1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Plettenberg

Energiepreise schießen in die Höhe: Spaßbad im MK schaltet Außenbecken ab

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Georg Dickopf

Kommentare

Das Sauna-Außenbecken wurde am Montag geschlossen, um den Gasverbrauch im Aquamagis zu senken.
Das Sauna-Außenbecken wurde am Montag geschlossen, um den Gasverbrauch im Aquamagis zu senken. © AquaMagis

Nach den Gräueltaten in der ukrainischen Kleinstadt Butscha wird der Ruf nach weiteren Sanktionen gegen Russland lauter. Außenministerin Annalena Baerbock erteilt einem Gasstopp zwar vorerst eine Absage, doch hinter den Kulissen laufen ungeachtet dessen die Vorbereitungen für sein solches Szenario. So hat das Unternehmen Westnetz die Stadtwerke diverser Städte im Märkischen Kreis angeschrieben, damit diese die Unternehmen vor Ort zum Thema „Krisenvorsorge Gas“ und zum Gasnotfallplan informieren.

Plettenberg – Was das bedeutet, darüber sprach Georg Dickopf mit Dr. Uwe Allmann, dem Geschäftsführer der Stadtwerke Plettenberg.

Herr Dr. Allmann, Sie haben ein Schreiben von der Westnetz bekommen. Als Netzbetreiber müssen Sie auch in einer Krise die Versorgung der geschützten Kunden, zu denen alle Haushalte und soziale Einrichtungen zählen, sicherstellen. Das gilt aber nicht genauso für die Industriekunden, oder? Nein, leider nicht. Deshalb schreiben wir jetzt unsere Kunden an. Darunter sind keine Haushaltskunden und auch keine Bildungseinrichtungen. Auch das Plettenberger Krankenhaus und das Rathaus bleiben außen vor. Aber viele Plettenberger Industrieunternehmen, die an unseren Leitungen hängen, sind mit dabei. Dabei unterscheiden wir nicht in Netz- und/oder Vertriebskunden, denn auf der Netzseite sind in diesem Fall fast alle „unsere Kunden“.

Gibt es da Abstufungen untereinander? Die wichtigste Unterscheidung und Klassifikation ist, dass der Kunde ein sogenannter RLM-Kunde ist, das heißt, er verfügt über eine Lastgangmessung und bezieht darüber sogenanntes Prozessgas, um beispielsweise Induktionsöfen oder Glühanlagen zu betreiben. Kleinere Gewerbekunden sind heute noch nicht betroffen, was sich aber auch täglich ändern könnte.

Wie hoch ist denn der Gasanteil der Industrie in Plettenberg? Ein normaler Anteil wären 20 Prozent, aber in Plettenberg ist es deutlich mehr, weil wir hier so eine starke Zulieferindustrie haben. Die Industrie verbraucht aktuell rund 100 Millionen Kilowattstunden Gas, was in etwa 40 Prozent der gesamten Gasabgabe hier in Plettenberg bedeutet.

Also fast die Hälfte wird von der Industrie verbraucht. Und das könnte bald sanktioniert werden? Genau. Unsere Aufgabe ist jetzt, die Betriebe darauf vorzubereiten und sie zu informieren, dass so ein Gasstopp, ein Embargo oder eine entsprechende Anordnung der Regierung kommen könnte. Wenn diese dann kommt, sollen wir das Ganze fair, nachvollziehbar und transparent umsetzen. Aber wie bitte soll das funktionieren? Ist ein Unternehmen, das Feuerlöscher herstellt, schützenswert? Jeder wird da einen guten Grund anführen, warum bei ihm das Gas nicht ab- oder runtergedreht werden darf.

Also müssten Sie jetzt praktisch im Notfall den Daumen senken? Ja, leider. Natürlich geht das nicht nach Gutsherrenart, aber wie genau das vollzogen werden soll, ist auch noch völlig unklar. Es könnte beispielsweise sein, dass zunächst in einem ersten Schritt alle Betriebe die Hallenheizung abschalten müssen. Aber das Prozessgas würde dann weiter fließen und es könnte noch gearbeitet werden in den Sommermonaten. Mit solchen Dingen müssen wir uns jetzt leider beschäftigen und versuchen, eine Reihenfolge, eine Sortierung oder eine Lösung hinzubekommen.

Dr. Uwe Allmann, Stadtwerke-Geschäftsführer.
Dr. Uwe Allmann, Stadtwerke-Geschäftsführer. © Dickopf, Georg

Was bedeutet das für das Aquamagis? Wir haben im Aquamagis die besonders ineffizienten und sehr warmen Außenbecken seit Montag abgeschaltet. Auch wenn hier nicht jeder in die Hände klatschen wird, hoffen wir doch auf Verständnis, dass wir diese sehr hohen Verbraucher mal zwischenzeitlich abschalten.

Bis wann werden die Betriebe informiert? Wir versuchen bis Ende der Woche alle anzuschreiben, aber wir wissen halt nicht, welche Maßnahmen letztlich umgesetzt werden müssen.

Aber so richtig vorbereitet ist darauf niemand, oder? Doch ich glaube schon, dass sich viele große und professionelle Plettenberger Firmen mit möglichen Szenarien beschäftigen. Dafür ist hier sehr viel Qualität in den Unternehmen vorhanden. Aber natürlich hat so wirklich niemand bisher mit einem eventuellen Supergau gerechnet. Und ich möchte auch noch einmal deutlich anführen: Bisher dient es alleine der entsprechenden Vorbereitung. Noch fließt das Gas uneingeschränkt und wir hoffen auch alle, dass es so bleibt.

Das Thema Gas ist ja auch für Häuslebauer, die zurzeit ohnehin schon stark gestiegene Baukosten schultern müssen, ein Riesenproblem... Ja, wir selbst müssen unseren Grundversorgerpreis auf 20 Cent pro Kilowattstunde Gas anheben, was aber immer noch 50 Prozent unter dem Marktpreis liegt.

Natürlich hat wirklich niemand bisher mit einem eventuellen Supergau gerechnet.

Dr. Uwe Allmann Stadtwerke-Geschäftsführer

Was ist denn üblich beim Grundpreis? Die Stadtwerke Attendorn/Olpe nehmen jetzt 42 Cent für die Kilowattstunde Gas – das könnte natürlich aktuell auch eher als Abwehrmechanismus verstanden werden, denn wir alle haben Sorge vor Neukunden, die unzureichend eingedeckt sind und für die auch wir kein Gas bekommen oder horrende Zahlungen leisten müssen.

Wer also gerade neu gebaut und eine eng gesteckte Kreditlinie hat, müsste dann in Attendorn noch einmal rund 8 500 Euro im Jahr für das Gas bezahlen... Ja genau, und wie soll man da noch gut 700 Euro im Monat zusätzlich stemmen, zumal man aus dem Grundversorgervertrag derzeit auch nur schwer rauskommt? Ähnliches gilt auch für Betriebe, die Gas in der Vergangenheit billig auf dem Spotmarkt gekauft haben und jetzt ganz hohe Preise zahlen müssen.

Macht Ihnen auch irgendetwas Hoffnung für die nächsten bevorstehenden schwierigen Monate? Es bleibt alleine die Hoffnung, dass der unsägliche Krieg mit diesem Leid schnellstmöglich beendet wird. Erst dann können wir alle wieder irgendwann wenigstens halbwegs zur Tagesordnung übergehen und versuchen „Energie“ zu angemessenen Preisen, noch irgendwie zahlbar unseren Kunden anzubieten. Ich fürchte aber, dass alles wird noch ein langer Weg.

Auch interessant

Kommentare