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„Preiserhöhung unvermeidbar“: Warum auch das Sterben teurer wird

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Von: Hartmut Damschen

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Eine Feuerbestattung in Lüdenscheid sei auch ohne Gas möglich. Dennoch hofft man hier, dass solche und andere Extremszenarien nicht eintreten werden.
Eine Feuerbestattung in Lüdenscheid sei auch ohne Gas möglich. Dennoch hofft man hier, dass solche und andere Extremszenarien nicht eintreten werden. © Rolf Vennenbernd/dpa

Was passiert, wenn Russland den Gashahn endgültig abdrehen wird? Diese viel diskutierte Frage stellt man sich auch bei der Feuerbestattung Sauerland, die in Lüdenscheid ansässig ist. Die Antwort: Eine Verbrennung Verstorbener wäre zwar weiter möglich, doch die Anlage müsste dann im Dauerbetrieb laufen. Doch Betriebsleiter Dennis Schönrath hofft, dass es nicht zu solchen oder ähnlichen Extremszenarien kommen wird.

Plettenberg - Doch bereits jetzt spüre man die Auswirkungen der verknappten Gas-Lieferungen aus Russland. „Unser Gasversorger hat uns unseren Liefervertrag gekündigt. Daher mussten wir einen neuen Vertrag aushandeln“, erklärt Schönrath. Eine Anpassung der Preise habe die Feuerbestattung Sauerland noch nicht vorgenommen – noch nicht. Denn: „Uns wird nichts anderes übrig bleiben, zumal auch die gesperrte Rahmedetalbrücke der A 45 zusätzliche Kosten verursacht.“

Auf die Möglichkeit, irgendwann gar kein Gas mehr zu bekommen, habe sich die Feuerbestattung Sauerland bereits eingestellt. „Wir haben bei der Bundesnetzagentur angefragt, ob wir mit Problemen in der Gasversorgung zu rechnen hätten. Die Antwort war, dass wir nicht zu den Industriebetrieben gehören würden, die als erstes abgeschaltet würden“, sagt Schönrath.

Und wenn das Gas doch ausbliebe? „Dann werden wir von unseren drei Verbrennungsanlagen noch nur zwei oder eine betreiben“, erklärt Schönrath. Die müssten dann jedoch im Dauerbetrieb laufen. Gas würde dann nicht mehr benötigt. „Die notwendige Temperatur wird dann durch andauernde Einäscherungen erzeugt“, sagt Schönrath, Mit rund acht Tagen Vorlaufzeit bestünde genügend Zeit, um „die Hauptbrennkammer auf die für die Verbrennungen notwendige Temperatur von mindestens 700 Grad Celsius hochzufahren“. Die notwendige Temperatur würde dann durch die fortlaufende Verbrennung erzeugt und erhalten. „Auch die zur Reinhaltung der Abluft notwendige Funktion unserer Nachbrennkammer, in der das giftige Kohlenmonoxid verbrannt wird, bleibt durch den Dauerbetrieb erhalten“, erklärt Schönrath.

Auch in diesem Fall sei es laut dem Betriebsleiter möglich, die eindeutige Zuordnung der Asche den Angehörigen zu garantieren. „Der Vorgang würde sich nicht von denen unterscheiden, die jetzt laufen“, sagt Schönrath.

Und laut dem Betriebsleiter wäre es kein Problem, einen oder zwei Öfen in Dauerschleife laufen zu lassen: „Unser Einzugsbereich ist so groß, dass wir ungefähr 10 000 Verbrennungen per annum oder 800 bis 900 im Monat in Auftrag haben.“ Auch die Verstorbenen aus Plettenberg, die zur Einäscherung bestimmt sind, werden in der Regel nach Lüdenscheid gebracht.

Um diese Menge an Verstorbenen auch aufnehmen zu können, würden die zwei vorhandenen Kühlhäuser ausreichen. Sollten die Todeszahlen aus welchen Gründen auch immer in die Höhe schießen oder die Verbrennungen nicht so schnell wie üblich durchgeführt werden können, müsste das Technische Hilfswerk (THW) zur Hilfe gerufen werden. „Das THW könnte zur Not Kühlzelte aufstellen“, sagt Schönrath. Ein unwahrscheinliches Szenario, denn: „Dann müssten durch eine hoffentlich nicht wieder ansteigende Todeszahl aufgrund der Pandemie mit einem Mal sehr viele Tote zu uns gebracht werden. Zudem müsste zeitgleich das Gas knapp werden“.

Bei der Feuerbestattung Sauerland habe das THW diese Hilfe bislang glücklicherweise nicht leisten müssen. „Aber ich weiß von einem solchen Fall in Deutschland“, sagt Schönrath.

Egal, ob das Gas knapp wird oder ob die Todeszahlen rasant ansteigen werden – Schönrath versichert, das Pietät oberste Maxime sei: „Gerade bei unserer Tätigkeit ist ein würdevoller Umgang mit den Verstorbenen und ihren Hinterbliebenen nicht nur Selbstverpflichtung, sondern auch unsere oberste Zielsetzung.“

Dass derzeit die Preise in allen Bereichen steigen – auch in Beerdigungsinstituten – das wissen auch Volker und Steffi Crummenerl vom gleichnamigen Bestattungsunternehmen. „Die Rohstoffe sind durchweg teurer geworden. Daher ist eine Preiserhöhung in absehbarer Zeit unvermeidbar“, erklärte Steffi Crummenerl. „Selbst die Preise für das Holz eines einfachsten Einäscherungssarges haben angezogen. Außerdem sind die Kosten für die Überführung durch die höheren Spritpreise auf höherem Niveau, wie auch die Preise für die Mindestlöhne gestiegen sind“, ergänzte Volker Crummenerl.

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