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Zu gut für die Tonne: Lebensmittelretterin sucht Mitstreiter im Lennetal

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Von: Johannes Opfermann

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Viele Nahrungsmittel werden weggeschmissen, obwohl sie noch essbar sind: Jelena Burkert möchte als Foodsaver auch in Plettenberg und Umgebung Lebensmittel retten und sucht Mitstreiter zur Gründung einer Foodsharing-Gruppe.
Viele Nahrungsmittel werden weggeschmissen, obwohl sie noch essbar sind: Jelena Burkert möchte als Foodsaver auch in Plettenberg und Umgebung Lebensmittel retten und sucht Mitstreiter zur Gründung einer Foodsharing-Gruppe. © Opfermann, Johannes

Lebensmittel, die eigentlich noch genießbar sind, landen tagtäglich auf dem Müll – in Privathaushalten wie in Unternehmen. Foodsaver und Foodsharer tun etwas dagegen, indem sie – wie der Name schon sagt – Nahrung retten und teilen. Im Lennetal gibt es bislang keine Foodsharing-Gruppe. Eine Plettenbergerin würde das gerne ändern.

Plettenberg/Lennetal - „Lebensmittelverschwendung kann ich nicht haben, auch nicht im Haushalt“, sagt Jelena Burkert. Die 35-Jährige, die mit ihrer Familie in Holthausen wohnt, achtet bereits beim Einkaufen darauf, dass sie nicht zu viel besorgt und möglicherweise wegschmeißen muss. Bevor sie etwas wegschmeiße, friere sie Lebensmittel lieber ein oder teile sie mit Nachbarn. Über eine Freundin wurde sie dann auf das Thema Foodsharing aufmerksam.

„Sie macht das in einer Gruppe in Halver und hat mir erzählt, was da alles an Lebensmitteln von den einzelnen Betrieben anfällt, die mitmachen“, sagt Burkert, die sich daraufhin auf der Webseite www.foodsharing.de über das Thema informierte. Für Burkert war der erste Schritt, sich als Food-sharer zu registrieren. „Man kann Essenskörbe reinstellen, also nur was man selbst zuviel an Essen hat und dadurch mit anderen teilen“, erklärt Burkert.

Lebensmittel teilen und retten

Nur Foodsharer zu sein reichte ihr allerdings nicht aus. Über die Webseite qualifizierte sie sich weiter, um auf der nächsten Stufe innerhalb der Foodsharing-Hierarchie als Foodsaver Lebensmittel zu retten. Auf der Food-sharing-Webseite setzte sie sich in einem Quiz mit Verhaltensregeln auseinander, die den Umgang mit Lebensmitteln und den Betrieben angehen, die die Waren abgeben.

Auf die Theorie folgte die Praxis bei drei Probeabholungen in Betrieben in Lüdenscheid und Schalksmühle. „Ich bin erstaunt, wie viel noch gut ist, aber auf dem Müll landet, weil es kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum ist oder knapp darüber“, sagt Burkert über diese Erfahrung. „Die meisten Sachen halten sich ja viel länger als das MHD.“

Foodsharing ist vor allem in Groß- und Universitätsstädten weit verbreitet, aber auch im Märkischen Kreis gibt es Gruppen, wie erwähnt in Halver, aber auch in Iserlohn oder – die von Burkert aus gesehen nächste – in Lüdenscheid und Schalksmühle. Dort ist sie nun erst einmal als Lebensmittelretterin aktiv, auch wenn die weiten Anfahrtswege langfristig ökologisch nicht sinnvoll seien.

Deswegen ist sie auf der Suche nach weiteren Interessierten nicht nur aus Plettenberg, sondern auch aus Herscheid und Werdohl, um eine eigene Gruppe von Foodsharern und Foodsavern zu gründen. Eine mögliche Mitstreiterin hat sie bereits über das Foodsharing-Portal gefunden, wo man nicht nur Gruppen, sondern auch einzelne Foodsharer und Foodsaver in seiner Nähe finden kann.

