Flüchtlinge erhalten weniger als „Hartz IV“-Bezieher

+
In Plettenberg bezogen 2015 noch über 500 Menschen Sozialleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz – im vergangenen Jahr waren es nur noch 146. Wer diese Leistungen nicht mehr erhält, ist entweder berufstätig oder kriegt Leistungen nach dem „Hartz IV“-Satz.

Besonders Rechtspopulisten machen sich die Unwissenheit mancher Bürger für ihre Hetze zunutze: Hartnäckig hält sich noch in vielen Kreisen der Bevölkerung das Gerücht, dass Asylbewerber mehr Sozialleistungen erhalten würden als „Hartz IV“-Empfänger. Dass das nicht der Wahrheit entspricht, zeigt auch ein Blick auf Plettenberg.

Neueste Handys, teure Kleidung und ein Leben in Saus und Braus – so stellen sich manche Bürger den Neubeginn von geflüchteten Menschen in Deutschland vor. Doch das entspricht nicht den Tatsachen: In den ersten Monaten erhalten Asylbewerber, solange sie nicht anerkannt sind, geringere Sozialleistungen als „Hartz IV“-Empfänger; und auch der Einstieg in die Arbeitswelt gestaltet sich für die Geflüchteten schwieriger als für „Einheimische“.

In Plettenberg haben Ende 2017 noch 146 Menschen Sozialleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) erhalten. „Das sind Personen, die sich noch im Anerkennungsverfahren befinden. Allerdings halten sich natürlich weit mehr Flüchtlinge in Plettenberg auf, die jedoch keine Leistungen nach diesem Gesetz erhalten“, erklärt Dietmar Twer, zuständig für Asylbewerberleistungen, auf Anfrage des ST.

Denn solange ein Asylbewerber nicht anerkannt ist, erhält er in den ersten 15 Monaten seines Aufenthalts in Deutschland geringere Leistungen als Bezieher von „Hartz IV".Erst wenn sich Asylbewerber bereits seit 15 Monaten in Deutschland aufhalten, nicht selbst für eine Verzögerung der Asyl-Entscheidung gesorgt haben und einer Gemeinde zugewiesen sind, erhalten sie dieselben Leistungen wie „Hartz IV“-Empfänger. Dabei dürfen die Flüchtlinge aber nicht in Notunterkünften oder Aufnahmelagern untergebracht sein. Hier erhalten sie überwiegend Sachleistungen.

„Die meisten Asylbewerber erhalten mittlerweile aber nach 15 Monaten ihren Bescheid, ob sie anerkannt werden oder nicht“, erklärt Twer.

Dieser schätzt, dass derzeit rund 500 Flüchtlinge in der Vier-Täler-Stadt leben. Statistiken mit genauen Zahlen würden nicht existieren. Diejenigen, die nicht Geld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten, beziehen Leistungen nach SGB II („Hartz IV“). Andere sind in die Grundsicherung abgerutscht. „Einige arbeiten auch und erzielen genügend Einkommen für ihren Lebensunterhalt“, sagt Twer.

Dabei dürfen Flüchtlinge in den ersten drei Monaten nach ihrer Ankunft nicht arbeiten. Und auch danach genießen Deutsche und EU-Bürger bei der Besetzung von freien Stellen Vorrang.

Eigenes Vermögen muss von Asylbewerbern aufgebraucht werden, ehe Sozialleistungen beantragt werden dürfen. Der Freibetrag liegt hier bei 200 Euro je Familien-Mitglied. Neu Ankommende, die am Anfang des Asylverfahrens stehen, erhalten übrigens nur ein geringes Taschengeld und bestimmte Sachleistungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare