Das Ende für die Firma Groll

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Eine lange Tradition prägt die Karl Groll GmbH, die im Jahr 1920 gegründet worden ist. Nun ist das Unternehmen pleite. In diesen Tagen werden Restaufträge abgewickelt. Was aus den Hallen, den Maschinen und dem Grundstück wird, ist noch offen.

Plettenberg - Für die Firma Groll an der Oestertalstraße wird es keine Rettung mehr geben. Wie der Insolvenzverwalter Dr. Markus Wischemeyer gestern auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte, muss die Gesenkschmiede geschlossen werden. Betroffen sind insgesamt noch rund 90 Mitarbeiter.

Es herrscht Totengräberstimmung in dem Betrieb. An der Tür zum Warenannahme-Büro hängt ein alter Artikel aus der Heimatzeitung, aus dessen Überschrift ‘Firma Groll ist gerettet’ jemand ‘Firma Groll ist geschrottet’ gemacht hat. Im Werk selber strahlt die fast nagelneue Hammerlinie, die vor einem Jahr angeschafft worden ist und dem Betrieb eine bessere Zukunft bescheren sollte. Sie hat es nie über den Probebetrieb hinaus geschafft.

Die Mitarbeiter sind frustriert, verärgert, sauer. Rolf Appel würde am 5. Februar sein 45-jähriges Dienstjubiläum bei Groll feiern. Aber dazu wird es nicht mehr kommen. „Es tut einfach weh“, sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. Wie viele seiner Arbeitskollegen hat er lange darauf gehofft, dass das Unternehmen noch gerettet werden kann. Es hatte zunächst auch gut ausgesehen. Die erste Insolvenz, die in Eigenverwaltung durchgeführt worden ist, konnte im April dieses Jahres erfolgreich abgeschlossen werden. Aufbruchstimmung. Das Unternehmen ließ CNC-Maschinen und Kalibrierpressen restaurieren, schaffte ein Sortierband und einen neuen Kran zum Tragen von Gesenken an und stellte eine Handvoll neue Mitarbeiter ein, sodass die Belegschaft auf 122 Leute anwuchs.

Alle Hoffnungen steckten in der neuen Hammerlinie, mit der Aufträge für einen großen deutschen Automobilhersteller gewonnen werden konnten. Die plötzliche Absage der Aufträge ließ das Sanierungskonzept zusammenbrechen. Im Juli musste erneut Insolvenz beantragt werden.

Insolvenzverwalter Wischemeyer ist seitdem bemüht, einen Investor zu finden – ohne Erfolg, wie er gestern im ST-Gespräch erklärte. „Es gibt weiterhin kein Angebot. Der letzte Interessent sieht sich nicht imstande, ein Angebot abzugeben.“ Er selbst könne das Unternehmen „mangels Rentabilität“ nicht fortführen. Deshalb werden nun die letzten verbliebenen Aufträge abgearbeitet, ehe im Traditionsbetrieb an der Oestertalstraße voraussichtlich um die Jahreswende herum die Lichter ausgehen werden.

Viele Mitarbeiter können die Strategie der letzten Monate nicht nachvollziehen. Sie stellen in den Gesprächen untereinander bohrende Fragen, auf die sie keine Antworten haben: Wie konnte man während der ersten Insolvenz lediglich auf einen Großkunden setzen? Und warum war es nicht möglich, den Betrieb mit einer reduzierten Mitarbeiterzahl profitabel fortzusetzen?

Nachdem abzusehen war, dass die Karl Groll GmbH nun endgültig in die Pleite steuert, hat sich die Zahl der Mitarbeiter in den letzten Monaten Stück für Stück verringert. Von den 120 Leuten waren im Oktober noch 90 übrig – viele hatten sich neue Stellen gesucht. Seitdem geht der Arbeitsplatz-Abbau kontinuierlich weiter. Am Ende wird für die Rest-Abwicklung noch gut ein Dutzend Mitarbeiter benötigt.

Immerhin habe bislang ein Großteil der Mitarbeiter neue Stellen in Plettenberg und der Umgebung bekommen, berichtet Rolf Appel vom Betriebsrat. „Die Marktlage ist momentan ganz gut“, sagt er. Sein Betriebsratskollege Peter Janikowski ergänzt, dass viele von dem einst guten Ruf der Firma Groll profitieren würden. Er selbst betreute zuletzt auch einige ungelernte Arbeitskräfte, die er nun in Schulungen und Fortbildungen vermittelt.

Nichtsdestotrotz werden einige auf der Strecke bleiben. Gerade die langjährigen Groll-Mitarbeiter, die älter als 50 Jahre sind und ihr Leben lang fast keine Bewerbungen schreiben mussten, haben es schwer. Rolf Appel, selbst 61 Jahre alt, hatte Glück. Sein 45-jähriges Dienstjubiläum bei Groll wird er zwar nicht mehr erleben, dafür hat er aber eine neue Stelle in Aussicht.

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