Die Werdohlerin Charlotte Geissler engagiert sich bereits seit anderthalb Jahren in der Foodsharing-Gruppe in Lüdenscheid und Schalksmühle. „Ich bin dazu gekommen, weil meine Schwester in Hannover Foodsaverin ist und davon so geschwärmt hat“, erzählt Geissler. Ihr Antrieb ist, ebenfalls etwas gegen die Lebensmittelverschwendung zu tun. „Es wird superviel weggeschmissen – man kann es sich nicht vorstellen.“

Als Beispiel nennt sie das viele Obst und Gemüse, das in Supermärkten weggeworfen wird, obwohl es noch verzehrbar ist. „Wenn da in einem 10er-Netz Orangen eine schimmelig ist, würde man sie nicht kaufen wollen“, sagt Geissler. Die Mitarbeiter hätten keine Zeit zum Aussortieren, also werde das ganze Netz mitsamt der neun guten Orangen weggeworfen.

Foodsharing nutzt auch Unternehmen

Trotz der Distanz nach Lüdenscheid und Schalksmühle findet Geissler die Arbeit in der dortigen Gruppe „total super“. In der Foodsharing-Hierarchie ist sie eine sogenannte Betriebsbeauftragte, das heißt sie kann mit einem oder einer anderen Betriebsbeauftragten Unternehmen ansprechen, ob diese sich eine Zusammenarbeit mit den Foodsharern vorstellen können.

Denn für die Unternehmen habe das durchaus Vorteile. Foodsaving könnte deren Müllkosten reduzieren und in mehrfacher Hinsicht etwas für die Umwelt tun. „Wir sorgen dafür, dass kein Plastik von den Verpackungen in den Restmüll konnt und versorgen Familien, die vielleicht keinen Anspruch auf einen Tafelausweis haben, mit Obst und Gemüse“, sagt Geissler.

Lebensmittelverschwendung kann ich nicht haben, auch nicht im Haushalt.

Jana Burkert

„Wir nehmen aber nur das, was die Tafel nicht braucht“, betont Burkert. „Wir wollen auf keinen Fall eine Konkurrenz zu den Tafeln sein, die Bedürftigen haben Vorrang.“ Das erfordert Abstimmung mit den Tafeln in den jeweiligen Kommunen.

Selbst wenn Unternehmen bereits an die Tafel spenden, gibt es immer noch reichlich Lebensmittel, die ohne die Retter auf dem Müll landen würden. „Wenn man an einem Samstag, an dem die Tafel nicht abholt, mit zwei Leuten jeweils sechs Kisten abholt – jede fast rund 40 Liter – kann man sich vorstellen, wie viel weggeschmissen wird“, berichtet Charlotte Geissler.

Es komme viel zusammen an Obst, Gemüse, Backwaren und auch Milchprodukten, die alle noch verzehrbar sind. Und die geretteten Lebensmittel verteilen die Retter wiederum weiter – meist organisiert über Whatsapp-Gruppen. „Wichtig ist, dass nichts weiterverkauft, sondern nur verschenkt werden darf“, stellt Burkert klar. Denn auch das ist Teil der Foodsaver-Schulung. „Man soll nur das weitergeben, was man auch selbst verzehren würde.“

Zuverlässigkeit bei Abholung

Gegenüber den Unternehmen sei beim Thema Food-sharing Verlässlichkeit das Allerwichtigste, betonen Burkert und Geissler einmütig. „Sobald wir einen Laden ansprechen, müssen wir die Abholung auch zu den vereinbarten Terminen garantieren können“, erklärt Geissler. Entsprechend brauche man einen gewissen Pool an Foodsavern, am besten 15 bis 20 Personen, die diese regelmäßigen Abholungen gewährleisten.

Bevor an Abholungen in Plettenberg und Umgebung zu denken ist, „müsste man erstmal genug Leute zusammenbekommen“, betont Burkert und hofft, dass sich mindestens 15 Bürger in Plettenberg und den Nachbarkommunen finden lassen, um eine eigene Foodsharing-Gruppe zu etablieren. Wenn diese Voraussetzung erfüllt sei, könne man schauen, welche Unternehmen für das Thema Foodsharing offen seien.

Auf www.foodsharing.de können sich Interessierte informieren und sich auch an die lokalen Repräsentanten wenden. Die Vertreter für die Gruppe Lüdenscheid/Schalksmühle sind erreichbar per Email an schalksmuehle-luedenscheid@foodsharing.network. Wenn sich Interessierte direkt an Jelena Burkert wenden möchten, können sie dies unter Email an sjburkert@t-online.de oder telefonisch unter Tel. 0 23 91 / 59 99 761.

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