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„Endlich wieder Kirmes“: Schausteller Langhoff über den Neustart nach Corona

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Von: Dirk Grein

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Am Donnerstagnachmittag waren die Rollläden des Süßigkeitenstandes heruntergelassen, mussten sich die Besucher gedulden. Doch ab Freitagmittag hofft Schausteller Alexander Langhoff auf das pralle Leben am Wieden.
Am Donnerstagnachmittag waren die Rollläden des Süßigkeitenstandes heruntergelassen, mussten sich die Besucher gedulden. Doch ab Freitagmittag hofft Schausteller Alexander Langhoff auf das pralle Leben am Wieden. © Grein, Dirk

Zwei Jahre lang war seine Branche lahmgelegt, durch die Pandemie zum Nichtstun verurteilt. Jetzt, da es wieder losgeht für Schausteller Alexander Langhoff und seine Familie, ergeben sich neue Hindernisse. Trotz eines Neustarts mit einigen Problemen – seinen Optimismus will der Plettenberger nicht aufgeben.

Plettenberg - „Endlich wieder Kirmes“, sagt der 43-Jährige, als er freudestrahlend über den Wieden spaziert. Hier wird der Autoscooter aufgebaut, dort ein Karussell abgestaubt, während direkt gegenüber die Rollläden am Süßigkeitenstand noch heruntergelassen sind. Doch nicht mehr lange: Die Vorbereitungen für den Frühjahrsmarkt in Plettenberg sind nahezu abgeschlossen, am Freitagmittag erfolgt die Eröffnung.

Nicht nur die Schausteller haben das Unterwegssein vermisst. Auch die Besucher freuen sich, dass wieder etwas vor Ort geboten werde. „Es gibt Kinder, die sind noch nie in ihrem Leben mit einem Karussell gefahren“, weiß Langhoff. Er spüre einen Nachholbedarf in der Bevölkerung, seitdem er wieder mit seinen Fahrgeschäften unterwegs sein kann. Ob in Osnabrück oder Hannover, in Attendorn oder Werdohl: Die letzten dreieinhalb Wochen seien annähernd auf 2019er-Niveau gewesen.

Das sei auch dringend notwendig: Die letzten beiden Jahre seien eine einzige Katastrophe gewesen. Große Märkte in der heimischen Region gab es nicht, notgedrungen wichen die Langhoffs in beiden Sommern mit zwei Karussells nach Polen aus. Dort seien die Corona-Maßnahmen bei Freiluftveranstaltungen anders ausgelegt worden als hierzulande. „Da ging dann wenigsten ein bisschen was“, sagt der Plettenberger. Zudem konnten in heimischen Geschäften Kirmes-Süßwaren verkauft werden, um über die Runden zu kommen.

„Das ging dann schon ans Ersparte“, fasst Alexander Langhoff zusammen. Hilfsgelder seien zwar geflossen, aber erst mit sechs bis neun Monaten Verspätung. Ein Großteil der Mitarbeiter wurde in Kurzarbeit geschickt. Für den Betrieb ging es einzig und allein darum, diesen irgendwie durch die Pandemie zu bringen.

Als seien die wirtschaftlichen Probleme nicht genug, verstarb vor etwa einem Jahr unerwartet Vater Hartmut Langhoff. Ein Schock für die gesamte Familie, der nur schwer zu verkraften war und ist, und der zudem eine betriebliche Neustrukturierung erforderte.

Mutter Barbara und ihre beiden Söhne Geron und Alexander haben die Aufgaben untereinander neu aufgeteilt. Aus organisatorischen Gründen verabschiedeten sie sich schweren Herzens von einem ihrer großen Fahrgeschäfte (dem Top Spin), das an einen befreundeten Schausteller verkauft wurde.

Neu sortiert soll das Geschäft mit den verbleibenden 34 Attraktionen – größtenteils stationiert in einer Werdohler Lagerhalle – und den anderen Ständen angekurbelt werden. Doch die allgemeinen Bedingungen könnten kaum schlechter sein: Explodierende Energie-, Transport- und Warenkosten sowie Lieferschwierigkeiten (unter anderem für Teddybären) erschweren den Betrieb und erfordern letztlich auch die Anpassung der eigenen Preise.

Dennoch: Alexander Langhoff lässt sich davon die Zuversicht nicht rauben. „Wir brauchen nur gutes Wetter und viele Besucher, dann sind wir doch schon zufrieden“, meint er bezogen auf das anstehende Wochenende. Nachdem sich die Grüner Schützen dazu durchgerungen haben, ihr Schützenfest in abgespeckter Form und größtenteils auf der Wieckmerth zu feiern, sprang der 43-Jährige als Betreiber der Kirmes am Wieden ein.

Gemeinsam mit anderen Schaustellern hat er eine farbenfrohe Budenwelt organisiert. Autoscooter, Fliegender Teppich, Kinderkarussells, Bungee-Trampolin, Spielbuden sowie Verpflegungsstände locken in die Innenstadt. Auch dem Organisator ist nach der langen Pause in seiner Heimatstadt die Vorfreude deutlich anzumerken: „Endlich wieder Kirmes.“

Die Frühjahrsmarkt-Kirmes beginnt am Freitag und Samstag gegen 14 Uhr sowie am Sonntag um 13 Uhr, Ende jeweils offen.

Frühjahrs- und (Bücher-)Flohmarkt am Wochenende

Am Wochenende wird in der Plettenberger Innenstadt wieder einiges los sein. Zur offiziellen Eröffnung der Innenstadt finden ein Frühjahrsmarkt mit Kirmes und ein Flohmarkt statt.

Die Veranstaltung am Samstag, 7. Mai, dauert von 11 bis 16 Uhr. Dabei ist um 13 Uhr die Eröffnung durch Bürgermeister Ulrich Schulte, bei der auch unter dem Motto „Wasser marsch“ die Innenstadt nach der Sanierung neu eröffnet wird und damit auch die Wasserspiele, die erst kürzlich in Betrieb genommen wurden.

Parallel findet von Freitag bis Sonntag die Kirmes statt. Alexander Langhoff habe diese wie gewohnt parallel zum Grüner Schützenfest stattfinden lassen wollen, erklärt Sylvia Eick, Geschäftsführerin der Kultour GmbH. Da stand noch nicht fest, dass die Grüner Schützen nur einen Teil ihrer Feierlichkeiten an diesem Wochenende planen. Man habe sich dann zusammengetan, damit aus Kirmes und Frühlingsmarkt ein großes Fest wird: „Der Markt zieht sich dann vom Alten Markt bis zum Wieden hoch.“

Neben Kirmesattraktionen werden die Plettenberger Einzelhändler am Samstag auch länger öffnen – bis 16 Uhr. Auch die Kultour GmbH plant Aktionen wie ein Glücksrad am W9 an der Wilhelmstraße. Auch einen Waffelwagen und einen Foodtruck soll es geben. Auch das feuerrote Spielmobil wird in der Innenstadt sein, um die Kleinen zu unterhalten, so Eick. „Wir haben so einen schönen Familientag.“

Dazu gehört auch ein Familienflohmarkt, bei dem einst Schätze vom Dachboden angeboten werden können und Sammler nach Lückenfüller einer unvollständigen Sammlung suchen können. Spielzeug sucht ebenso neue Besitzer wie gebrauchte Kinderkleidung. Parallel lädt die Stadtbücherei zum Bücherflohmarkt ein, bei dem buntgemischte Bücher zum Verkauf stehen.

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