Anklage gegen den Vater vor Ostern?

Tod des Plettenberger Pflegekindes: Totgeschüttelt oder totgeschlagen?

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Die Kerzen vor der Plettenberger Christuskirche wurde zum Gedenken an das getötete Kleinkind aufgestellt. Noch vor den Sommerferien soll der Prozess gegen den dringend tatverdächtigen Pflegevater aus Plettenberg starten.

Plettenberg/Hagen – Totschlag oder Körperverletzung mit Todesfolge? Die Antwort auf diese Frage ist von großer Bedeutung nicht zuletzt für das Strafmaß im Fall des toten Plettenberger Pflegekindes. Bis Ostern könnte der Vater angeklagt werden. Es fehlt allerdings ein entscheidendes Dokument.

Am frühen Morgen des 3. Januar starb ein 17 Monate altes Kind in der Uniklinik Essen an schweren Kopfverletzungen. Der 29-jährige Vater der Plettenberger Pflegefamilie wurde festgenommen. Er stand in dringendem Verdacht, dem ihm anvertrauten Kind diese Verletzungen zugefügt zu haben.

Der Fall sorgte für großes Aufsehen und Anteilnahme weit über Plettenberg und den Märkischen Kreis hinaus. Lesen Sie hier alles zu dem Fall.

Doch was genau war die Todesursache? Dieser Frage geht die Staatsanwaltschaft Hagen seitdem nach. Das verstorbene Kleinkind wurde obduziert und rechtsmedizinisch untersucht. Da bislang aber nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte, ob das Kind durch massives Schütteln oder eine Kopfverletzung verstarb, wurde nach den neuro-pathologischen Untersuchungen des Gehirns ein zusätzliches Gutachten des rechtsmedizinischen Instituts der Uniklinik Essen angefordert.

„Ich erwarte die Ergebnisse in den nächsten Tagen“, teilte der leitende Staatsanwalt Michael Burggräf auf Anfrage der Redaktion mit. „Es geht um die Frage, ob ein reines Schütteln Todesursache war, oder ob die massiven Gewalteinwirkungen, die im Kopfbereich des Jungen festgestellt wurden, zum Tod führten.“

Vater seit vier Monaten in U-Haft

Wichtig sei die Frage, weil die Tat je nach Todesursache anders bewertet werden müsse. „War das Schütteln ursächlich, ist es eine Körperverletzung mit Todesfolge. Wenn das Kind aber durch massive Schläge auf den Kopf starb, handelt es sich um Totschlag“, sagte der Staatsanwalt, der bei der Einlassung des 29-jährigen Plettenbergers vor rund drei Wochen auf neue Erkenntnisse hoffte. Der Angeklagte habe sich aber nicht konkret zur Tat oder etwaigen Schlägen erklärt. „Den Tathergang konnte er mit seinen Aussagen nicht erhellen“, so Burggräf. 

Ungeachtet dessen glaubt der Staatsanwalt nach dem Vorliegen des medizinischen Gutachtens noch bis Ostern Anklage gegen den nicht vorbestraften Pflegevater erheben zu können, der bislang keine Haftprüfung beantragte und seit vier Monaten in der Justizvollzugsanstalt Hagen in Untersuchungshaft sitzt. Mit einem Verhandlungsbeginn am Landgericht Hagen sei bis Ende Juni zu rechnen, so Burggräf abschließend.

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