Neuanfang im hohen Alter

Mit 78 eine WG gründen? Kein Problem für Plettenbergerin Erika Thole

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Die gesamte Seniorenredaktion der Heimatzeitung sagt Dankeschön. Danke Erika (2.v.re.), für 9 Jahre ehrenamtliches Engagement für die Heimatzeitung.

Plettenberg – Nach dem Abitur steht für die meisten jungen Erwachsenen fest: Ich gehe studieren. Nichts erscheint in dem Alter spannender, als in eine fremde Stadt zu ziehen, mit mehreren jungen Leuten eine Wohnung zu teilen und sich ins volle Leben zu stürzen. Einen solchen neuen Lebensabschnitt beginnen kann man aber nicht nur als Student, sondern in jedem Alter.

 Die Paselerin Erika Thole, Gründungsmitglied unserer Seniorenredaktion beweist, dass es lediglich etwas Mut braucht, um noch einmal ganz neu anzufangen und auch mit Ende 70 noch einmal einen anderen Weg einzuschlagen. „Es war eine Entscheidung innerhalb von drei Stunden“, berichtet Thole immer noch etwas überrascht von sich selbst. Sie kann es noch gar nicht fassen, dass sie am 22. Mai ihr altes Leben hinter sich lassen wird, um eine WG in Deutschlands Norden zu gründen. 

s Sie hat sich gemeinsam mit ihrer Freundin Doris – ebenfalls aus Plettenberg – überlegt, in einen Ort im Niedersächsischen Bad Zwischenahn zu ziehen und dort ein Haus zu mieten. „Wir waren Ende März zu Gast bei einer gemeinsamen Freundin, die schon seit langer Zeit dort lebt. Bei einem Spaziergang durch das wunderschöne Bad Zwischenahn habe ich mir die Frage gestellt, warum ich eigentlich in Plettenberg eine neue Wohnung suche, wo es mir doch in Bad Zwischenahn so toll gefällt“, berichtet Thole von dem Schlüsselmoment, der über ihre Zukunft entscheiden sollte.

Nach dem Tod ihres Mannes vor wenigen Monaten habe sie einen Tapetenwechsel gebraucht, deshalb die Überlegung zum Umzug. Eigentlich sollte aber Plettenberg die alte und neue Wohnadresse lauten, da sie seit 1973 in der Vier-Täler-Stadt lebt. „Ich habe vorher gar nicht darüber nachgedacht, in eine andere Stadt zu ziehen. Bis ich dann in Bad Zwischenahn war“. Dann sei alles schnell gegangen: „Wir waren dann zu dritt in einem Fischrestaurant essen. Da sagte Doris zu mir: Wenn du wirklich hierher ziehst, dann komme ich mit!“, berichtet Erika Thole weiter. 

Das war die Geburtsstunde der zukünftigen Senioren-WG. Anschließend wurde im Wochenblatt nach Wohnungen gesucht, eine Stunde später ein kleines Haus besichtigt. „Das haben wir jetzt gemietet. Es ging einfach ruck, zuck“, sagt Erika Thole immer noch lachend, da sie es noch nicht ganz glauben kann.

 Die beiden 78-Jährigen sind dennoch davon überzeugt, genau das Richtige zu tun. „Mein Mann kommt hier aus der Ecke und wir beide haben uns eigentlich immer gesagt, dass wir irgendwann wieder zurück wollen. Jetzt werde ich diesen Plan zwar alleine durchziehen, aber ich weiß, er fände es wunderbar“, erzählt Thole. Sie glaubt ganz fest daran, dass er irgendwo im Himmel sitzt und sie sehen kann und ihr Leben verfolgt. „Er wollte immer zurück in seine Heimat“, fügt die Witwe hinzu. Gemietet haben sich die beiden Senioren ein Häuschen mit separaten Schlafzimmern. Küche, Badezimmer und Wohnbereich werden geteilt – also alles, wie in einer waschechten WG. „Das Zentrum und diverse Einkaufsmöglichkeiten sind bequem zu Fuß zu erreichen. Das Haus ist zwar nicht barrierefrei, aber wenn es nicht mehr geht, wird einfach ein Lifta eingebaut“, sagt Thole lachend.

Erika Thole freut sich sehr auf den neuen Lebensabschnitt im hohen Norden. Dennoch verlässt sie Plettenberg nicht nur mit einem lachenenden, sondern auch mit einem weinenden Auge. Besonders ihren aktuellen Wohnort Pasel werde sie sehr vermissen. 

Aber vor allem die Menschen aus den Vereinen und Organisationen, in denen sie tätig war – und das sind nicht wenige: Im VdK war Erika Thole 10 Jahre erste Vorsitzenden, bei der Seniorenvertretung der Stadt seit der Gründung an mit dabei, freie Mitarbeiterin beim Lokalfunk in Iserlohn, Mitglied des Autoren-Zirkels „Mörderische Sauerländer“ und natürlich seit der Gründung der Seniorenredaktion immer mit vollem Engagement mit von der Partie. „Ich werde die Redaktionstreffen sehr vermissen und das Gedichte-Schreiben, bei dem ich immer unglaublich kreativ werden konnte. Das hat mit wirklich viel Spaß gemacht“, sagt sie in der für sie letzten Sitzung in den Räumlichkeiten der Heimatzeitung.

 Doch auch wenn die Mitglieder der Redaktion Erika Thole nur schweren Herzens gehen lassen werden, soll es kein Abschied für immer sein, denn schließlich steht die Redaktionstür für die 78-Jährige stets offen. Außerdem werden sich die Leser sicherlich freuen, wenn sie ach in Zukunft Gereimtes von Erika Thole lesen, das vielleicht nicht in Pasel zu Papier gebracht wurde, sondern am Tisch in der frisch gebackenen Senioren-WG.

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