Geschichten aus dem Plettenberger Weihnachtschor

Zwei Männer, die seit 65 Jahren die Menschen an Heiligabend mit ihrem Gesang erfreuen

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Plettenberg - An Heiligabend macht sich in Plettenberg traditionell der Weihnachtschor auf den Weg durch die Stadt. Wir haben den Zeitplan. Und eine Geschichte von zwei Männern, die sich Weihnachten ohne den Chor gar nicht mehr vorstellen können.

„Ohne Chor ist für uns nicht richtig Weihnachten!“, da sind sich die zwei langjährigen Mitstreiter des Plettenberger Weihnachtschors einig. Auch in diesem Jahr sind Fritz Stracke und Gerhard Funke an Heiligabend mit dabei.

Los geht es um 17.45 am Wieden, von dort fahren die etwa 30 Mitglieder dann in die Immecke (Auftritt: 18 Uhr) und anschließend durch weitere Ortsteile, um mit ihrem Gesang alle Plettenberger in Weihnachtsstimmung zu bringen. Der genaue Weg sieht so aus:

  • 18.00 Uhr: Immecke
  • 18.30 Uhr: Auf der Ratschelle
  • 19.00 Uhr: Lehmweg (Etiketten Seuster)
  • 19.30 Uhr: Am Felde/Eichenweg
  • 20.00 Uhr: kath. Kirche St. Laurentius (in der Kirche zum Abschluss der Christmette)
  • 20.30 Uhr: Berliner, Breslauer, Danziger Straße
  • 20.50 Uhr: Landemerter Weg (Haus Battenfeld)
  • 21,15 Uhr: Fontanestraße/ Kafkaweg
  • 21.30 Uhr: Goethestraße
  • 21.45 Uhr: Steinbrinkstraße (Firma Grote)
  • 22.30 Uhr: Ev. Christuskirche

Fritz Stracke ist bereits seit stolzen 65 Jahren mit dabei. Für ihn ist es ganz normal, dass sein ganz privates Weihnachtsfest mit der Frau, den Kindern und Enkeln eigentlich erst am 1. und 2. Weihnachtstag gefeiert wird. „Für meine Frau ist das nicht weiter schlimm. Die hat mich so kennengelernt und kennt es gar nicht anders – ohne den Weihnachtschor“, erklärt der Rentner, der seit seiner Jugend singt. Damals, als seine Kinder noch klein waren, gab es bereits nachmittags die Bescherung und abends war der Vater dann weg. Die Familie hat es nie anders erlebt, denn Stracke setzte kein einziges Jahr aus, seitdem er 15 ist. Er erinnert sich an früher, als es noch den Oesterchor, den Lennechor, Elsechor und Grünechor gab. „Zu Spitzenzeiten waren es einmal 120 Sänger“, erinnert sich auch Gerhard Funke, der mittlerweile auch schon 30 Jahre aktiv mit von der Partie ist. Immerhin ist im Jahr 2019 ein Chor mit 30 bis 40 Mitgliedern übrig geblieben. Im Endeffekt bleibt es bis Heiligabend eine Überraschung, wer wirklich mitgeht oder sich doch drückt.

Fritz Stracke und Gerhard Funke sind sich aber einig, dass sie beide – so lange es die Gesundheit zulässt – „die Tradition hochhalten möchten“. Ihnen liege der Chor sehr am Herzen.

Die Mitstreiter, die schon vor 65 Jahren mit Stracke gesungen haben, seien leider nicht mehr am Leben. „Ich bin froh, dass ich noch mitgehen kann“, sagt der mittlerweile 80-Jährige, der stolz darauf ist, noch fit genug zu sein. Bisher habe es glücklicherweise nur ein einziges Jahr gegeben, in dem der aktive Sänger nicht die ganze Strecke habe mitgehen können.

Er wurde damals operiert und konnte einige Zeit nicht laufen. „Das war ganz schlimm für mich. Meine Tochter hat mich dann aber noch zur letzten Station zur Christuskirche gefahren, damit ich noch die letzten sechs Lieder des Abends mitsingen konnte“, so der Senior. „Dann hatte ich trotzdem noch etwas davon und konnte normal Weihnachten feiern.“

„Hör mal, die Engelkes kommen“, hieß es damals schon von den Eltern Strackes. Auch Gerhard Funke kennt den Begriff „Engelkes“, das Sauerländer-Wort für Engelchen. Auch er erinnert sich an seine Kindheit: „Es war immer schon etwas ganz Besonderes, wenn der Weihnachtschor gesungen hat. Vorher wurde auch nie gefeiert“, so der Plettenberger. Er bedauert, dass „langsam aber sicher“ der Nachwuchs im Plettenberger Traditionschor, der nur zur Weihnachtszeit auftritt, fehlen würde.

„Die jungen Leute haben andere Interessen, die kann man mit Chorgesang kaum noch begeistern“, erklärt Funke. Die letzten Jahre habe man immer mal junge Mitglieder in den Reihen begrüßen können – aber die seien auch nicht mehr aktiv.

Aktuell ist Peter Schlütter 1. Vorsitzender des Chors, geprobt wird ausschließlich in der Adventszeit.

„Wir singen an jeder Station dieselben sechs Lieder“, erklärte Fritz Stracke. Mit dazu gehören die Klassiker „Hosianna“, „Ehre sei Gott“, „Dies ist der Tag“, „Dein König kommt“ und „Frohlocke, oh Zion“. Zum Schluss wird es an jeder Station am Heiligabend aber noch einmal besinnlich. Dann singen alle gemeinsam „Stile Nacht“ – und dann ist Weihnachten, da sind sich Stracke und Funke einig.

Einige gehen dann noch in die Kirche, für Fritz Stracke und Gerhard Funke kommt das aber seit einigen Jahren nicht mehr in Frage. „Dann ist es ja auch schon nach 23 Uhr, dann ist man auch froh, wenn man dann nach Hause gehen kann“, erklärt Stracke. Man habe ja sonst nicht wirklich etwas vom Heiligen Abend.

Er erinnert sich noch gut an die Jahre, als man anschließend noch „um die Häuser zog“: „Auch heutzutage haben wir natürlich immer einen guten Tropfen Pfefferminzlikör mit im Gepäck – der ölt die Stimme“, erklärt er mit einem Augenzwinkern. Allerdings dürfe man natürlich nicht zuviel davon kosten, schließlich müssten ja noch die Töne stimmen. Was ebenfalls stimmen sollte, sei das Wetter. „Da haben wir leider noch nie Einfluss drauf gehabt und sind auch so manches Mal nass geworden“, erinnert sich Fritz Stracke. Aber auch das könne ihm die Vorfreude nicht nehmen, denn schließlich sei Weihnachten nicht Weihnachten ohne die Klänge des Plettenberger Weihnachtschores.

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