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Endlich Frieden gefunden: Über 650 Verstorbene begraben

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Von: Hartmut Damschen

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650 Gebeine auf dem Friedhof im Böhler Park beigesetzt
Pfarrer Dietmar Auner (rechts) hielt im Böhler Park die Ansprache am offenen Grab. © Hartmut Damschen

Vom Neugeborenen bis zum Greis: Die Gebeine rund 650 Verstorbener wurden jetzt im Böhler Park beigesetzt. Die menschlichen Überreste waren bei Arbeiten am Kirchplatz gefunden worden.

Plettenberg – Pfarrer Dietmar Auner erinnerte sich: „Als ich im Dezember 2006 zusammen mit Bürgermeister Klaus Müller die Feier zur Einweihung des Stadtparks Böhler Friedhof begehen durfte, habe ich nicht gedacht, an diesem Ort jemals wieder eine Ansprache an einem offenen Grab zu halten.“

Anlass war die Beerdigung der Gebeine, die rund um die Christuskirche bei der Innenstadtsanierung gefunden wurden und nun auf dem Böhler Friedhof eine endgültige Ruhestätte fanden.

Es war eine würdige und besinnliche Gedenkfeier, zu der sich auch Vertreter der Evangelischen Kirchengemeinde Plettenberg, der Stadt Plettenberg und auch einige Bürger eingefunden hatten. Pfarrer Auner stellte passend zum Anlass die Auferstehung mit der Lesung von Hesekiel 37, 1-14 in den Mittelpunkt seiner Andacht. Er schloss mit den Worten: „In der Taufe sind unsere Brüder und Schwestern mit Christus begraben worden und haben in ihm neues Leben empfangen. Der Herr vollende an ihnen, was er in der Taufe begonnen hat. Von der Erde sind sie genommen und zur Erde kehren sie zurück – der Herr aber wird sie auferwecken. Im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus ist Auferstehung und Heil. Der Herr schenke ihnen seinen Frieden.“

Friedhöfe erst später außerhalb der Mauern

Pfarrer Auner blickte auf einige wichtige Entwicklungsdaten zurück: „Früher war es Tradition, die Toten rund um eine Kirche zu bestatten. Ende des 18. und frühen 19. Jahrhunderts kam es dann aus hygienischen Gründen zu Friedhofs-Verlegungen. Das Allgemeine Preußische Landrecht verfügte 1794: „In den Kirchen und in bewohnten Gegenden der Städte sollen keine Leichen beerdigt werden.“

In Plettenberg wurde dieser Forderung erst im Jahre 1821 mit der Anlegung eines neuen Friedhofs um die Böhler Kapelle nachgekommen. Die Einweihung fand am 1. Advent 1824 statt. 1871 musste er bereits erweitert werden und wurde schnell zu klein. 1891 führte das zur Anlegung des dritten Friedhofes auf dem Hirtenböhl.

Durch eine großzügige Spende der Firma Langenbach & Köster konnte 2006 der Böhler Friedhof, auf dem schon lange nicht mehr beerdigt wurde, zu einem Ort des Friedens und der Erholung für alle Plettenberger gemacht werden.

Der Pfarrer fuhr fort: „Mit Interesse haben die Bürger den Baufortschritt und vor allem die Grabfunde dank der Berichte im Süderländer Tageblatt verfolgt.“ Die Arbeiten mit ihren Grabfunden, durch die „Archäologie am Hellweg eG“ vor Ort gemacht, gesichtet und anschließend dokumentiert, wurde vom Referat für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe begleitet.

Das Ergebnis, wie es Sebastian Luke von „Archäologie am Hellweg eG“ dem Pfarrer mitteilte: Die Anzahl untersuchter Gräber liege zwischen 650 und 700. Die zeitliche Datierung sei nur grob einzuordnen. Überwiegend sei ein Zeitraum vom 18. bis 19. Jahrhundert zu nennen. Einzelne Grablegungen könnten aber durchaus bis in das 16./17. Jahrhundert zurückreichen. Erst DNA-Analysen würden Genaueres ergeben.

Die Bestatteten bildeten einen Bevölkerungsquerschnitt der damaligen Bevölkerung ab – vom Neugeborenen bis zum Greis. Es handelt sich um christliche Bestattungen, weil ohne Grabbeigaben. Häufig sind die Hände im Becken- oder Brustbereich gefaltet gewesen.

Bemerkenswert sind die Überreste der Katharinen-Kapelle (beim Stadtbrand 1725 zerstört) mit Resten des darin befindlichen Beinhauses.

Die an der Christuskirche vorgefundenen Gebeine der über 650 Verstorbenen wurden am Vortag in einem vier Mal sechs Meter großen Grab bestattet, das Mitarbeiter des Plettenberger Bauhofes mit einem kleinen Bagger ausgehoben hatten.

Ein symbolischer Sarg mit einigen darin befindlichen, am Kirchplatz ausgegrabenen sterblichen Überresten wurde bei der würdigen Trauerfeier einen Tag später der Erde übergeben.

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