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Ende des Märchens? Beliebte Eisdiele schließt vielleicht für immer

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Von: Georg Dickopf

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Wie lange vor dem Märcheneis an der Neue Straße in Plettenberg noch die Bänke aufgestellt werden, ist noch offen. Fest steht, dass die Eisdiele im Herbst und Winter schließen wird. Was danach kommt, ist offen.
Wie lange vor dem Märcheneis an der Neue Straße in Plettenberg noch die Bänke aufgestellt werden, ist noch offen. Fest steht, dass die Eisdiele im Herbst und Winter schließen wird. Was danach kommt, ist offen. © Dickopf, Georg

Es ist das wohl schönste und am liebevollsten eingerichtete Ladenlokal in Plettenberg. Und doch steht das „Märcheneis“ an der Neue Straße möglicherweise vor dem Aus.

Plettenberg - Am Donnerstag veröffentlichte Betreiberin Christina Patzelt gemeinsam mit Kreativkopf Patrick Tussnat und Mitarbeiterin Tasmin Beste ein Video. Aufgrund der Energiekrise, der Inflation und der sinkenden Kaufkraft müssten Entscheidungen getroffen werden.

„Die erste Entscheidung die wir treffen mussten, ist, dass wir im Herbst und Winter nicht öffnen können“, heißt es in dem Video. Deshalb müsse man auch Mitarbeiterin Tasmin Beste freistellen. Ungewiss sei auch noch, wie es nächstes Jahr weitergehe. Auch deshalb werde man keine weiteren Gutscheine mehr verkaufen. Weil die Zukunft ungewiss sei, rät Tussnat, vorhandene Gutscheine jetzt einzutauschen.

„Es fällt uns überhaupt nicht leicht, weil wir mehr als eine Eisdiele sind. Hier steckt jede Menge Individualismus und Herzblut drin und für uns ist die Situation wie für viele andere auch sehr herausfordernd“, gab Tussnat zu verstehen. Man werde später im September urlaubsbedingt schließen. Ob man danach im Oktober noch mal öffne, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch ungewiss.

Im Gespräch mit unserer Zeitung verdeutlichte Betreiberin Christina Patzelt, wie schwer ihr der Schritt falle. Aber schon jetzt sei klar, dass sich die Nebenkosten für die liebevoll ausgestattete Eisdiele mehr als verdreifachen werden „Deshalb ziehen wir lieber jetzt schon die Reißleine“, sagt die Plettenbergerin und ergänzt: „Ich habe in meinem Leben noch nie so eine kritische Situation erlebt.“

Die gelernte Schneiderin und Kreativkopf Patrick Tussnat hoben das Projekt Märcheneis im Mai 2017 aus der Taufe. „Ich habe hier einige Kinder großwerden gesehen, die am Anfang nur Mama, Papa und Märcheneis sagen konnten“, sagt Patzelt und ihre Augen glänzen dabei feucht.

Das Märcheneis-Team um (von links) Christina Patzelt, Patrick Tussnat und Tasmin Beste sprachen in einem Video über die Zukunftssorgen der Eisdiele.
Das Märcheneis-Team um (von links) Christina Patzelt, Patrick Tussnat und Tasmin Beste sprachen in einem Video über die Zukunftssorgen der Eisdiele. © Screenshot: Märcheneis

Der Sommer sei nicht so schlecht gelaufen. Besonders beliebt waren dabei die Eissorten Brummbär und das Napoleon-Eis – alles selbst gemacht und mit frischen Zutaten liebevoll serviert. Nach einem Fernsehbeitrag seien sogar Touristen aus dem ganzen Bundesland im Laden aufgetaucht.

Doch an normalen Tagen leide man auch ein wenig an der Lage des Ladens, vor dem bislang auch keine Tische aufgestellt werden konnten. „Die wären von den durchfahrenden Autos auch umgefahren worden“, sagt Patzelt, die deshalb auf mobile Blumenkübel und eine Verbannung des Fahrzeugverkehrs hofft.

Doch ob das Märcheneis im nächsten Frühjahr überhaupt wieder eröffne, sei wegen der schlechten Rahmenbedingungen noch ungewiss. „Wir müssen uns genau überlegen, wie es weitergehen kann“, sagt Patzelt und schaut dabei auf die große Glasfront, die energietechnisch eine Herausforderung darstellt und hinter der in diesem Herbst und Winter nur die Mindesttemperatur an den Heizkörpern eingestellt wird.

Und so bleibt den Plettenberger wie bei einem richtigen Märchen nur die Hoffnung auf ein gutes Ende.

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