabgesetzt wurden. Diese Unterstützung wurde in unserer Stadt von über 160 Unternehmen angenommen. Ob und inwieweit dies in den Vergleichsstädten der Fall war, kann ich nicht einschätzen. Allein diese Herabsetzungen machten rund elf Millionen Euro aus. Entscheidend für das Einzahlungsaufkommen bei der Gewerbesteuer ist darüber hinaus auch, in welchem Volumen im Jahr 2020 Vorjahresabrechnungen zu Gewerbesteuererstattungen geführt haben. Auch hier kann ich einen Vergleich mit den anderen Kommunen nicht vornehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare