Lebensmut oder Frustration?

Die Gedanken einer 93-jährigen Frau aus Plettenberg in Zeiten des Coronavirus

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Plettenberg - Sie hat in ihrem Leben schon vieles erlebt: Hildegard Otto ist 93 Jahre alt, war im Teenager-Alter, als der Zweite Weltkrieg tobte, aber eine Pandemie wie diese hat auch die Plettenbergerin noch nicht erlebt. Doch sie will den "Alten" gerade jetzt Mut machen. 

Wenn sich Hildegard Otto in den Rollstuhl setzt und durch die schöne Landschaft geschoben wird, wenn sie die Berge und Täler Plettenbergs sieht, wenn sie das Plätschern des Wassers und das Zwitschern der Vögel hört, dann strahlt sie innerlich. 93 Jahre ist sie alt. Aber von ihrer Begeisterungsfähigkeit hat sie nichts verloren.

Was geht einer Seniorin wie Hildegard Otto in dieser schwierigen Zeit mit Corona-Pandemie und Kontaktverboten durch den Kopf? Worüber denkt sie nach? Ihre Antwort ist vielfältig, und doch kommt sie immer wieder auf einen Punkt zurück: auf das Alter.

Coronavirus in Plettenberg und ein etwas anderer Blick auf die Pandemie

Wer das stolze Alter von 93 Jahren erreicht hat, den Zweiten Weltkrieg als Jugendlicher miterleben musste, der lässt sich von nichts so schnell unterkriegen. „Diese ernste Zeit schaffe ich vielleicht auch noch“, sagt Hildegard Otto mit Blick auf die Corona-Pandemie. Sie will anderen Senioren Mut zusprechen und sagt: „Auch im hohen Alter kann man noch so allerhand erleben, man muss es nur wollen.“ Bewegung im Alter tue gut, sofern man es noch kann. Bingo spielen, singen oder Hildegard Ottos Lieblingsbeschäftigung: Sudoku lösen – all das sind aus ihrer Sicht Möglichkeiten, um sich das Leben zu verschönern.

„Natürlich gibt es auch Menschen, die ans Bett gefesselt sind“, sagt die 93-Jährige, „aber sie sollten nicht traurig sein, die Erinnerungen kann einem keiner mehr nehmen.“

Auch sie selbst wird in Zukunft kürzer treten müssen. Sie wartet auf einen Einzug in ein Seniorenzentrum. „Ich freue mich darauf und hoffe, der liebe Gott gibt mir noch etwas Zeit“, sagt sie, wohlwissend, dass es nicht immer nur gute Zeiten in diesem hohen Alter geben wird. Hildegard Otto vergleicht das gerne mit Ebbe und Flut. „Ebbe mit Traurigkeit, Erinnerungen, die man nie im Leben vergessen kann. Aber kommt dann die Flut, dann kommen wieder schöne Momente, Mut, Hoffnung und Lebensfreude. Dann sieht alles wieder anders aus.“

Und man darf nicht vergessen, Danke zu sagen. Danke an die Menschen, die einem helfen. Schwestern, Ärzte, Freunde, Nachbarn, Familie. Den Töchtern, die für Hildegard Otto immer eine kleine Überraschung auf Lager haben. Oder der Nichte Marie-Luise, die ihr viel zur Seite steht. „Vergessen wir auch unsere lieben Verstorbenen nicht. Sie haben es verdient“, sagt Hildegard Otto, „Ich habe ein schönes Leben gelebt. Ich bin 93 Jahre alt und stolz auf mein Alter. Der Tag wird kommen und ich werde Abschied nehmen. Bis dahin werde ich mit meinem Mädchen und der Familie noch schöne Glücksmomente erleben.“

Sagt’s und erinnert sich an die Zeilen aus einem Geburtstagslied, die ihre Sicht der Dinge so wunderbar zusammenfassen. Sie lauten: „Muss man auch langsam geh’n – und mal beiseite steh’n – schön ist das Alter trotz alledem.“

+++ Lesen Sie hier, wie sich das Coronavirus in Plettenberg und im MK entwickelt +++

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