Löschgruppenführer abgestraft

Streit bei der Plettenberger Feuerwehr: Das sagt der Bürgermeister

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Noch im Februar waren die Ehrenamtler der LG Holthausen am Zilleweg mit höchstem Engagement damit beschäftigt zu retten, was noch zu retten war. 

Plettenberg – Querelen bei der Plettenberger Feuerwehr: Am Sonntag trat der Holthauser Löschgruppenführer Heinz-Wilhelm Klauke nach über 20 Jahren zurück. Am Mittwoch taten es ihm Andreas und Thomas Gritschke als seine Stellvertreter gleich. Die Löschgruppe Holthausen steht vor der Auflösung. Jetzt hat sich auch der Bürgermeister geäußert.

Update, 19.45 Uhr: Am Donnerstagabend nahm Bürgermeister Ulrich Schulte Stellung. 

Anbei lesen Sie seine Stellungnahme im Wortlaut: "Den Artikel „Löschgruppe Holthausen vor Auflösung“ habe ich heute Morgen mit Bedauern und mit Befremden zur Kenntnis genommen. Hierzu möchte ich einige Dinge klarstellen. 

Entgegen der Aussage der Löschgruppe Holthausen wurde nicht versucht, eine langfristige Verbesserung der Gesamtsituation und des Umganges innerhalb der Feuerwehr Plettenberg zu erreichen – im Gegenteil. Bei einem Gespräch mit dem Löschgruppenführer am 12.02., das eigentlich dazu dienen sollte, eine Einigung hinsichtlich der Beschaffung eines neuen TLF 3000 zu erzielen, wurden mir zwei Listen vorgelegt. Die eine enthielt alle vermeintlichen Fehler und Versäumnisse des Wehrleiters Markus Bauckhage, die andere war eine Unterschriftenliste, mit der ein Großteil der Löschgruppe ihren Rücktritt ankündigte. 

Nach Erläuterung der Fehlerliste wurde mir eine Frist von zwei Wochen gesetzt, um den Wehrleiter abzuberufen. Diese Aktion erfolgte ohne Unterstützung oder Rücksprache mit den anderen Löschgruppen. Eine nicht nur in Feuerwehrkreisen befremdliche Vorgehensweise. Gleichzeitig wurde ich gebeten, diese Fehlerliste nicht weiter zu geben, ich sollte also spontan heraus einen Grund finden, den Wehrleiter abzuberufen.

Da meines Erachtens solch ein Ansinnen nicht nur von einer Löschgruppe, sondern vom Großteil der Freiwilligen Feuerwehr getragen werden müsste und ich einem Menschen, der lange Jahre ehrenamtlich für die Stadt und ihre Bürger gearbeitet hat, nicht einfach abberufen wollte, habe ich stattdessen versucht, einen erneuten Gesprächstermin zwischen Löschgruppe und Wehrleitung zu organisieren. 

Darauf ging die Löschgruppe aber nicht ein, stattdessen wurde mit mitgeteilt, dass die Frist verstrichen sei und die Löschgruppe zurücktrete. Diese Entscheidung wurde auch der Presse mitgeteilt.

Um Schlimmeres zu verhindern gab es dann am 23.02. ein Krisengespräch mit der Löschgruppe, an der zwar nicht der Wehrleiter, aber sein Stellvertreter, die Verwaltung und der Kreisbrandmeister teilnahmen. Ergebnis war es, dass eine neue Kommunikationstruktur innerhalb der Feuerwehr aufgebaut werden sollte. 

Dies sollte durch ein gemeinsames Wochenende aller Löschgruppenführer und Stellvertreter mitsamt Wehrleitung und Kreisbrandmeister bei externer Mediation außerhalb von Plettenberg geschehen.

Zur Vorbereitung dieses externen Wochenendes gab es am vergangenen Freitag ein Gespräch nur unter den Löschgruppenführern mit der Wehrleitung und dem Kreisbrandmeister. Grundlage war die besagte Liste, die ich nach der Rücktrittsankündigung der Löschgruppe dem Wehrleiter übergeben hatte. 

