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Finanzierung unsicher: Suchtberatungsstelle im MK hofft auch mehr Unterstützung

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Von: Christos Christogeros

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Frank Horstmann und Sabine Schneider von der Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werks.
Frank Horstmann und Sabine Schneider von der Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werks. © Horstmann

Eine mitunter schwierige Finanzierung und dann auch noch die Corona-Pandemie: Die Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werks leistet zwar einen unschätzbar wertvollen Beitrag für die Gesellschaft und zur Daseinsvorsorge.

Plettenberg - Dennoch muss die Arbeit der Berater noch mehr in das Licht der Öffentlichkeit gerückt und weiter unterstützt werden. Um die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, nimmt die lokale Suchtberatungsstelle an der bundesweiten Aktion „Kommunal wertvoll“ am 10. November teil.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) plant und koordiniert den Aktionstag und sieht Suchtberatungsstellen als eine unverzichtbare Hilfe für suchtgefährdete und abhängigkeitskranke Menschen und deren Angehörige. Trotz dieser enormen Relevanz sei die Finanzierung vielerorts prekär. Auch die Suchtberatungsstelle Plettenberg werde durch einen nicht unerheblichen Teil aus Eigenmitteln des Evangelischen Kirchenkreises finanziert.

Corona-Pandemie

Neben der mitunter schwierigen Finanzierung sei auch die Arbeit der Suchttherapeuten Frank Horstmann und Sabine Schneider durch die Corona-Pandemie geprägt. „Mit einem angepassten Hygiene-Schutzkonzept ist es uns bislang möglich gewesen, unser Angebot aufrecht zu halten und die Hilfesuchenden vor Ort zu versorgen“, erklärt Schneider, die seit 1989 zunächst als Suchtberaterin, später auch als Suchttherapeutin für das Diakonische Werk tätig ist.

Erstkontakt

Lediglich die Erstkontakte fänden telefonisch statt. Interessierte erhielten zeitnah einen persönlichen Einzelgesprächstermin. In einer sogenannten Klärungsphase verschaffen sich die Therapeuten einen Überblick der Problematik und motivieren die Hilfesuchenden. „Ziel ist es, die Hilfesuchenden schließlich in das medizinische Hilfesystem, zum Beispiel in die stationäre Entgiftung oder die medizinische Rehabilitation, überzuleiten“, erläutert Horstmann, der seit 1997 das Team komplettiert.

Entgiftung

Ist die Entscheidung für ein suchtmittelfreies Leben getroffen, erfolge zunächst eine körperliche Entgiftung von den Suchtstoffen in einem (Fach-)Krankenhaus. Diese dauere in der Regel ein bis drei Wochen, abhängig von der Schwere der körperlichen Suchtentwicklung. Erforderlich sei eine Einweisung durch den Hausarzt; Kostenträger hierfür seien die Krankenkassen.

„Für die Hilfesuchenden ist es wichtig, herauszufinden, wie schwerwiegend ihre Sucht ist, ob sie zu Veränderungen bereit sind und sich auf diesem Wege suchttherapeutisch begleiten lassen wollen“, erläutert Schneider. Nicht nur das süchtige Verhalten müsse überwunden werden. Im weiteren Verlauf der Therapie müssten die der Sucht zugrunde liegenden Probleme und psychischen Belastungen aufgedeckt und bearbeitet werden.

„Es gibt Kliniken mit besonderen Angeboten, zum Beispiel für Migranten, Menschen mit Depressionen, Traumatisierungen oder weiteren Begleiterkrankungen“, sagt Schneider. Im Anschluss an eine stationäre Behandlung, die zwischen acht und 22 Wochen dauern könne, erfolge die Betreuung in der Suchtberatungsstelle in Form von Nachsorge oder ambulanter Weiterbehandlung.

Ambulante Reha

Alternativ zur stationären Therapie biete die Suchtberatungsstelle Plettenberg seit 2009 im Verbund der ambulanten Rehabilitation für Suchtkranke im Märkischen Kreis auch die Möglichkeit einer ambulanten Therapie an. „Diese kommt für Menschen in Frage, die nach einer Entgiftung stabil in ihrer Abstinenz sind, ein hinreichend unterstützendes soziales Umfeld haben sowie motiviert sind, regelmäßig ihre Termine wahrzunehmen und aktiv an ihren Zielen zu arbeiten“, erklärt Horstmann.

Die ambulante Rehabilitation umfasse wöchentliche Einzel- und Gruppentherapiegespräche und dauere sechs bis zwölf Monate, bei Bedarf auch bis zu 18 Monate. Die Patienten verblieben während der Maßnahme in ihrem häuslichen Umfeld, wobei sie ihren Alltagsverpflichtungen wie Berufstätigkeit oder Kinderbetreuung nachgehen könnten. In der Therapie Erarbeitetes könne dabei unmittelbar im Alltag erprobt, überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden, wobei dieser Prozess suchttherapeutisch unterstützt und begleitet würde.

Kontaktinfos

Wegen der Pandemie bittet die Beratungsstelle zunächst um telefonische Kontaktaufnahme (Tel. 0 23 91 /95 40 20). Danach erfolgen bei Bedarf persönlichen Gespräche unter Berücksichtigung des Hygiene-Schutzkonzeptes in den Räumen an der Bahnhofstraße 25.

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