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Ende eines Schnitzel-Paradieses: Restaurant Huß schließt endgültig - Wehmut nach 48 Jahren

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Von: Georg Dickopf

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Manfred Huß und Angelika Vieregge vor ihrer Holthauser Grillstube, die eine Institution im Elsetal ist und in der am Sonntag das Restaurant zum letzten Mal geöffnet hat.
Manfred Huß und Angelika Vieregge vor ihrer Holthauser Grillstube, die eine Institution im Elsetal ist und in der am Sonntag das Restaurant zum letzten Mal geöffnet hat. © Dickopf

Am späten Sonntagabend endet in Holthausen eine Institution, wenn Manfred Huß in der Holthauser Grillstube im wahrsten Sinne des Wortes den Ofen ausmacht.

Plettenberg - Auf die Frage, ob er Abschiedsworte an die Restaurantgäste richten wird, schüttelt der 74-Jährige den Kopf, seine Augen sind dabei glasig: „Wenn man mit Leidenschaft dabei ist, tut Aufhören immer weh“, sagt der Plettenberger, der seine Grillstube, die eigentlich viel mehr ist, nun nach 48 Jahren aufgibt.

Den Ausschlag für die Aufgabe gab die Krankheit von zwei langjährigen Mitarbeiterinnen, die er nicht einfach ersetzen könne und auch nicht mehr wolle. Insgesamt sieben Mitarbeiterinnen beschäftigt der Koch und Metzgermeister in seinem Betrieb. Die meisten davon sind weit über 35 Jahre dabei. „Und ich werde auch nicht jünger und meine Partnerin auch nicht“, sagt Huß, dem Lebensgefährtin Angelika Vieregge zur Seite steht.

Wochenende restlos ausgebucht

Bevor beide ihren Ruhestand genießen können, steht noch ein arbeitsreiches Wochenende bevor, denn die Holthauser Grillstube ist an beiden Tagen restlos ausgebucht. „Wir mussten sogar sehr vielen Stammgästen, die noch einmal kommen wollten, absagen, aber mehr schaffen wir nicht“, sagt Angelika Vieregge mit Blick auf die 70 Plätze im Restaurant und den parallel laufenden Außer-Haus-Verkauf.

Nach der umfassenden Modernisierung der Grillstube wollte Manfred Huß seinen Betrieb vor acht Jahren umbenennen, schließlich sei er eigentlich eher Restaurant als Grillstube. Doch letztlich beließ es der Plettenberger bei dem Namen, der ihn bekannt gemach hatt. Und das ganz ohne Facebook, Instagram eine aufwändige Homepage oder sonstige Werbung.

Der Metzgermeister und Koch bei der Fleisch- und Weißkohlzubereitung in seiner Küche.
Der Metzgermeister und Koch bei der Fleisch- und Weißkohlzubereitung in seiner Küche. © Dickopf

Großen Wert auf Qualität gelegt

„Wir hatten immer gut zu tun, auch im Corona-Lockdown. Da haben sich die Leute das Essen eben hier abgeholt“, sagt Huß, in dessen Küche alle Fleischgerichte von ihm persönlich zubereitet werden. Und dabei legt Manfred Huß großen Wert auf Qualität. „Bei uns gibt es keine Saucen aus dem Eimer oder Dosenware“, sagt der Koch und Metzgermeister, der sich Weißkohl und Kartoffeln aus der Soester Börde anliefern lässt und viele Jahre selbst zum Fleischeinkauf zu einer Schlachterei in Olpe fuhr. „Ich war einer der wenigen, die dort das Fleisch selbst aussuchen konnten und nicht nehmen mussten, was angeboten wurde“.

Und wahrscheinlich schätzen die Stammkunden, die aus Plettenberg, Lüdenscheid, Halver und Kierspe kommen, auch deshalb die verschiedenen Schnitzelgerichte, die Medaillons, die hausgemachten und in der Kasserolle zubereiten Rouladen und die Steaks.

Noch dazu wissen die Gäste bei Huß – egal, ob Schichtarbeiter, Feuerwehrmann, Beamter oder Firmenchef –, dass sie in der lange Zeit von außen eher unscheinbaren Grillstube ordentlich was auf den Teller bekommen – und das in guter Qualität.

Beruf mit Leidenschaft ausgeübt

Gerade weil ihm der Beruf so viel Freude macht, würde sich Manfred Huß eine Nachfolgelösung wünschen. „Wenn ich hier jemanden finde, der den Betrieb mit einer ähnlichen Leidenschaft weiterführt, bin ich gerne bereit, stundenweise noch mitzuhelfen“, sagt Huß, der wehmütig wird, wenn er an den Abschied denkt.

Manfred Huß (re.) sorgte schon Ende der 70er Jahren mit seinen schmackhaften Fleischgerichten für gelungene Familienfeiern. Der kleine Steffen Reeder, der so verschmitzt in die Kamera schaut, durfte über 40 Jahre später bei der Zubereitung der letzten legendären Huß-Schnitzel für den Restaurantbetrieb dabei sein.
Familie Huß sorgte schon Ende der 70er-Jahre mit ihren schmackhaften Fleischgerichten für gelungene Familienfeiern. Der kleine Steffen Reeder, der so verschmitzt in die Kamera schaut, durfte über 40 Jahre später bei der Zubereitung der letzten legendären Huß-Schnitzel für den Restaurantbetrieb dabei sein. © Familie Reeder

Einen kleinen Trost gibt es noch für diejenigen, die am ausverkauften Wochenende keinen Platz mehr in der Grillstube bekommen haben. Wegen der zahlreichen Anfragen bietet Huß bis zum Jahresende noch Außer-Haus-Bestellungen an. Wer also die berühmten Schnitzel noch einmal genießen möchte, der hat noch etwas Zeit.

Als Ruheständler will Huß, der Vater einer erwachsenen Tochter ist und morgens gerne mal um die Oestertalsperre geht, mit Angelika Vieregge noch ein paar Länder bereisen. Vor allem der asiatische Raum und Südafrika interessieren ihn.

Wer den Plettenberger demnächst nachmittags beim Spaziergang sieht, der weiß, dass der Chef der Grillstube den Absprung geschafft hat – auch wenn es ihm schwerfällt.

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