Im Ergebnis wurden einige Punkte widerlegt, aber es wurde auch vereinbart, dass alle Löschgruppen relevante Punkte notieren, bei denen die Zusammenarbeit verbessert werden könnte. Dazu wollte man sich am 16.04. wieder treffen.

Dass dieses Treffen von der Löschgruppe Holthausen als Tribunal empfunden wurde, ist sehr bedauerlich. Ebenso die daraus folgenden Reaktionen. Es gab deshalb schon Rücktritte und weitere werden pressewirksam angekündigt. Wer jedoch eine Diskussion anstößt, muss auch mit dem Widerstand darauf umgehen können.

Ich danke allen Feuerwehrmännern und –frauen für ihren bisherigen Einsatz und appelliere an diejenigen, die ihren Dienst für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger gern tun, die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Plettenberg weiterhin zu unterstützen."

Die Berichterstattung von Donnerstagmorgen

Vor gut vier Wochen berichteten wir über ein Führungsproblem bei der Plettenberger Feuerwehr und über den drohenden Austritt der Löschgruppe Holthausen. Noch am selben Tag fand eine Sondersitzung statt. Es sei ein „Konsens“ gefunden worden, hieß es in einer Stellungnahme des Ordnungsamtsleiters. Doch „gelöscht“ wurde der Brand offenbar nicht: Die Holthauser Löschgruppen-Führung ist zurückgetreten.

Die kommissarische Leitung um Dirk Seuthe und Lutz Glingener plant am kommenden Wochenende gemeinsam mit weiteren Wehrleuten ebenfalls den Rücktritt und begründet dies – Bezug nehmend auf unsere Berichterstattung (Mächtig Feuer unterm Dach) – mit der folgenden Stellungnahme:

Die Stellungnahme im Wortlaut:

 „Aufgrund von massiven Problemen zwischen der Wehrleitung der Feuerwehr Plettenberg und der Holthauser Löschgruppen-Führung wandte sich der Löschgruppenführer bereits Ende Januar in einem Vier-Augen-Gespräch an Bürgermeister Ulrich Schulte, um auf die Probleme mit der Wehrleitung aufmerksam zu machen.

Unterschriftenliste kündigte Austritt der Mitglieder an

Schon zu diesem Zeitpunkt sah die Löschgruppe Holthausen keine Möglichkeit mehr, unter den gegebenen Umständen ihre Arbeit aufrecht zu erhalten und überreichte dem Bürgermeister eine Unterschriftenliste, die den Austritt der Mitglieder ankündigte. Man wollte erreichen, dass langfristig eine Verbesserung der Gesamtsituation und des Umgangs innerhalb der Feuerwehr Plettenberg durch eine Veränderung der Führungsspitze eintritt. 

Anschließend fand unter der Federführung von Kreisbrandmeister Michael Kling und gemeinsam mit Bürgermeister Ulrich Schulte, Fachbereichsleiter Hans-Peter Kapitain und Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel ein Gespräch mit der Löschgruppe Holthausen und allen Verantwortlichen statt, bei dem die wesentlichen Punkte besprochen und Maßnahmenpakete beschlossen wurden.

Beschaffung von neuen Geräten sei nicht das Problem

Gestärkt durch die Vermittlung traf man den Entschluss, beiden Seiten eine Frist von einem Jahr zur Annäherung und Verbesserung der Situation zu geben. Leider bestand die erste Maßnahme der Wehrleitung (Anm. der Redaktion: Markus Bauckhage) nicht daraus, sich wie angekündigt um ein Mediationsgespräch oder eine Teambildung zu kümmern, sondern daraus, die Führer aller anderen Löschgruppen zu einem gemeinsamen Gespräch ohne Beteiligung der Löschgruppe Holthausen einzuladen, in dem einseitig die Hintergründe dargestellt wurden.

Bei einer anschließend anberaumten Zusammenkunft aller Löschgruppenführer und der Wehrleitung hätten der Versuch der Zusammenarbeit und der Wille zur Einigung im Vordergrund stehen müssen. Stattdessen wurde der Löschgruppenführer Holthausens vor eine Art Tribunal gestellt und für seine Initiative zur Verbesserung der Gesamtsituation abgestraft. 

