Europawahl 2019 Hauptthema am Freitag bei Kreisparteitag der FDP im Café Haltepunkt

„In Vielfalt geeint“

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Plettenberg -  An einem „ganz besonderen Ort“ begrüßte Micheal Schulte, erster Vorsitzender der Plettenberger FDP, am Freitagabend rund 30 Parteimitglieder im Café Haltepunkt am Hestenberg. Über den Dächern der Stadt hatten sie sich zusammengefunden, um im Rahmen des Kreisparteitags unter anderem ihre Kandidatin für die Europawahl 2019 zu bestimmen.

„Wir brauchen eine starke lieberale Stimme in Europa“, forderte Schulte im Rahmen seiner Begrüßung und schlug den Mitgliedern anschließend Eva Thielen als Kandidatin für die Europawahl vor. „Sie hat ihren Job, so meine ich, bei der vergangenen Wahl sehr gut gemacht und deshalb denke ich, dass sie das beim nächsten Mal sicher genau so gut machen wird.“ Unter Beifall trat sie schließlich ans Rednerpult, das mit kleinen Flaggen der europäischen Länder ausgestattet war.

In ihrer anschließenden Rede spannte Eva Thielen einen Bogen von ihrer Teilnahme bei der letzten Europawahl im Jahr 2014 zu der anstehenden Wahl. ,,Ich bin auch dieses Mal wieder bereit, für Europa zu werben, aber ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, dass ich der kommenden Wahl mit Bauchschmerzen entgegen sehe. Als Gründe dafür nannte sie die befürchtete geringe Wahlbeteiligung und die immer stärker werdende Wut bei den Bürgern seit der Flüchtlingskrise. „Die Bürger sind es einfach leid und wir als FDP vertreten die Meinungen und Interessen der Bürger. Wir brauchen klare Positionen“, appellierte sie, dass sich in der Flüchtlingspolitik dringend etwas ändern müsse.

Mit Blick auf die Eurowahl warb sie für Zusammenhalt. Man müsse die Vorzüge Europas nutzen. Dazu zitierte sie das Motto Europas ,,In Vielfalt geeint“. „Wenn wir in Europa zusammenhalten, können wir von jedem einzelnen Mitgliedsland profitieren und gemeinsam Ziele erreichen. Das funktioniert aber nur mit gegenseitiger Toleranz“, so Thielen. Dafür würde die FDP stehen und sie sei überzeugt davon, dass man um dieses Ziel zu erreichen eine starke lieberale Kraft in Brüssel brauche. Dass ihre Rede ankam zeigte nicht nur der tosende Applaus sondern auch ein klares Ergebnis, denn Thielen wurde schließlich einstimmig als Kandidatin für die Europawahl nominiert.

Als weiteren Gast freuten sich die Liberalen am Freitag über den Besuch des FDP-Bundestagsabgeordneten Michael Theurer, der selbst einige Jahre Mitglied des Europäischen Parlaments war. Der Politiker, der einen Zwischenstopp auf dem Weg von Berlin nach Köln in der Vier-Täler-Stadt eingelegt hatte, sprach verschiedene Themen in seinem Vortrag an.

Er warf auch einen Blick zurück auf die vergangene Bundestagswahl. „Warum gelingt es uns bisher noch nicht, diejenigen, die sich von der SPD entfernt haben zu binden?“, warf Theurer zu Beginn in den Raum und stellte damit heraus, dass sich die FDP dieser Herausforderung bis zur Eurowahl stellen wolle. Dazu brauche es Engagement aber dieses wolle man aufbringen, schließlich wolle man sich weder zurücklehnen noch mit dem Ausgang der letzten Wahl zufriedengeben.

Eine große Säule seiner Rede bildete anschließend das Thema Migration. ,,Wir haben im Moment die Situation mit der AfD auf der rechten Seite und den Grünen auf der linken Seite. Wir als FDP plädieren aber für einen gesamtgesellschaftlichen Konsenz und brauchen deshalb eine europäische Lösung“, so der Bundestagsabgeordnete. Dazu seien verschiedene Dinge notwendig. Zum einen der Schutz der Außengrenzen und ein Einwanderungsgesetz, das die FDP ja schon seit Mitte der 90er fordern würde. Er stellte ebenfalls heraus, dass Deutschland aber auch von Migranten profitieren würde und schlug eine Brücke zum aktuell herrschenden Fachkräftemangel. ,,Jeder dritte Handwerksbetrieb kann seine verfügbaren Arbeitsplätze nicht mehr besetzen“, erklärte er hierzu. „Wir sollten doch den Migranten, die sich in unserem Land integrieren, ermöglichen, hierbleiben zu können. Wir können von ihnen profitieren.“ Auch der Präsident der Vereinigten Staaten spielte eine Rolle in der Rede Theurers. „Wir werden auf Dauer in Washington als Land nur Gewicht haben, wenn wir als EU zusammenhalten“, plädierte auch er für einen stärkeren Zusammenhalt der EU-Mitglieder. Man müsse sich „irgendwie zusammenraufen“, anders könne man nicht bestehen als ein Land, das nicht nur vergleichsweise gesehen viel weniger Einwohner hat als andere Mächte, sondern auch viele Disfunktionen aufwiese. Als Beispiele nannte er Stuttgart 21 oder den Berliner Flughafen. Außerdem verwies er auf den „massiven Rückstand“ in Bezug auf die Digitalisierung in Deutschland und das man dringend etwas in dem Punkt verändern müsse.

Mit dem Satz: „Wir scheuen den Wettbewerb der Ideen nicht“, kam er wieder zurück zum Thema Zusammenhalt in Europa und beendete unter lang anhaltendem Applaus seine Rede. Schulte dankte dem Redner mit einem „Sauerländer Gin“ und verabschiedete den Gast, bevor sich die Wahlen der Delegierten anschloss. Für die Landesvertreterversammlung zur Europawahl am 17. November in Bad Godesberg wurden Angela Freimuth, Armin Jung, Eva Thielen und Michael Schulte gewählt. Die Delegierten für den Europaparteitag am 27. Januar 2019 in Berlin sind Angela Freimuth, Arne Hermann Stopsack, Eva Thielen und Michael Schulte. Nachdem alle Tagesordnungspunkte abhakt worden waren, verbachten die Mitglieder der FDP aus dem Kreisgebiet noch einen gemütlichen Abend über den Dächern Plettenbergs bei Gulaschsuppe und kalten Getränken.

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