„Professor“ Kieslich liebt Chemieexperimente

Wenn im Garten mal wieder was explodiert...

Der 14-jährige Plettenberger Frederik „Professor“ Kieslich lässt es gerne bei Chemieexperimenten krachen.
+
10146b1d-f180-4acb-a4ed-e9d991c3e44f.jpg

Plettenberg – Er ist 14 Jahre alt und besucht die achte Klasse, doch ein ganz gewöhnlicher Junge ist der Plettenberger Frederik Kieslich nicht.

 Der Sohn von Erfinder und Kunststofftechniker Dirk Kieslich wird nur „Professor“ genannt und lässt es gerne krachen. Am liebsten im eigenen Garten in Himmelmert. Dort haben sich die Nachbarn schon ein wenig an das ungewöhliche Hobby des Schülers gewöhnt, der über seine Vorliebe für chemische Experimente im Interview mit Georg Dickopf spricht.

Herr Professor Kieslich, oder darf ich Frederik sagen – was macht eigentlich das Elefantenzahnpasta-Projekt?
Frederik ist völlig ok. Für das von mir geplante Weltrekord-Experiment habe ich 8 000 Euro benötigt und habe 3 500 Euro zusammenbekommen.

Den Weltrekordversuch mit der größten Schaumblase hast Du dann abgebrochen?
Ja, leider. Es sollte durch die Verbindung von Wasserstoffperoxid und Kaliumiodid Elefantenzahnpasta entstehen – also ein riesiger Schaumberg, der so aussieht, als hätte sich ein Rüsseltier die Stoßzähne geschrubbt. Hinterher hätte ich das alles aber auch fachgerecht entsorgen müssen. Die Chemikalien hätten rund 2000 Euro gekostet – der Rest wäre für Schutzmaterialien, Planen, das Absaugen des Schaumbergs und die Entsorgung verwendet worden.

Daraus wird nun nichts...
Ja, das Projekt ist dann gestoppt worden, aber ich habe auf jeden Fall vor, im nächsten Jahr einen neuen Anlauf zu starten. Ich werde es noch mal durchrechnen, vielleicht wird es auch etwas günstiger.

Haben die Spender denn ihr Geld zurückbekommen?
Das Geld wurde zurücküberwiesen innerhalb von zwei Wochen. Es war schon enttäuschend, denn ich hatte mich schon auf das Experiment gefreut.

Wenn die Grünen oder sonstwer sagt ‘Hat der Junge nichts Besseres zu tun, als Chemikalien in die Luft zu jagen?’, was sagst Du dann?
Es gibt bestimmt auch andere Hobbys, aber ich finde die Welt der Chemie total cool, mache das deshalb auch gerne und lass mich da auch nicht aufhalten.

Du bist jetzt 14 Jahre alt, gehst in die 8. Klasse am Gymnasium und nennst dich selbst Professor Kieslich. Wie kam es zu den Namen? Ich wurde in der Schule öfter so genannt und deshalb habe ich gedacht, ich nenne mich einfach mal so.

Hast Du denn vor, später den richtigen Professoren-Titel zu bekommen?
Ja, auf jeden Fall – in Chemie natürlich.

Was sagt denn Dein Lehrer dazu, dass Du in Videos das Periodensystem erklärst oder Experimente zeigst?
Meine Lehrer finden das total super und mein Lehrer hat auch schon Videos mit mir zusammen in der Schule gedreht. Mein alter und mein neuer Chemielehrer unterstützen mich da sehr. Das sind Walter Isphording und Nils Herrmann.

Worum ging es beim letzten Experiment?
Dabei ging es um Natrium, das zweite Alkalimetall, das ich mit Wasser in Verbindung gebracht habe. Und weil das nicht ungefährlich ist, hat Steffen Reeder mir dankenswerterweise eine coole Fernzünder-Apparatur gebaut. Als das Wasser auf das Natrium traf, entstanden Natriumhydroxid und Wasserstoff und es bildete sich eine Wasserstoffblase, die sich entzündete. Das gab eine kleine Explosion und eine riesige Rauchwolke.
Ich nehme an, das habt Ihr im Miniaturformat auch schon mal im Chemieunterricht gemacht?
Ja genau.

Natrium und Wasser in Verbindung: Die Explosion und die entstehende Rauchwolke dürften auch den Nachbarn des 14-jährigen Frederik Kieslich nicht verborgen geblieben sein.

Und dann hast Du Dir gedacht: Nehmen wir einfach mal die hundertfache Menge, machen das alles ein bisschen größer und lassen es im Garten ordentlich krachen...
Ich hätte auch noch viel größere Mengen an Natrium gehabt, aber sicherheitshalber habe ich das gelassen, weil bei 500 Gramm Natrium wären vielleicht die Scheiben in der Umgebung durch die Druckwelle geplatzt.

Was sagen eigentlich die Nachbarn dazu, wenn Du Deine Experimente im Garten machst?
Die kennen das schon. Als letztens eine Rauchwolke aufstieg, wussten die, dass ich wieder experimentiere. Die wissen schon Bescheid, was ich mache und schauen manchmal aus dem Fenster zu.
Hast Du denn alles im Griff?
Ja, ich habe meistens alles im Griff und durchgeplant und es kann eigentlich nichts schief gehen. Man muss sich bei den Mengen selbst Grenzen setzen.
Findest Du, dass Chemie ein Schattendasein fristet?
Ja, das finde ich schon. Es gibt nur wenige Leute, die sich dafür richtig interessieren und deshalb möchte ich mit meinem Youtube-Kanal mehr Leute für Chemie begeistern. An meiner Schule hat das auch schon ganz gut geklappt. Das Natrium-Experiment war recht teuer, aber die Firma Voßloh Computer hat mir das für das Elefantenzahnpasta-Experiment gespendete Geld für andere Experimente überlassen.

Was kostet ein Kilo Natrium?
Das liegt bei rund 200 Euro. Es ist ein Alkalimetall, das sehr reaktionsfreudig gegenüber Wasser und Sauerstoff ist. Bei der Reaktion entstehen Natriumhydroxid und Wasserstoff.
Wo lagerst Du die Sachen? Gibt es da Vorgaben?
Ich habe da im Keller eine Stelle, aber ich plane ein Labor mit Schränken, in denen die Chemikalien dann eingeschlossen werden.
Dein Papa ist ja als Tüftler und Erfinder bekannt. Was sagt denn Deine Mutter zu Deinem Hobby?
Die unterstützt das auch, aber hat mehr Angst als mein Papa und stoppt mich meist ein bisschen, wenn ich sehr große Experimente plane. Im Übrigen habe ich quasi jetzt auch meinen ersten Forschungsauftrag erhalten und eine Produktgruppe erfunden, mit der chemische Kälte erzeugt wird und diese zum Kühlen von Getränken genutzt werden kann. Das findet Mama dann auch wieder spannend und praktisch. Außerdem schauen einige andere Schulen meine Videos im Unterricht und ich werde manchmal auf der Straße als Professor Kieslich angesprochen.

Was hast Du denn an Silvester vor?
Da muss ich mir noch ein schönes Experiment überlegen. Eine einfache Feuerwerksbatterie aus dem Laden wäre mir auf jeden Fall zu langweilig

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare