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Frauenarzt verlässt Plettenberg – Praxisübernahme unklar

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Von: Johannes Opfermann

Frauenarzt Ralf Nowak pendelte jede Woche von Bayern ins Sauerland.
Frauenarzt Ralf Nowak wohnt mit seiner Frau in Bayern und ist stets zu Wochenbeginn ins Haus nach Attendorn und von dort zur Praxis nach Plettenberg gependelt. © Nowak

Der Gynäkologe Ralf Franz Nowak hat in dieser Woche seine Praxis in Plettenberg geschlossen, um in Hessen eine andere Frauenarztpraxis zu übernehmen. Die Gründe dafür sind privat.

Plettenberg – „Ich gehe einfach in die Heimat zurück“, sagt Nowak. Der Hesse, geboren in Marburg, wo er auch Medizin studierte, war insgesamt 25 Jahre im Sauerland, davon 13 in Plettenberg tätig. Dass für ihn in der Praxis am Oberstadtgraben nach der zurückliegenden Woche Schluss ist und er in der hessischen Kleinstadt Ortenberg eine Praxis übernimmt, hat für den Gynäkologen allerdings rein private Gründe.

Der 56-Jährige lebt in zweiter Ehe mit seiner Frau in der Nähe von Aschaffenburg, also in Bayern. Zu Wochenbeginn pendelte das Paar zum Haus in Attendorn, von dort dann unter der Woche in die Praxis in Plettenberg. Am Ende der Woche ging es wieder zurück nach Bayern. Eigentlich sollte das auch noch so weitergehen. Nach dem Verkauf des Hauses in Attendorn wollte das Paar künftig direkt nach Plettenberg pendeln, hatte schon eine kleine Wohnung in Aussicht. Doch es kam anders.

„Uns lief jemand über den Weg, der einen Nachfolger für seine Praxis suchte“, berichtet Frauenarzt Nowak. „Das war ein totales Zufallsprodukt.“ In der hessischen Kleinstadt Ortenberg suchte ein Kollege – Frauenarzt Dr. Ulrich Schlomann – einen Nachfolger für seine Praxis. Als einziger Frauenarzt vor Ort versorgte dieser nicht nur Patientinnen in Ortenberg, sondern aus einem großen Einzugsgebiet im Umkreis. Hätte die Praxis tatsächlich zum 30. Juni schließen müssen, „wäre das eine mittlere Katastrophe gewesen“, sagt Nowak. Er schaute sich die Praxis an und entschied sich nach etwas Überlegung schließlich, diese zu übernehmen und ab dem 1. Juli weiterzuführen. Der Wechsel bedeutet für Nowak eine künftig wesentlich kleinere Pendelstrecke über die bayrisch-hessische Landesgrenze.

Wichtig für Nowak war und ist vor allem, dass die aktuell von ihm behandelten Schwangeren alle bei einem anderen Frauenarzt untergekommen sind. Er ist zuversichtlich, dass seine anderen Patientinnen ebenfalls eine andere Praxis finden. Denn trotz der Schließung seiner Praxis sieht Nowak Plettenberg mit immer noch drei gynäkologischen Praxen weiterhin „absolut top“ versorgt.

Das bestätigt auch Ansgar von der Osten, Geschäftsbereichsleiter für Sicherstellungspolitik und -beratung bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. „Der Märkische Kreis ist mit einem Versorgungsgrad von knapp 138 Prozent frauenärztlich extrem gut versorgt.“ Rechnerisch kämen im MK auf einen Frauenarzt 6 375 Frauen, das ergäbe für Plettenberg mit 12 645 Frauen zwei Frauenärzte. Doch bei einer Zulassung spiele neben diesem Wert auch die Auslastung einer Praxis eine Rolle. Die bislang vier gynäkologischen Praxen versorgten auch Einzugsbereiche außerhalb von Plettenberg mit, etwa Herscheid.

Die Chancen stehen gut, dass Nowaks Praxis nicht dauerhaft wegfällt. Er selbst hat die Zulassung für seine Praxis bereits an die KVWL zurückgegeben, sodass jemand anderes diese übernehmen könnte. Eine erste Interessentin habe leider kurzfristig abgesagt. „Das war sehr ärgerlich“, so Nowak. Denn da schon die Weichen für seinen Weggang gestellt waren, muss die Praxis erst einmal schließen, müssen die Angestellten sich nach neuen Stellen umsehen, in einem Fall schon mit Erfolg. Nun soll es aber laut Nowak bereits eine neue Interessentin für eine Übernahme geben, die sich beim Zulassungsausschuss gemeldet habe. Zu Details des Zulassungsverfahrens konnte sich von der Osten seitens der KVWL nicht äußern, bestätigte aber, „dass die Praxis derzeit aktiv ausgeschrieben wird“.

Im Internet wird auch Kritik an der Praxisschließung laut

Die Nachricht über den Weggang von Frauenarzt Nowak aus Plettenberg rief, insbesondere in Facebook-Gruppen, negative Reaktionen hervor. „Da waren teilweise Anfeindungen dabei, das war echt ein Ding“, sagt Nowak. Mit Kommentaren wie „unter aller Sau“ regten sich einige wenige über die Praxisschließung auf und darüber, dass er sie als Patientinnen nicht früher und persönlich darüber informiert habe. „Das waren teilweise Leute, die seit fünf Jahren nicht in der Praxis waren“, hat Nowak kein Verständnis für den Ärger. Auch den Vorwurf, seine Absicht nicht genug kommuniziert zu haben, weist er von sich. Bei einem laufenden Verfahren sei es nicht üblich, überall herumzuerzählen, dass man schließt.

Ein Teil der Online-Kritik bezog sich auch auf die Patientenakten. „Es ist nicht so, dass die Patientenakten den Leuten gehören“, räumt Nowak mit einer falschen Annahme auf. Bei den Akten handele es sich um seine Notizen und Unterlagen als Arzt, die ihm gehörten. „Die muss ich aufbewahren oder an einen Nachfolger übergeben, denn ich muss nachweisen können, dass ich richtig gearbeitet habe.“ Ein Anrecht auf Kopien, ob in Papierform oder digital, hätten Patienten natürlich, aber das sei eben kostenpflichtig. Die negativen Reaktionen stellen aus Nowaks Sicht aber nur eine kleine Minderheit dar. Insgesamt seien die Abschiede gut und herzlich verlaufen.

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