Förderschule: Es formiert sich Widerstand

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Auch die Friedensschule Lüdenscheid muss um ihre Existenz bangen.

Plettenberg - Der Märkische Kreis muss sich auf massiven Widerstand einstellen. Zahlreiche Eltern haben bereits angekündigt, die Pläne für die neue Förderschullandschaft im Kreis nicht zu akzeptieren und ihren Unmut darüber in der heutigen Sitzung des Schulausschusses kund zu tun. Auch die Politik – vor allem in Werdohl – fühlt sich düpiert.

Letzte Woche hatte die Kreisverwaltung die für alle Beteiligten überraschenden Pläne für die Förderschulen öffentlich gemacht. Demnach sollen die Plettenberger Vier-Täler-Schüler ab dem kommenden Sommer an der Mosaik-Schule in Meinerzhagen unterrichtet werden. Aber sie sind nicht die einzigen Leidtragenden. Die Friedensschule in Lüdenscheid soll aufgegeben werden, dafür entsteht ein ganz neuer Standort in der leer stehenden Hauptschule in Altena-Rahmede, zu dem sowohl die Kinder aus Lüdenscheid, als auch Kinder aus Werdohl und Neuenrade wechseln sollen. Zahlreichen Kindern drohen kompliziertere Schulwege und ein völlig fremdes Umfeld.

„Wir werden kämpfen“, kündigt die Elternpflegschaftsvorsitzende der Vier-Täler-Schule, Tina Stahlschmmidt an. Gemeinsam mit anderen Plettenberger Eltern will sie heute an der Schulausschuss-Sitzung des Kreises in Hemer teilnehmen. Unterstützung wird die Gruppe dabei auch von Eltern aus Lüdenscheid erhalten. „Wir müssen wenigstens versuchen, den Standort zu erhalten. Das sind wir den Kinder schuldig“, äußerten sich Anja Säftel, Katja Schmitz und Anke Pedack, deren Kinder die Friedensschule besuchen, gegenüber den Lüdenscheider Nachrichten. Außerdem wollen die Eltern über die sozialen Medien Protest organisieren. Im Raum stehen auch eine Unterschriftensammlung und eine Petition.

Aber nicht nur Eltern, sondern auch örtliche Politiker gehen angesichts der Förderschulpläne auf die Barrikaden. Die Lüdenscheider Ratsparteien haben einen interfraktionellen Beschluss gefasst, sich mit einer Resolution zwecks Friedensschul-Erhalts an den Kreis zu wenden. Auch in Werdohl ist die Empörung groß. Bis zuletzt galt die Plettenberger Nachbarstadt als Favorit für einen zentralen Förderschulstandort – ganz einfach aufgrund der geografischen Lage, die für Plettenberger, Werdohler und Neuenrader Kinder noch erträglich gewesen wäre. Die Stadt Werdohl bot als Standort das freie Hauptschulgebäude am Riesei an, doch der Kreis lehnte mit dem Hauptargument, es sei zu klein, ab.

Bürgermeisterin Silvia Voßloh reagierte darauf ungewohnt direkt: „Ich bin sehr betroffen. Die Entscheidung pro Altena kann ich nicht in Gänze nachvollziehen.“ Im Kreis-Vorschlag sei nur von zwölf Klassenräumen der ehemaligen Werdohler Hauptschule die Rede, tatsächlich seien es aber 18 Räume. Die ganze Zeit über sei sie davon ausgegangen, dass Werdohl als Standort vom Kreis ausgewählt würde. Die Stadt Werdohl habe viele Gespräche und Termine mit dem Kreis in dieser Sache gehabt. Die Signale vom Kreis seien stets so gewesen, dass Werdohl Förderschulstandort werden solle.

„Die Kreisvorlage ist für mich alles andere als schlüssig“, ärgert sich auch das Werdohler Ratsmitglied Dirk Middendorf (CDU). Es seien Argumente gegen Werdohl „vom Himmel gefallen.“ Aus Werdohler Sicht sei das „ein Kracher“. Die Vorlage sei „an den Haaren herbeigezogen.“ Viele Beteiligte aus Plettenberg, Lüdenscheid und Werdohl wollen sich heute in der Schulausschusssitzung zu dem Thema Förderschule äußern. Doch womöglich wird der Ärger noch größer. Nach unseren Informationen gibt es bei der SPD-Kreisfraktion bisher noch kein eindeutiges Meinungsbild zur Zukunft des Förderschulstandorts Friedensschule. Nicht auszuschließen, dass das Thema im Schulausschuss auf die Kreistagssitzung am 19. Oktober vertagt wird.

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