Als Resultat dieses letzten Versuchs der Kooperation stehen nun die Niederlegung aller Ämter und der Austritt der gesamten Löschgruppenführung aus der Feuerwehr Plettenberg. Aus diesem Grunde sieht sich die Löschgruppe Holthausen gezwungen, auch die Bürgerinnen und Bürger ihrer Stadt über die Situation zu informieren: Nicht die Beschaffung oder Nichtgenehmigung von neuen Geräten oder Technik, wie oftmals dargestellt, beschreibt das bestehende Problem zwischen der Löschgruppe und der Wehrleitung.

Dirk Seuthe (li.), kommissarischer Leiter der Löschgruppe Holthausen, und Lutz Glingener gaben eine Stellungnahme zum geplanten Massenaustritt der Löschgruppe Holthausen am Wochenende ab.

"Inkompetenz des Feuerwehrleiters"

Die seit Jahren fortwährenden Differenzen liegen ausschließlich in der Inkompetenz des Leiters der Feuerwehr in Bezug auf Menschenführung begründet. Trotz größter Bemühungen ist die Zusammenarbeit geprägt von Missachtung und dem Aussitzen von Problemen. Insbesondere durch fehlende Arbeitsressourcen in den Fachdiensten der Feuer- und Rettungswache bleiben oftmals maßgebliche organisatorische und konzeptionelle Arbeiten an den Führungskräften der Löschgruppe hängen.

"Spott und Missgunst statt Dank"

Trotz Kenntnis der Wehrleitung über diese Missstände kommt es nach der unentgeltlichen Unterstützung durch die ehrenamtlichen Führungskräfte statt zu erwartetem Dank immer wieder zu Spott und Missgunst. 

Auch die Arbeit am Bürger, für die die Löschgruppe Holthausen bekannt ist – erst kürzlich wurde beispielsweise unter Patenschaft der Löschgruppe Holthausen der Feuerwehrspielplatz in der Hechmecke eröffnet – entlockt der Wehrleitung nicht die geringste Anerkennung für die geleistete Öffentlichkeitsarbeit, sondern wird ausschließlich mit Hohn belohnt. Dabei sollte gerade die Wehrleitung Veranstaltungen wie das Feuerwehrfest oder das Adventssingen, durch die die Feuerwehr regelmäßig zum Mittelpunkt des öffentlichen Interesses wird, gerade in schwierigen Zeiten für das Ehrenamt honorieren.

Doch nicht nur der Wegfall der genannten feierlichen Veranstaltungen wird sich für den Plettenberger Bürger bemerkbar machen, da nun zu erwarten ist, dass eine Vielzahl der Mitglieder ebenfalls den Dienst quittiert. Letztendlich bleibt unter dem Strich stehen, dass diejenigen, die die Löschgruppe nun am kommenden Wochenende verlassen werden, dies schweren Herzens, nach teils langjährigem, ehrenamtlichem Einsatz im Dienste der Plettenberger tun. 

Dieser Schritt ist allerdings unumgänglich geworden, da die Geschehnisse der letzten Wochen und Monate keine Basis mehr für eine Zusammenarbeit mit der aktuellen Wehrführung bilden. Darüber hinaus zeigt man sich über die Herangehensweise von Bürgermeister und Verwaltung mit der Gesamtproblematik zutiefst enttäuscht. 

Da die LG Holthausen sich auch an ihrem vermeintlichen Ende noch bürgernah und informativ zeigen möchte, lädt sie alle interessierten Bürgerinnen und Bürger am Freitag, 29. März, in der Zeit von 17.00 bis 18.30 Uhr zum Gerätehaus nach Holthausen ein, um persönlich zu den Beweggründen Stellung zu nehmen."

gez. Dirk Seuthe (kommissarischer Leiter), Lutz Glingener, Katharina Glingener, Jörg Heitmann, Sebastian Heimann, Matthias Stahlschmidt, Moritz Tillmann

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