Patienten stehen Schlange

Emotionaler Abschied: Hausarzt-Praxis durchlebt ihre letzten Tage

Praxis Csapo Hülsmann Plettenberg Ohle schließt
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Das Arzthelferinnen-Team der Praxis Csapo am Abschiedstag (von links): Andrea Stahlschmidt, Daniela Gesicki, Karin Schuster und Franziska Käseberg.

Die Patienten standen Schlange, die Telefone glühten heiß: Zahlreiche Bürger brachten in dieser Woche Geschenke vorbei und wünschten Rodica Csapo und ihrem Arzthelferinnen-Team persönlich alles Gute für die Zukunft. Es waren bewegende Momente, die sich an den Abschiedstagen in der Praxis in Plettenberg-Ohle abspielten.

Plettenberg - 17 Jahre, nachdem Rodica Csapo ihre Praxis an der Lennestraße eröffnet hatte, ist nun Schluss. Sie selbst geht in den Ruhestand, hatte kurzfristig noch drei Monate länger praktiziert als geplant, in der Hoffnung, dass die Praxis weitergeführt werden könnte – letztlich vergeblich. Öffentlich möchte die Ärztin zur Praxisschließung nichts mehr sagen, stattdessen äußern sich am Mittwoch einige Wegbegleiter gegenüber dem Süderländer Tageblatt.

Zwei Frauen, denen der Abschied besonders schwer fällt, sind Andrea Stahlschmidt und Karin Schuster. Beide sind seit dem Start der Praxis in Ohle als Arzthelferinnen dabei und haben Rodica Csapo schon zuvor begleitet, als sie als niedergelassene Ärztin in der Praxis von Dr. Wolfgang Ermes und Ute Hülsmann an der Straße Vorm Kleekamp eingestiegen war. Das waren Zeiten. „Hoffentlich kommt überhaupt jemand“, dachte Andrea Stahlschmidt bei der Eröffnung der eigenständigen Csapo-Praxis im Januar 2004. Ja, die Patienten kamen – und das nicht zu knapp.

Rodica Csapo und Ute Hülsmann, die einige Jahre später die Praxis verstärkte, versorgten ihre Patienten stets mit großem Fachverstand und Einfühlungsvermögen – so wie zum Beispiel Christa Beyer und ihre Tochter Jill-Carina. „So eine liebevolle, fürsorgliche Ärztin, dazu so ein tolles Team – das finden Sie selten“, sagte Christa Beyer am Mittwoch gegenüber der Heimatzeitung, als sie mit ihrer Tochter gerade auf dem Weg zu Rodica Csapo war, um sich persönlich von ihr zu verabschieden. „Da geht Plettenberg richtig was verloren“, ergänzte Tochter Jill-Carina mit Blick auf die Praxisschließung.

Und Lutz Wershoven, ebenfalls langjähriger Patient und am Mittwoch ebenfalls vor Ort, pflichtete bei: „Es war immer klasse hier mit den netten Leuten. Ich war immer zufrieden und bin traurig, dass jetzt Ende ist.“

Die Beyers und Lutz Wershoven waren in den letzten Tagen aber nur ein Bruchteil der Patienten, die noch einmal persönlich vorbei kommen wollten. „Wir hatten wirklich Hochbetrieb“, beschrieb Arzthelferin Daniela Gesicki. Die Schlange zog sich (auch wegen des Sicherheitsabstandes) nicht nur am Mittwoch über viele Meter vom Seiteneingang bis auf den Gehweg der Lennestraße. Für das Team gab es Blumen und Süßigkeiten in Hülle und Fülle. Hinzu kam das Aufräumen der Praxis, das Bereitstellen der Patienten-Krankenunterlagen auf USB-Sticks, die zwischen dem 19. und 23. April (jeweils 8 bis 11 Uhr) abgeholt werden können. Bei alledem sei noch gar keine Zeit gewesen, die Praxisschließung emotional zu verarbeiten. „Das wird erst in den nächsten Tagen kommen“, sagen die Arzthelferinnen.

Sie persönlich müssen sich beruflich keine Sorgen machen. Pharmazentren, Ärzte oder Testzentrums-Betreiber seien schon auf die Arzthelferinnen zugekommen und hätten um sie geworben. Schwerer werden es dagegen viele Patienten haben, die sich einen neuen Hausarzt suchen müssen und hoffen, in einer Praxis in Plettenberg oder den umliegenden Städten unterzukommen.

Das Praxis-Team jedenfalls drückt allen Patienten auf der Suche nach einem neuen Arzt die Daumen und möchte eine ganz wichtige Sache noch loswerden: ein Dankeschön an alle, die die Praxis in den letzten beiden Jahrzehnten aufgesucht haben.

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