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Fachkräftemangel trifft auch Kirche

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Von: Christos Christogeros

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Die Presbyter des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg wurden im Rahmen von Informationsveranstaltungen über die anstehenden Veränderungen informiert. Hier hatten sich die Presbyter im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Plettenberg versammelt.
Die Presbyter des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg wurden im Rahmen von Informationsveranstaltungen über die anstehenden Veränderungen informiert. Hier hatten sich die Presbyter im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Plettenberg versammelt. © WILLNAT

Wer Fachkräftemangel hört, denkt automatisch an die heimische Industrie, die von diesem Problem bereits seit Jahren geplagt wird. Doch auch den Kirchen mangelt es an Fachkräften.

Plettenberg – Dr. Christof Grote, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg, appelliert daher an die Presbyter der verschiedenen Gemeinden, verstärkter zusammenzuarbeiten.

Früher sei die Besetzung von Pfarrstellen oftmals am Geld gescheitert, erklärt Grote. Heute habe sich die Lage dramatisch gewandelt. Parallel zu den sinkenden Zahlen der Gemeindeglieder – bis 2035 würde ein Rückgang um etwa 25 Prozent prognostiziert – leide die Evangelische Kirche in Westfalen unter einem Fachkräftemangel. „Bis 2035, so die Prognose, wird die Zahl der Pfarrer um über 50 Prozent schrumpfen, da immer weniger junge Leute den Pfarrberuf anstreben“, erklärt Grote. Im Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg seien in die 23 Kirchengemeinden 33 Pfarrer derzeit im Dienst. Doch die Ruhestandswelle nahe: 2031 würden davon nur noch zehn im Dienst sein.

Deshalb habe die Landeskirche für die Freigabe von Pfarrstellen und damit auch für die Zukunft von Gemeinden neue Rahmenbedingungen vorgegeben. Diese würden nicht nur stetig steigende Gemeindegliederzahlen pro Pfarrstelle vorsehen, sondern setzten auch voraus, dass Nachbargemeinden sich gegenseitig unterstützen – in sogenannten Kooperationsräumen.

Damit stünden die Presbyter des heimischen Kirchenkreises vor großen Herausforderungen, wie Grote sagt. Sie müssten dem Kreissynodalvorstand bis zum 30. Juni kommenden Jahres Vorschläge unterbreiten, wie sie in diesen Kooperationsräumen zusammenarbeiten wollen.

„Wie kann es bei uns im pastoralen Dienst gut weitergehen?“, fragte der Superintendent daher im Rahmen zweiter Informationsveranstaltungen in Lüdenscheid und Plettenberg. Dabei sei es „außerhalb jeder kirchenkreislichen Routine, dass alle Presbyter zu solch gemeindeübergreifenden Veranstaltungen eingeladen werden“. Zuletzt sei dies bei der Fusion der beiden Kirchenkreise Lüdenscheid und Plettenberg im Jahr 2000 der Fall gewesen.

Verstärkte Zusammenarbeit

Der Kreissynodalvorstand (KSV) habe bereits vor einiger Zeit Vorschläge zur Schaffung von Kooperationsräumen unterbreitet. „Davon ist nichts in Stein gemeißelt“, betont Dr. Christof Grote. Es sei aber bereits einiges in Bewegung geraten. Demnach wollten die Lüdenscheider Gemeinden – entgegen des Vorschlags des KSV – einen Kooperationsraum schaffen, der alle Gemeinden der Stadt umfasst. Eine enge Zusammenarbeit habe sich auch schon zwischen den Gemeinden Hülscheid-Heedfeld, Oberrahmede und Rahmede entwickelt.

Dr. Christof Grote, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg.
Dr. Christof Grote, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg © Willnat

Im Rahmen der Informationsveranstaltungen hätten die Presbyter auch ihre Sorgen geäußert. Wie sollten sich Pfarrer mit einer Gemeinde identifizieren, wenn sie in einem Kooperationsraum mit drei Gemeinden tätig sind? Wie könnten sich mehrere Gemeinden bei der Besetzung einer Pfarrstelle einigen, wenn die Presbyterien unterschiedlich groß sind? Gibt es ein Zurück, wenn erkannt werden sollte, dass es so nicht funktioniert?

Ein Zurück kann es nicht mehr geben

Zumindest die letzte Frage konnte der Superintendent klar beantworten: „Das ist nicht vorgesehen“. Viele andere Probleme könnten mit Kreativität und Gestaltungskraft der Presbyterien gelöst werden. Entscheidend sei auch die Frage, wofür Pfarrer eigentlich zuständig sind. Dass sie beispielsweise beim Sommerfest am Grill stehen, zähle sicher nicht zu den Kernaufgaben.

Entlastung bei der Verantwortung für eine Gemeinde sollen zudem Interprofessionelle Pastorale Teams (ITTP) bringen. Personen, insbesondere aus den Berufsfeldern Gemeindepädagogik, Jugendarbeit, Verwaltung oder auch Kirchenmusik sollen die Pfarrer unterstützen und auch Leitungsverantwortung übernehmen.

Doch auch hier bestünden Probleme: Da die Zahl der zur Verfügung stehenden Pfarrer in Westfalen bis 2035 von 790 auf etwa 330 sinken werde, könne die angestrebte Zahl von 3 000 Gemeindegliedern pro voller Personalstelle nur erreicht werden, wenn bis dahin etwa 200 Mitarbeiter weiterer Berufsgruppen als ITTP beschäftigt würden. „Die wachsen aber auch nicht auf den Bäumen“, bemerkte ein Teilnehmer der Veranstaltung in Plettenberg. Und Martin Pogorzelksi, Vorsitzender des Perspektiv. und Strukturausschusses des Kirchenkreises, mahnte ein weiteres Problem an: Die Einnahmen aus der Kirchensteuer würden in den kommenden Jahren spürbar sinken. „Denken sie bei der Planung solcher ITTP-Stellen an Ihre Finanzen“, appellierte er.

Dr. Christof Grote riet dennoch allen Presbytern, sich nicht entmutigen zu lassen. „Als Superintendent bin ich von Berufs wegen Optimist“. Die Presbyterien sollten nicht nur die Probleme, sondern auch die Chancen sehen.

Kooperationsräume – die Vorschläge des KSV

Kooperationsraum 1: Attendorn, Lennestadt

Kooperationsraum 2: Plettenberg, Eiringhausen, Ohle, Herscheid

Kooperationsraum 3: Werdohl, Neuenrade

Kooperationsraum 4: Hülscheid-Heedfeld, Schalksmühle-Dahlerbrück, Oberrahmede, Rahmede

Kooperationsraum 5: Brügge, Oberbrügge sowie Johanneskirche und Christuskirche in Lüdenscheid

Kooperationsraum 6: Meinerzhagen, Valbert

Kooperationsraum 7: Kierspe, Rönsahl, Halver

Kooperationsraum 8 in Lüdenscheid: Versöhnungskirchengemeinde, Brüninghausen und Kreuzkirche.

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