Schüler-Interview im Lockdown

Kinder verraten, warum Schule schöner wäre

Jeder allein zuhause und doch gemeinsam: Ein Interview in Corona-Zeiten
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Jeder allein zuhause und doch gemeinsam: Ein Interview in Corona-Zeiten.

Plettenberg – Es ist Ende Januar, die Übergabe der Halbjahreszeugnisse steht an. 

„Welche Note bekommst Du in Mathe?“, „Schreiben wir wirklich noch einen Vokabeltest?“, „Meinst Du, wir schauen einen Film?“, „Vielleicht frühstücken wir ja wieder gemeinsam?“ – Gedanken, die sich Schülerinnen und Schüler normalerweise rund um diesen Termin machen. Doch all diese Fragen gibt es in diesem Jahr nicht, stattdessen dreht sich alles um Distanzunterricht, virtuelle Technik, Hochladen von Aufgaben, Videokonferenzen oder eben auch die Überlegung, wie man die Abholung des Zeugnisses an einem Freitagvormittag am besten organisiert...

Die Corona-Pandemie zwingt nicht nur in Plettenberg Schülerinnen und Schüler wieder einmal zum Homeschooling.
Schon im vorigen Frühjahr mussten die Kinder wochenlang von zu Hause arbeiten, seit dem Ende der Weihnachtsferien sitzen sie erneut ausschließlich im heimischen Kinder- oder im umfunktionierten Esszimmer. Drei von ihnen sind Jill Kortmann, Mathilda Bock und Mira Gleitze. Sie erleben gerade zum zweiten Mal den Distanzunterricht – ohne Schule, ohne Lehrer, ohne Freunde. Im Frühjahr waren sie noch in der Grundschule, jetzt besuchen sie die weiterführende Schule. Sabrina Jeide hat auf digitalem Video-Weg mit ihnen gesprochen und festgestellt: Auch wenn die Mädchen liebend gern wieder in die Schule gehen würden – das Homeschooling bekommen sie verdammt gut hin…

