Smartphone statt Aufmerksamkeit

Was Plettenbergs Erzieher vom Smartphone-Verbot halten

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Auch in der Kita Mittendrin gibt es ein besonderes Smartphone-Verbot. 

Plettenberg – Das Kind sitzt mit strahlenden Augen im Stuhlkreis und blickt voller Vorfreude zur Tür, vor der die Mutter steht, um ihren kleinen Sohn aus der Kita abzuholen. Allerdings werden die freudigen Blicke des kleinen Kindes nicht erwidert, denn die Mutter schaut auf das Display ihres Smartphones und tippt nervös darauf herum.

Solche oder ähnliche Situationen gab es in den CSE-Kindertagesstätten in Essen offenbar immer häufiger. Der Träger der zehn Tagesstätten startete daraufhin eine Handyverbot-Kampagne (s. Info-Telegramm). Wir haben uns einmal in den Plettenberger Kitas zu dem Thema umgehört und gefragt, ob auch in den heimischen Einrichtungen häufiger zum Handy gegriffen wird, anstatt dem eigenen Kind Aufmerksamkeit zu schenken.

 „Ich finde die Idee aus Essen sehr gut. Bei uns in der Einrichtung ist das Problem aber noch nicht so drastisch, dass wir zum kompletten Verbot übergehen müssten“, erklärt Sandra Becker, Einrichtungsleiterin des Evangelischen Familienzentrums Mittendrin. Man habe aber trotzdem ein Handyverbot in der Kita, das beziehe sich aber lediglich auf das Fotografieren. „Vor dem Hintergrund der Datenschutzgrundverordnung haben wir beschlossen, dass nicht einfach mehr alles so fotografiert werden darf. Deshalb haben wir überall Aufkleber angebracht, mit einem durchgestrichenen Handy“, erklärt Becker. Das Verbot gelte aber nicht für dringende Anrufe, die in der Kita getätigt werden. 

Ähnlich verhält es sich in den städtischen Kindertagesstätten, wie Petra Möwes vom Familienzentrum Stadtmitte erzählt: „Wir haben auch ein Verbot fürs Fotografieren beschlossen, da immer häufiger Inhalte im Internet landen, die nicht für die Verbreitung bestimmt sind!“, so die Einrichtungsleiterin. 

Zu der Maßnahme in Essen hat die Pädagogin ebenfalls eine deutliche Meinung: „Ich finde es gut, dass damit ein Signal gesetzt wird. Aber es ist ganz schön traurig, dass es anscheinend schon so weit gekommen ist.“ Sie sei selbst schon häufig mit ähnlichen Situationen konfrontiert worden. „Ob es nun in der Kita beim Abholen des Kindes ist oder beim Bäcker an der Theke – viele Leute schenken ihrem Smartphone so viel Aufmerksamkeit, dass das Wesentliche völlig aus den Augen verloren wird“, so Möwes. In ihrer Einrichtung würde sie es so halten, dass sie Eltern in solchen Situationen direkt ansprechen würde: „Ich weise sie dann freundlich darauf hin, dass das Kind in dem Moment die Aufmerksamkeit bekommen sollte, die es auch verdient“, erklärt sie. 

Generell empfiehlt sie den Eltern, vor dem Abholen aus dem Kindergarten noch einmal einen Blick aufs Handy zu werfen und es dann wegzupacken. In der Regel hielten sich die Eltern auch daran, aber es sei in den letzten Jahren schon anders geworden – das Handy sei immer präsenter. 

Petra Möwes erinnert sich an einen Aufenthalt im Wartezimmer einer Dortmunder Klinik bei dem sie auf folgendes Schild im Wartezimmer stieß. Darauf habe in großer Schrift gestanden: Bitte achten Sie auf Ihre Kinder – sie sind wichtiger als Ihr Handy! „Da steckt viel Wahrheit drin. Gerade im Straßenverkehr kann es sehr gefährlich werden, wenn man wegen seines Smartphones abgelenkt ist und sein Kind aus den Augen verliert“, appelliert Möwes. H

 In den Kitas von Thomas Junior in Ohle und Köbbinghausen sieht es folgendermaßen mit dem Thema Handynutzung aus: „Generell gibt es kein richtiges Handyverbot, denn die Eltern gehen sehr sorgfältig mit dem Thema um“, ist der Inhaber der Kindertagesstätten zufrieden. Es liefe meistens so ab, dass bei eingehenden Anrufen aufs Display geschaut würde und dann kurzfristig entschieden würde, ob der Anruf auch noch warten könne. Das würde sehr gut funktionieren und die Kinder würden in den Abhol- und Bringphasen die volle Aufmerksamkeit ihrer Eltern bekommen. 

„Wir halten es für sehr sinnvoll, wenn bei Ausflügen ein Smartphone mitgenommen wird. Im Notfall sollte man immer erreichbar sein oder jemanden erreichen können!“ Im normalen Kindergartenalltag seien Handys hingegen für die Erzieher tabu.

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