Gespaltenes Publikum bei Theaterstück der Kunstgemeinde Plettenberg

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Szene aus dem Stück Konstellationen mit Suzanne von Borsody und Guntbert Warns.

Plettenberg - Ein gespaltenes Publikum hinterließ am Sonntag das Theaterstück „Konstellationen“ in der Böddinghauser Aula. Während einzelne Zuschauer schon vorzeitig den Saal verließen und viele auf ihren Stühlen das Ende herbeisehnten, gab es auch einige Gäste, die begeistert applaudierten.

Ganz offensichtlich hatten sich viele Gäste angesichts der Ankündigungen auf einen vergnüglichen Abend eingestellt. Selbst die Veranstalter der Kunstgemeinde hatten sich etwas anderes versprochen, waren am Ende fast schon brüskiert, was sie da auf der Bühne gesehen hatten.

„Ein raffiniert konstruiertes Zwei-Personenstück um eine große Liebe – in allen ihren Variationen“, wirbt das Eurostudio Landgraf und kündigt in seinen Prospekten und im Internet ein „spielerisch-witziges“ Schauspiel an, das „aber auch ernstere Töne“ anschlage. Wer nun ein heiter bis fröhliches Stück über ein sich neckendes Ehepaar erwartet hatte, und das war augenscheinlich der Großteil des Publikums, der musste mitunter harte Kost schlucken – vor allem, als Schauspielerin Suzanne von Borsody in ihrer Figur als schwer erkrankte Ehefrau plötzlich von Selbstmordgedanken beziehungsweise Sterbeunterstützung sprach.

Dass die Erzählweise des Stücks ungewöhnlich sein würde, war klar. Wie angekündigt bestand die Inszenierung aus vielen kleinen Häppchen. Wie wäre das Kennenlernen zwischen den beiden Protagonisten verlaufen, wenn sich auch nur ein Wort geändert hätte oder wenn die Stimmlage eine andere gewesen wäre? Mehrfach spielten die Schauspieler Suzanne von Borsody und Guntbert Warns die gleichen Dialoge in mehreren aufeinander folgenden Szenen durch – voneinander getrennt durch Töne und Lichtwechsel.

Heiter ist das zum Beispiel bei einem Heiratsantrag. Konstellation 1: Die Ehefrau echauffiert sich über den ungünstigen Zeitpunkt, weil sie doch jetzt zum Seminar müsse. Konstellation 2: Der Ehemann gewinnt auf charmante Weise ihr Herz. Konstellation 3: Er verhaspelt sich in seiner Ansprache. Konstellation 4: Er hat seinen Text vergessen.

Beklemmende Atmosphäre schafft ein anderes Beispiel, nämlich als die Ehefrau ihre Krankheits-Diagnose erhalten hat. Variante 1: Die Krankheit ist unheilbar, die Behandlung kann nur noch palliativ erfolgen. Variante 2: Die Krankheit ist durch eine Operation vollständig heilbar. Variante 3: Die Ehefrau hat sich nach ihrer Diagnose in Internetforen informiert und kommt zu dem Schluss, dass sie nur noch ein Jahr zu leben hat. Und Variante 4: Die Krankheit ist schon so weit fortgeschritten, dass sich das Paar nur noch in Gebärdensprache unterhalten kann. Den zuvor dreimal erzählten Dialog führen die beiden Schauspieler in dieser Szene dann auch tatsächlich in Zeichensprache auf. Ohnehin muss man sagen, dass Suzanne von Borsody und Guntbert Warns schauspielerisch auf ganzer Linie überzeugten.

Das Stück will zeigen, dass ein Satz, ja sogar ein Wort alles verändern kann; dass es – und darüber diskutieren Wissenschaftler tatsächlich – unendlich viele Universen gibt, in denen es Doppelgänger von uns gibt, die alle erdenklichen Situationen erleben.

Bei den Premieren in London und New York feierten die Zuschauer diese Gedanken und die Inszenierung. In Plettenberg verließen zwei Besucher nach einer halben Stunde die Aula, zwei andere gaben nach der Aufführung stehende Ovationen. Der Großteil applaudierte höflich und war froh, als das Stück in schierer Rekordzeit von einer Stunde und 15 Minuten vorbei war.

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