Erzählt doch mal, wie es mit dem Homeschooling läuft.
Mathilda: Grundsätzlich klappt es ganz gut, aber in der Schule wäre es doch besser. Die Videokonferenzen sind manchmal schon echt lang und die Nebengeräusche, wenn die Mikros nicht aus sind, nerven irgendwann.
Mira: Ich würde auch lieber in die Schule gehen. Es klappt zwar alles, aber wenn wir Aufgaben bekommen und eine Frage haben, dann muss man ja erst immer dem Lehrer schreiben und kann nicht sofort, wie in der Schule, nachfragen.
Jill: Ich finde es nicht so toll. Ich habe grundsätzlich auch keine Probleme, aber Schule wäre einfach schöner.
Wie klappt es mit der Technik, braucht ihr dabei Hilfe?
Mira: Das hat bisher gut geklappt, einige in unserer Klasse brauchten noch etwas Hilfe und manchmal gab es ein paar Schwierigkeiten mit den Zeiten, bis wann wir Aufgaben hochladen müssen. Für Politik hatten wir mal einen ganzen Monat Zeit...
Jill: Ich habe es bisher alleine geschafft. Aber unsere Lehrer helfen, wenn es nötig ist.
Mathilda: Das Hochladen klappt eigentlich ganz gut, aber einmal habe ich ein Fach im falschen Ordner gespeichert und die Lehrerin konnte es nicht sehen. Das war dann etwas kompliziert.
Im Frühjahr wart ihr noch in der Grundschule, jetzt seid ihr am Gymnasium. Gibt es einen Unterschied beim Distanzunterricht?
Jill: Es ist jetzt viel einfacher die Lehrer etwas zu fragen, das hat bei uns in der Grundschule nicht so gut funktioniert...
Mathilda: Ich finde es jetzt auch viel einfacher, manchmal haben wir sogar drei Videokonferenzen an einem Tag, die hatten wir in der Grundschule ja gar nicht.
Mira: Ja, das stimmt. Aber meine Schwester Leni, die jetzt in der zweiten Klasse ist, macht mittlerweile auch Videokonferenzen in der Grundschule.
Ihr konntet euch die Schulen vor eurem Schulwechsel ja noch ansehen, das geht in diesem Schuljahr leider nicht. Warum habt ihr euch für das ASG entschieden?
Mira: Ich habe mir die Realschule und das Gymnasium angeguckt und fand es schließlich im Gymnasium schöner. Aber das war schon eine ganz schön schwierige Entscheidung.
Mathilda: Ich habe mir auch noch zwei Schulen in Attendorn angeguckt. Eigentlich hätte ich mich nie entscheiden können, weil mir alle gleich gut gefallen haben. Aber nach Böddinghausen ist die Fahrt kürzer und hier gehen auch einige Freunde hin.
Jill: Ich hatte auch keine Lust nach Attendorn zu fahren. Und da ich eine reine Gymnasial-Empfehlung hatte, habe ich mich für das ASG entschieden.
Gab es etwas, das euch dabei besonders wichtig war?
Mathilda: Dass die Lehrer nett sind, wie die Schule von innen und außen aussieht und dass ich mich wohlfühle. Ich hätte auch nicht alleine auf eine Schule gehen wollen, deshalb ist es toll, dass auch meine Freundinnen hier zur Schule gehen.
Mira: Für mich war auch wichtig, dass die Lehrer nett sind und dass ich mich wohlfühle. Ich hätte es nicht so schön gefunden, wenn man in die Schule kommt und denkt: Oh, hier sieht es aber nicht so toll aus.
Jill: Das Aussehen war mir auch ein bisschen wichtig, vor allem habe ich mir aber gewünscht, dass ich gute Lehrer habe.
Eine Entscheidung ist euch aber besonders schwer gefallen...
Alle drei: Ganz schön schwer war es, das Profilband zu wählen (Anmerkung: Am ASG wählen die Schülerinnen und Schüler bereits in der fünften Klasse einen zusätzlichen Schwerpunkt, das so genannte Profilband. Zur Auswahl stehen Mint – also Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik –, Musik und der bilinguale Zweig mit Englisch).
Jill: Mint mag ich nicht so, deshalb war für mich klar, dass ich den bilingualen Kurs wähle. Aber ich würde auch gerne Spanisch lernen... (Anmerkung: Das kann sie am ASG in der Oberstufe)
Mathilda: Musik kam für mich gar nicht in Frage, weil ich da nicht so viel Spaß dran habe. Bili macht zwar am meisten Arbeit, ist aber bestimmt auch etwas wichtiger.
Mira: Musik wäre meine zweite Wahl gewesen, weil ich auch Gitarre spiele. Aber Englisch ist mein Lieblingsfach, das ich voll gerne mag. Und weil ich gerne eine andere Sprache spreche, habe ich Bili gewählt.
Habt ihr denn vielleicht ein paar Tipps für die Kinder, die die weiterführenden Schulen nicht in Augenschein nehmen konnten?
Alle drei empfehlen die Schule einfach mal von außen unter die Lupe zu nehmen und glauben, dass es ganz schön schwierig ist, sich für eine Schule zu entscheiden, die man sich nicht ansehen konnte.
Mathilda: Am besten spricht man dann auch mal mit anderen Schülern, die man kennt, und fragt sie, wie es ihnen an der Schule gefällt. Aber jedem ist natürlich was anderes wichtig. Ich würde auch gucken, zu welcher Schule meine Freunde wechseln.
Corona wird uns sicher noch ein bisschen begleiten. Aber: Worauf freut ihr euch danach am meisten?
Jill: Aufs Shoppen! Endlich wieder in die Läden und zusammen Essen gehen, keine Maske mehr tragen, wieder mit Freunden treffen. Und natürlich darauf, dass die Schule wieder anfängt.
Mathilda: Leute umarmen, wieder in die Schule zu dürfen, meinen Hobbys nachgehen. Mir fällt hier zu Hause das Dach auf den Kopf. Ich fände es gut, wenn man wieder in einen Freizeitpark dürfte oder shoppen. Die Masken gehen mir total auf die Nerven, genauso wie das ständige Desinfizieren.
Mira: Ich freue mich auf die Schule, endlich wieder zum Turnen zu dürfen und zum Gitarrenunterricht. Umarmen oder ins Schwimmbad gehen – das fehlt mir sehr.

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