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„Es hat sich nichts geändert“: Arzt mit deutlicher Kritik zum E-Rezept

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Kinder- und Jugendarzt Michael Achenbach zeigt den Rezeptcode zum E-Rezept, der durch seinen Arztausweis unterschrieben wird. Das eigentliche E-Rezept liegt auf einem Server, auf das mit dem Code zugegriffen wird.
Kinder- und Jugendarzt Michael Achenbach zeigt den Rezeptcode zum E-Rezept, der durch seinen Arztausweis unterschrieben wird. Das eigentliche E-Rezept liegt auf einem Server, auf das mit dem Code zugegriffen wird. © JONA WIECHOWSKI

Es will einfach nicht vorangehen mit dem E-Rezept. Jetzt wurde das Vorhaben wegen Datenschutzbedenken ausgebremst. Kinder- und Jugendarzt Michael Achenbach war einer der ersten, der das neue Rezept ausgestellt hat. Seine Prognose: „Das wird nicht ganz leicht mit dem Datenschutz.“

Plettenberg -Hintergrund: Auf freiwilliger Basis können alle Praxen das E-Rezept anbieten. Mit der Pilotregion Westfalen-Lippe sollte es weiter vorangebracht werden. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hatte sich bereit erklärt, die Einführung aktiv zu begleiten und nach und nach mehr Praxen einzubinden. Jetzt sieht sie sich allerdings gezwungen, diesen Rollout auszusetzen. Denn: Der Datenschutzbeauftragte Ulrich Kelber (SPD) hatte im September sein Veto gegen den Plan zur Nutzung von Versichertenkarten eingelegt. Er kritisierte, dass ohne einen Prüfnachweis Zugang zu den Daten Versicherter möglich sei. Unbefugte könnten sich allein mit der Versichertennummer die Daten des E-Rezepts ansehen, etwa Mitarbeiter in einer Apotheke oder IT-Personal.

Projekt lief von Anfang an nicht rund

Das Projekt E-Rezept lief von Beginn an nicht rund. Vor Monaten schon wies der Plettenberger Kinder- und Jugendarzt Michael Achenbach im Gespräch mit unserer Zeitung darauf hin, dass kaum einer der gesetzlich Versicherten die Grundvoraussetzungen für das E-Rezept erfüllt. Denn: Patienten brauchen allen voran die passende Krankenkassenkarte – eine, die mit der drahtlosen Übertragungstechnik NFC ausgestattet ist. Die überträgt Informationen zwischen Geräten; bekannt ist das zum Beispiel durch das kontaktlose Bezahlen.

Viele Karten müssten dafür ausgetauscht werden. Und selbst mit korrekter Karte: Das Einloggen in die benötigte App ist recht kompliziert. Neben eben der elektronischen Gesundheitskarte benötigt man eine PIN, die einem die Krankenkasse zugeschickt haben muss. Dafür wiederum müssen sich Versicherte identifizieren, was oft per Video in einer weiteren App geschieht.
„Viel zu aufwändig“, denken sich da wohl die allermeisten. Seit Ende Juni habe Achenbach, der als sogenannter Pre-Tester schon vor dem Pilotprojekt-Start Anfang September dabei war, rund 1500 E-Rezepte ausgestellt.

Kein einziges E-Rezept ausgestellt

Bilanz: „Wir haben kein einziges voll elektronisch ausgestellt.“ Also wurde jedes einzelne Rezept ausgedruckt – oder, genauer gesagt, der Rezeptcode (ein QR-Code) als Schlüssel zum eigentlichen E-Rezept, das irgendwo auf einem Server liegt. Gedruckt wird der auf einem größeren Blatt Papier als ein normales Rezept. Achenbach: „E steht immer noch für erhöhten Papierverbrauch. Daran hat sich nichts geändert.“

Damit das Projekt weitergehen kann, müssten die Beteiligten dafür sorgen, dass das Ganze datenschutzkonform abläuft. Wobei das nicht ganz einfach sei, schätzt Achenbach ein. „Es gibt noch viele Probleme, die gelöst werden müssen.“ Den Grundgedanken des E-Rezepts bezeichnet er weiterhin als gut und allein am Donnerstag habe er 20 bis 25 dieser Rezepte ausgestellt. Zumal: Das E-Rezept sei nicht deutlich aufwändiger – und bringe einige Erleichterungen mit sich, wie die Möglichkeit, elektronisch zu unterschreiben. „Das würde ich mir für alle Formulare wünschen.“

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