Steiniger Weg für Thomas Steinweg

Aufzug steht und die Bahn schläft - Feuerwehr rettet gestrandeten Rollstuhlfahrer

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Der Aufzug führt vom Gleis zwei in die Unterführung. Er ist die einzige Möglichkeit, barrierefrei den Bahnhof zu verlassen.

Plettenberg – Es ist Donnerstagnachmittag 14.55 Uhr am Plettenberger Bahnhof. Am Bahnsteig ist es kaum auszuhalten. Das Thermometer zeigt 40 Grad Celsius im Schatten an – der heißeste Tag dieses Jahres trifft Plettenberg mit voller Wucht. Für Rollstuhlfahrer Thomas Steinweg endet der Tag am Eiringhauser Bahnhof besonders schrecklich.

Diejenigen, die das Glück haben und nicht in die Schule oder zur Arbeit müssen, bleiben vorzugsweise im Haus oder verweilen an den schattigen Ufern der Oestertalsperre. Thomas Steinweg hat jedoch keine Wahl, er hat sich bei dem heißen Wetter auf den weiten Weg von Berlin nach Plettenberg per Zug gemacht, um in seine ehemalige Heimat zu gelangen – und das mit einem Rollstuhl. 

Allerdings endet hier die barrierefreie Reise für den Mann, denn der Fahrstuhl von Gleis 2 in die Unterführung ist defekt und Thomas Steinweg ist somit am Bahnhof Eiringhausen gestrandet. Für den ehemaligen Plettenberger ist die fünfstündige Zugfahrt eigentlich nie ein größeres Problem gewesen. Die Reise sei zwar anstrengend, aber als Rollstuhlfahrer habe er sich daran gewöhnt, durch seine Behinderung nicht so flexibel zu sein wie andere. Glücklicherweise sind die Bahnsteige und Züge bundesweit größtenteils mit dem Rollstuhl befahrbar. An den Großstadtbahnhöfen gibt es genügend Fahrstühle, falls mal einer nicht funktionieren sollte. Nicht aber in Plettenberg, denn dort ist man auf den einzigen Fahrstuhl vom Gleis in die Unterführung angewiesen. 

Wenn der Aufzug defekt ist – und das ist nicht selten der Fall – hat man ein Problem, vor allem als Rollstuhlfahrer. „Es ist ja nicht das erste Mal, dass der Fahrstuhl nicht funktioniert. Aber das war gar nicht der Grund, der mich und meinen Sohn so entsetzt hat“, erklärt Wolfgang Steinweg im Gespräch mit der Heimatzeitung. Schlimmer sei die Reaktion des Mitarbeiters gewesen, den er anschließend mit der Notfalltaste am Aufzug um Hilfe bat. „Ich kann mir keinen Fahrstuhl aus den Rippen schneiden.“ Mit diesen Worten habe der Mitarbeiter aus der Zentrale reagiert und sei weder freundlich gewesen, noch habe er sich in irgendeiner Art und Weise um eine Lösung bemüht.

 „Das hat uns einfach wütend gemacht!“, beschreibt Wolfgang Steinweg, der seinem Sohn zur Hilfe geeilt war, seinen Zorn. Den beiden Männern blieb nichts anderes übrig als schließlich die Feuerwehr zu rufen. „Wir wussten uns einfach nicht anders zu helfen. Ich kann ja schlecht alleine den Rollstuhl die Treppe hinunter tragen“, so der Senior. Die Einsatzkräfte der hauptamtlichen Feuerwache waren schnell zur Stelle. Eigentlich zählt das Heruntertragen von Rollstuhlfahrern nicht zu den Aufgaben der Retter. Lediglich wenn Personen in den Fahrstühlen stecken bleiben, gilt es für die Wehrleute, Türöffnungen vorzunehmen. Dennoch helfen sie grundsätzlich, wenn sich Menschen in einer Notlage befänden, erklärt ein Sprecher der Feuerwehr. „Das hat dann alles zum Glück hervorragend funktioniert. Wir sind sehr dankbar dafür, dass uns die Feuerwehrleute so tatkräftig unterstützt haben und meinen Sohn mit vereinten Kräften die Treppe herunter getragen haben“, zeigt sich Wolfgang Steinweg froh über die Hilfsbereitschaft. 

Am Montag, vier Tage nach dem Vorfall, bat unsere Redaktion die Deutsche Bahn um eine Stellungnahme. Seitdem sind weitere fünf Tage vergangen – bis jetzt hat sich die Bahn nicht zu dem Vorfall geäußert. Noch immer funktioniert der Aufzug am Gleis 2 nicht. Alle Bahnreisenden mit Gepäck, Rollatoren und Rollstühlen müssen sich selbst um eine Alternative kümmern – und wenn es mithilfe der Feuerwehr ist, die zum Glück immer kommt, auch wenn es nicht in ihrem Aufgabenbereich liegt.

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