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Ende für Traditions-Gaststätte: Die Lohmühle schließt bald

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Von: Georg Dickopf

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Nur noch bis zum 23. Oktober besteht die Möglichkeit, bei gutem Wetter den Biergarten zu nutzen.
Nur noch bis zum 23. Oktober besteht die Möglichkeit, bei gutem Wetter den Biergarten zu nutzen. © Dickopf

Die langjährigen Stammkunden wissen es schon länger, doch das macht es nicht besser. Das Traditionsrestaurant „Zur Lohmühle“ wird bald seine Türen schließen.

Plettenberg - Das griechische Restaurant, das schon durch seine Lage im Kellergerschoss des Walle-Hauses am Lohmühlenkreisel ein Alleinstellungsmerkmal hat, schließt zwei Monate vor Weihnachten die Türen.

„Am Sonntag, 23. Oktober haben wir den letzten Tag geöffnet“, sagt Pächter Andreas Moutsios, der das Restaurant mit Thekenbereich, drei Kegelbahnen und einem Biergarten seit 18 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Emi betreibt. Wenn er über den letzten Tag in der Lohmühle spricht, kommt Wehmut auf: „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber gemeinsam entschieden, dass es jetzt gut ist“, sagt Moutsios, der den auslaufenden Pachtvertrag nicht verlängern wird. Zu ungewiss seien die (Kriegs-)Zeiten. Noch dazu denkt er ungern an die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einbußen zurück. Die hohen Energiekosten und die Inflation, die auch die Kunden sparsamer werden lasse, sind weitere Gründe. „Wir mussten in diesem Jahr schon zwei Mal die Preise erhöhen“, sagt der 56-Jährige. Und es rechne sich auch nicht, für fünf Gäste den Gasgrill anzuwerfen.

Seit sieben Monaten sucht der Grieche einen Nachfolger für die Lohmühle, die beliebter Anlaufpunkt vieler Plettenberger ist und auch bei Kegelvereinen, Schützen und den Freunden von herzhaften griechischen Speisen hoch im Kurs steht. Ein Bewerber ist abgesprungen, doch es gibt noch Hoffnung für eine Nachfolgelösung.

Andreas Moutisos fällt der Abschied aus „seiner“ Lohmühle nicht leicht.
Andreas Moutisos fällt der Abschied aus „seiner“ Lohmühle nicht leicht. © Dickopf

Ob an Weihnachten, beim Schützenfest oder sonstigen Gelegenheiten, die holzvertäfelten Wände der Lohmühle könnten so manche Geschichte erzählen. Ob Frühschoppen, Spätschoppen, Stammtische, Weihnachtsfeiern oder einfach nur Gespräche bei einem kühlen Bier – in der Lohmühle waren alle Gäste willkommen. Entsprechend geknickt sind die Stammgäste, dass Andreas und Emi Moutsios auch aus gesundheitlichen Gründen diesen Schritt gehen.

„Wir werden uns danach erst einmal ein paar Monate in Griechenland erholen und überlegen dann, wie es weitergehen soll“, sagt Moutsios, der die Lohmühle im Jahr 2004 übernahm und zuvor sechs Jahre lang den Böddinghauser Hof führte.

Das Wirteehepaar Andreas und Emi Moutsios (Mitte) mit den beiden Kindern Panagiotis und Athina.
Das Wirteehepaar Andreas und Emi Moutsios (Mitte) mit den beiden Kindern Panagiotis und Athina. © Moutsios

Mit 14 Jahren kam Moutsios aus Psáka im griechischen Bezirk Thesprotia wie viele andere aus dieser Region nach Plettenberg. Unterstützung bekam das Gastronomie-Ehepaar von den Kindern Panagiotis und Athina, die gerne aushalfen, aber als Jurist und Kinderärztin andere Berufsziele verfolgen.

Ob und wo es für Andreas und Emi Moutsios nach fast 35 Jahren in der Gastronomie nach der Pause weitergeht, ist offen. „Vielleicht machen wir etwas Kleineres auf“, sagt der Wirt, dem seine Gäste sehr am Herzen liegen und der am 23. Oktober den Zapfhahn hochdrehen wird. „Vorher machen wir aber hoffentlich noch die Fässer und Flaschen leer“, sagt Moutsious und zapft dabei mit einem melancholischen Blick ein kühles Glas Pils.

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Noch gibt es Hoffnung für eine Nachfolge im Haus „Zur Lohmühle“, aber die Zeichen stehen allgemein nicht gut für einen Neustart im Gastronomiebereich. Dabei wäre es fatal, wenn mit der „Lohmühle“ ein weiteres Traditionshaus von der Bildfläche in Plettenberg verschwindet.

Damit würde das Kneipen- und Restaurantsterben fortgesetzt. Vor 15 Jahren gab es im Innenstadtbereich noch die Schlemmeria, das Haus Porstmann, das Café Ochtendung und das Restaurant Akropolis (Umzug ins Oestertal). Darüber hinaus schlossen das Berghaus Tanneneck und Molly’s Kneipe bereits vor Jahrzehnten und zuletzt folgten Plankemann in Eiringhausen und das Haus Käsebrink in Landemert, Die Imbissbetriebe Schütz sind ebenfalls Geschichte. Nachfolgelösungen gab es im Haus Battenfeld, der Holthauser Grillstube (jetzt Haus Huss), im Haus Elsetal (heute Ochtendung Catering), im Haus Heidrich (jetzt Mediterana), in der Gaststätte zum Oestertal (jetzt Akademie) und im Böddinghauser Hof (Kim’s Garden, dann Inside, jetzt Bröms Burgerhouse) und beim Stadion-Grill.

Zwischenzeitlich suchten die Betreiber des China-Restaurants Lotus in Ohle einen Käufer und aktuell steht die Gaststätte zur Oestertalsperre zum Verkauf.

Kurzum: Von einer blühenden Gastronomielandschaft kann man in Plettenberg leider nicht mehr sprechen. In bester Lage stehen die Räume im Haus zur Sonne am Alten Markt im gastronomischen Schatten. In Landemert wird die Dorfkneipe schmerzlich vermisst und nun droht in der Innenstadt ein Leerstand.

Und auch Kegelclubs werden es nach dem Wegfall der drei Lohmühle-Bahnen schwer haben. Der Blick in die Nachbarstadt Attendorn zeigt, dass es auch anders laufen kann. Doch das hilft den Plettenbergern nur wenig...

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