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 „Warum immer die Gastronomie?“: 2G-Plus bereitet Gastwirten Sorge

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Von: Dirk Grein

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Der Kundenzuspruch in der Pizzeria „Zum Brunnen“ von Biagio Pace (links): „Es kommt kein Mensch mehr, um zu essen“, bedauert der Inhaber. Schuld seien die Schutzmaßnahmen.
Der Kundenzuspruch in der Pizzeria „Zum Brunnen“ von Biagio Pace: „Es kommt kein Mensch mehr, um zu essen“, bedauert der Inhaber. Schuld seien die Schutzmaßnahmen. © Jona Wiechowski

Zuversicht auf der einen, blankes Entsetzen auf der anderen Seite: Die Plettenberger Gastwirte erleben den Corona-Winter 2022 unterschiedlich. Das gilt auch für die nahende Einführung der 2 G-Plus-Regel.

Plettenberg - Die Macht der Sonne bekam das Team im Café Haltepunkt am Dienstagvormittag zu spüren. Der Betrieb sei witterungsabhängig und bei gutem Wetter steige das Kundeninteresse, erzählt Mitarbeiterin Nadine Gerhard. Die Folge: Das Telefon klingelte nahezu dauerhaft, doch nicht nur wegen Reservierungen.

„Viele Leute wollen wissen, welche Regeln in unserem Café gelten“, sagt die Mitarbeiterin. Ihre Antwort: Bis zum Inkrafttreten der veränderten Schutzverordnung des Landes NRW am 13. Januar gelte für den Besuch von Restaurants und Cafés weiter die 2 G-Regel; Zutritt haben also nur Geimpfte oder Genesene. Zukünftig gelte die Ergänzung 2 G-Plus: Ein tagesaktueller Schnelltest beziehungsweise eine Booster-Impfung sind dann erforderlich.

Die Anrufer seien überwiegend erleichtert, dass der Besuch weiterhin möglich sei und kein Lockdown wie im Vorjahr drohe. Am Dienstag sicherten sich daher viele Personen per Telefon einen Tisch in dem Café über den Dächern der Plettenberger Innenstadt.

Der Kundenzuspruch sei für den Jahresstart – einer erfahrungsgemäß eher ruhigeren Zeit – zufriedenstellend. „Für Januar kann man sich nicht beschweren“, meint Nadine Gerhard. Sie hofft, dass sich diese Entwicklung durch die Verschärfung der Besuchsregeln nicht ändert. „Mal abwarten, wie es weitergeht“, zeigt sich die Mitarbeiterin vorsichtig optimistisch.

Nach einer längeren Pause eröffnet am Mittwoch, 12. Januar, das Restaurant „Zur Oestertalsperre“ wieder für Besucher. „Ich freue mich auf den Kundenkontakt“, erzählt Inhaber Frank Standhaft.

Sahbi Ben Zid, Inhaber des Haus Battenfeld hofft noch auf einen guten Start nach dem Feiertagsurlaub.
Sahbi Ben Zid, Inhaber des Haus Battenfeld hofft noch auf einen guten Start nach dem Feiertagsurlaub. © Opfermann, Johannes

Auf seine Stammbesucher könne er sich verlassen, viele hätten schon gefragt, wann es denn endlich wieder losgehe. Bei ihnen sei er sich sicher, dass die Kontrolle der Impf- oder Genesenen-Nachweise unproblematisch werde. Doch gilt das auch für Spontanbesucher, die bald ein Schnelltestergebnis oder den Booster-Nachweis vorzeigen müssen? Da ist sich Frank Standhaft nicht sicher.

Neben der Pandemie plagen ihn personelle Probleme. Deswegen öffne er zunächst nur für das Tagesgeschäft – also Mittagstisch und Kaffeezeit. Gegen 17.30 Uhr sei Feierabend und sonntags bleibe das Restaurant ganz geschlossen. „Für mehr Öffnungszeiten fehlt mir das Personal“, begründet der Inhaber.

Die Verunsicherung in der Kundschaft sei bereits jetzt deutlich zu spüren, bedauert Biagio Pace. In seiner Pizzeria „Zum Brunnen“ in der Innenstadt sei der Betrieb von jetzt auf gleich eingebrochen: „Es kommt kein Mensch mehr, um zu essen.“ Der Verzehr in der Pizzeria tendiere gen null und auch der Außer-Haus-Verkauf sei deutlich zurückgegangen. Pace führt das auf die von der Politik verschärften Schutzmaßnamen zurück und darauf, dass zunächst nicht klar war, ab wann diese gelten. Seit Dienstagmittag steht nun fest: 2 G-Plus kommt bereits ab dem 13. Januar.

„Warum trifft es immer die Gastronomie?“, hinterfragt der Plettenberger die erneute Verschärfung. Die finanziellen Auswirkungen für ihn seien bereits jetzt gravierend: Denn während die Einnahmen geringer werden, steigen die Ausgaben für Strom, Gas und Lebensmittel weiter an. Die Kosten decken, laute daher das vorübergehende Ziel. „Hoffentlich wird das Sommergeschäft besser“, gibt sich Pace kämpferisch.

Pünktlich nach dem zweiwöchigen Urlaub („Der hat uns allen gut getan“) wurde Sahbi Ben Zid am Dienstag von der Neuerung der Landesregierung kalt erwischt. In seinem Haus Battenfeld sei der Betrieb zuletzt „noch okay“ gewesen, wenngleich die Absage vieler Weihnachtsfeiern natürlich schon schmerzte.

Doch nun droht dem Gastwirt dank der 2 G-Regel zusätzlicher Kontrollaufwand. Ob sich dieser lohnen wird? Oder werden die Besucherzahlen weiter einbrechen? „Wir müssen es nehmen, wie es kommt und weiter abwarten“, mag Ben Zid noch keine Prognose abgeben.

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