Volksparteien mit deutlichen Verlusten – die Reaktionen zur Europawahl

„SPD-Hochburg wählt Schwarz“

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Gute Laune herrschte während der Stimmabgabe.

Plettenberg – Die Europawahl von Sonntag hat nicht nur bundesweit, sondern auch in Plettenberg für beachtliche Ergebnisse gesorgt. Während die SPD im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren massiv verloren hat (siehe dazu die Zahlen in unserer unten abgedruckten, korrigierten Tabelle) und auch die CDU Verluste hinnehmen musste, profitieren die Grünen mit ordentlichen Zuwächsen. Wie die Reaktionen dazu in Plettenberg ausfallen? Wir haben bei den Parteien mit den größten Abweichungen nachgefragt.

Was die CDU sagt

Adrian Viteritti: „Aufgrund der Ergebnisse in Plettenberg bin ich etwas zwiegespalten. Natürlich haben wir mit dem Ergebnis von 32,5 % sechs Prozentpunkte verloren. Aber wir lagen in Plettenberg deutlich über den bundesweit erreichten 28,9 %. Plettenberg als eigentliche SPD-Hochburg hat zum ersten Mal seit langem bei übergeordneten Wahlen Schwarz gewählt. Eine Differenz von über 10 Prozentpunkten ist beachtlich, spiegelt jedoch auch das derzeitige Problem der SPD wieder. Da ist die Anschaffung der Ape doch bezeichnend: Die SPD knattert und stottert sich zur Wahl. Leider immer noch deutlich zu hoch ist das Ergebnis der AfD. Vor allem erschrickt das Wahlergebnis aus dem Wahlbezirk Eschen II, wo die AfD mit 22,71 % stärkste Kraft geworden ist. Neben diesem Wahlbezirk gibt es im ganzen Märkischen Kreis nur drei andere Wahlbezirke (Zweimal in Iserlohn, einmal Menden), in denen dies der Fall ist.

Was die SPD sagt

Wolfgang Schrader: „Das Ergebnis war desaströs, da brauchen wir überhaupt nicht drüber sprechen. Das liegt daran, wie sich die SPD in der Außendarstellung gezeigt hat. Die Partei erntet jetzt, was sie in den vergangenen Monaten gesät hat. Die vielen Diskussionen haben inhaltlich nicht wirklich viel hervorgebracht, was vertrauensbildend ist. Aber was soll ich sagen – es ist, wie es ist! Das Plettenberger Ergebnis haben nicht wir zu verantworten. Das ist klar. Dennoch ist es insgesamt alles andere als zufriedenstellend. Wir werden das Ergebnis jetzt ausarbeiten und müssen versuchen, uns durch verbesserte Öffentlichkeitsarbeit wieder bemerkbarer zu machen. 

Wir müssen auch versuchen, wieder mehr junge Leute zu gewinnen. Gerade die jungen Erwachsenen um die 20 fehlen – vor allem auch Frauen. Auch die Wahlbeteiligung war katastrophal. Wir müssen im Hinblick auf die nächste Wahl zusehen, dass wir die Wähler wieder stärker dazu motivieren, den Weg zur Urne zu suchen“. Mit Andrea Nahles an der SPD-Spitze tue Schrader sich nach wie vor schwer: „Es ist kein Geheimnis, dass sie nicht meine Wunschkandidatin ist. Aber es gibt meiner Meinung nach auch keine wirklich passende Alternative aktuell. Ich bin also nicht für einen schnellen Wechsel an der Parteispitze. Man muss jetzt erstmal die Defizite aufarbeiten.“

Was die Grünen sagen

Da sich der Grünen-Ortsverband Plettenberg mit dem Austritt der Vorsitzenden Bärbel Keiderling aufgelöst hat, äußerte sich nun John Haberle, Vorsitzender des Kreisverbandes, auf Anfrage des ST: „Plettenberg ist für die Grünen ein schwieriges Feld, denn das jetzige Ergebnis (14,1 %) lag schon noch eine Ecke unter dem Durchschnitt im Kreis (18,0 %). Wir hoffen nun, dass sich der ein oder andere für die Grünen engagieren möchte, aber das geht nur aus Plettenberg heraus. Wir müssen jetzt gucken, ob das Europawahl-Ergebnis eine Initialzündung gibt. Denn das Interesse an den Grünen an sich ist groß.“ Zum Hintergrund: Bis heute hat sich mangels Interessenten kein neuer Grünen-Ortsverband in Plettenberg gegründet. Nach jetzigem Stand geht der Kreisverband davon aus, dass für die Grünen niemand bei der Kommunalwahl 2020 antreten wird.

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