Wegen eines Finanzstreits

Standort im MK: Automobilzulieferer Dura stellt Insolvenzantrag

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Plettenberg - Die Firma Dura um ihre schillernde Geschäftsführerin Lynn Tilton hat es mal wieder in die Schlagzeilen geschafft. Das US-Unternehmen hat am Heimatsitz in den Vereinigten Staaten von Amerika einen Insolvenzantrag gemäß Chapter 11 gestellt.

Was genau hinter dem Insolvenzantrag des US-Unternehmens steckt, das 21 Jahre lang bis zur Schließung im April dieses Jahres auch ein Werk in Plettenberg hatte, versuchen in diesen Tagen mehrere namhafte US-Medienhäuser genauer zu analysieren, unter anderem der renommierte Nachrichtendienst Bloomberg in New York City.

Denn dass es an Geld oder Aufträgen mangelt, scheint nicht der Grund zu sein, warum Lynn Tilton eine vom Gericht überwachte Reorganisation der Firmenfinanzen wollte. Dura sei durchaus profitabel, es sei nicht zu erwarten, dass der Betrieb beeinträchtigt werde, heißt es.

Während die Mitarbeiter sowohl in den USA, als auch an den deutschen Standorten – bekanntlich hat Dura nach der Schließung in Plettenberg ein neues Techcenter in Lüdenscheid mit knapp 100 Mitarbeitern eröffnet – aller Voraussicht nach weiterhin ihren Dienst verrichten können, läuft hinter den Kulissen ein Machtpoker um die Finanzen. Die Gesellschafter des Automobilzulieferers streiten sich um die Firmenanteile.

„Laufende Streitigkeiten haben es Dura unmöglich gemacht, Zugang zu unverzichtbaren Finanzierungen zu erhalten“, sagte Tilton laut US-Medien in einer Pressemitteilung. Das Insolvenzverfahren werde es dem Unternehmen ermöglichen, voranzukommen und auf das notwendige Kapital zuzugreifen, das sein Wachstum vorantreiben soll, so Lynn Tilton.

Abschließend berichten Bloomberg und Co., dass das Unternehmen davon ausgehe, dass innerhalb von vier Monaten ein beschleunigter Verkauf stattfinden würde. Einer der möglichen Käufer, der Dura-Anteile: Lynn Tilton selbst.

Die Geschäftsfrau kennt sich aus mit Insolvenzen nach Chapter 11. Bereits im Jahr 2008 hatte der US-Konzern Dura einen Chapter-11-Antrag gestellt, der es Lynn Tilton im Jahr 2009 ermöglichte, das Unternehmen und damit auch das Werk in Plettenberg für seinerzeit 125 Millionen Dollar zu kaufen.

Zur Erklärung: Chapter-11-Insolvenzanträge werden in den USA dann gestellt, wenn das betroffene Unternehmen nicht etwa liquidiert werden soll (dafür müsste die Firma ihren Fall unter Chapter 7 einreichen), sondern eine Restrukturierung seiner Finanzen anstrebt. „Viele große US-Unternehmen haben erfolgreich eine Umstrukturierung nach Chapter 11 durchgeführt und dabei ihr Tagesgeschäft aufrechterhalten. So führen zum Beispiel Fluglinien unter Chapter 11 ihren Flugbetrieb weiter“, schreibt das Online-Lexikon Wikipedia über den Insolvenzrechts-Abschnitt Chapter 11.

Ob und welche Auswirkungen der Insolvenzantrag in den USA auf den Lüdenscheider Standort hat, blieb am Mittwoch von Seiten des Unternehmens unbeantwortet.

Hier der englischsprachige Bericht über die Dura-Insolvenz von Bloomberg.

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