Stadt und Biologie-Experte analysieren die Situation

Kinder in Gefahr? Mutter sorgt sich nach auffälliger Fluginsekten-Ansammlung im Spielplatz-Sand

Tobias Reunert und Marcus Gerhardt suchten nach einem Erdwespen-Nest.
+
Tobias Reunert und Marcus Gerhardt nahmen den Sandkasten auf dem Spielplatz Papenkuhle unter die Lupe und schüppten dort, wo kleine Löcher im Sand waren, nach möglichen Nestern von Fluginsekten.

Eine Traube von unbekannten Fluginsekten hat am Wochenende eine Mutter in Sorge versetzt. Die Tierchen schwirrten in einem Sandkasten im Märkischen Kreis. Die erste Befürchtung: Es handelt sich um eine Tierart, die gerade Kindern, aber auch Erwachsenen gefährlich werden kann.

Plettenberg – Es summte und brummte am Sonntag im Sandkasten des Spielplatzes Papenkuhle in Plettenberg. Eigentlich war Melissa Schneider mit ihrer einjährigen Tochter unter anderem zum Sand-Baggern und Schaufeln auf den Spielplatz gekommen, doch als sie einen genaueren Blick auf den Sandkasten warf, war ihr sofort klar: „Hier lasse ich meine Tochter heute besser nicht spielen.“ Ihre erste Befürchtung: Es könne sich bei den schnell umherfliegenden Tieren um Wespen handeln.

Eine erste Google-Such-Diagnose mit den Stichworten „Wespen“ und „Sandkasten“ brachte die Mutter auf den Gedanken, dass es im Bereich des Sandkastens ein Erdwespen-Nest geben könnte. Und damit könnte es für Kinder, die im Sand spielen, richtig gefährlich werden. Denn Erdwespen reagieren höchst aggressiv, wenn sich ein Eindringling ihrem Nest nähert.

Melissa Schneider meldete den Vorfall über Facebook, Minuten später reagierte Bürgermeister Ulrich Schulte auf den Beitrag und sicherte zu, dass sich der Bauhof die Situation auf dem Spielplatz gleich am Montagmorgen ansehen werde.

Keine Erdwespen

Martin Krippendorf und sein Bauhof-Team suchten dann auch zum Wochenstart umgehend den Spielplatz auf, entdeckten aber zunächst keine Tiere im Sandkasten. „Zu feucht, zu kalt“, war die Einschätzung der Fachleute, die Recht behalten sollten und später bei einem zweiten Blick am Nachmittag eine größere Zahl Fluginsekten im Sandkasten ausmachten. Die Frage war jetzt: Um welche Insekten handelt es sich hier? Und haben sie wirklich im Sandkasten ein Nest?

„Erdwespen sind es nicht“, waren sich Tobias Reunert, Marcus Gerhardt und Martin Krippendorf schnell einig, nachdem sie ein totes Exemplar aus dem Sandkasten nahmen. Denn den Tieren fehlte das leuchtende Gelb, das die Tiere so charakteristisch macht. Diese Insekten waren – auch wenn sie sich ebenso wie Wespen bewegten – deutlich dunkler, ja fast schon bräunlich bis schwarz. Ungefährliche Schwebfliegen, die sich gerne als Wespen tarnen, konnten es auch nicht sein, denn diese Art hat nur zwei Flügel, während das Exemplar aus dem Sandkasten vier hatte. Eine andere Wespenart also? Oder eine Biene?

Der Plettenberger Insekten-Experte Ludwig Erbeling hatte nach dem Anruf der Heimatzeitung die Lexika schon bereit liegen. Am Ende brauchte er sie gar nicht, um das gesuchte Tier zu klassifizieren.

Insekten-Experte

Es gibt in Plettenberg einen Mann, der sich mit Insekten so gut auskennt wie kaum ein anderer: Ludwig Erbeling. Eigentlich beschäftigt sich der ehemalige Biologie-Lehrer und Hobby-Insektenforscher derzeit eher mit teilweise unter einen Millimeter großen Laufkäfern oder Kurzflüglern, aber der Bitte der Heimatzeitung, in diesem Fall zu helfen, kam er gerne nach. Als Erbeling unseren Reporter wenig später mit dem fraglichen Exemplar im Gepäck an der Haustür begrüßte, lagen diverse Insekten-Lexika schon aufgeschlagen bereit. Aber die brauchte der Fachmann letztlich gar nicht. Ein kurzer Blick, ein schnelles Lächeln – er wusste es sofort.

„Ganz klar: Das ist keine Wespe, sondern eine Honigbiene“, sagte Erbeling und schlug in seinem Lexikon die entsprechende Seite auf, die ein ebenso dunkles Exemplar zeigte wie das hier vorliegende. Wespen seien deutlich gelber, wiederholte der Experte die Einschätzung der Bauhof-Mitarbeiter.

Bienen dagegen seien zwar auch ein bisschen Gelb, aber oft eher bräunlich, erklärte Erbeling, um ein paar Seiten im Lexikon weiterzublättern und den Finger auf die Germanica und die Vulgaris zu halten – jene beiden gelbschwarzen Wespenarten, die in Deutschland am häufigsten sind und im Speziellen bei Kuchennachmittagen oder Grillabenden auf der Terrasse oder im Garten gerne mal vorbeischauen.

Dieses tote Exemplar hatten die Bauhof-Mitarbeiter im Sandkasten entdeckt.

Aufwärmen?

Aber: Bienen in größerer Anzahl über einen Sandkasten fliegend? Auch dafür lieferte Erbeling eine passende Erklärung: „Vermutlich wollen sie sich aufwärmen“, sagt er. Bei den noch kühlen Temperaturen wie derzeit nehmen sie sozusagen ein Sonnenbad im warmen Sand, um danach wieder auf Futtersuche zu gehen. Das wiederum würde auch erklären, warum die Bauhof-Mitarbeiter trotz genauer Suche kein Nest entdecken konnten.

Damit scheint zumindest für den Moment ausgeschlossen zu sein, dass es sich wie befürchtet um Erdwespen handeln könnte. Auch Bienen können zwar Kinder und Erwachsene stechen, seien allerdings längst nicht so aggressiv wie Wespen, weil Bienen nur ein mal stechen können und Wespen mehrmals, betont Experte Erbeling. Daher gilt nun für den Sandkasten auf dem Spielplatz Papenkuhle: Die Gefahr ist glücklicherweise nicht so groß wie zu Beginn gefürchtet, ein Auge auf ihre Kinder sollten Eltern beim Spielen im Sand dennoch haben.

Für Melissa Schneiders Tochter war es am Sonntag übrigens auch ohne Sandkasten ein vergnüglicher Nachmittag. „Sie hat dann eben die Schaukel und die Rutschen genutzt“, lacht die Mutter.

Erdwespen

Die Befürchtung, dass es sich um Erdwespen im Sandkasten handeln könnte, war nicht unbegründet. Gerade jetzt, wenn es draußen wärmer wird, bauen die Insekten ihre Nester und nutzen dazu am liebsten kleine Löcher im Boden. Gerade in vielen Gärten, in denen gleich neben dem Nest genügend Futtermöglichkeiten bestehen, siedeln sie sich gerne an. Bauhof-Mitarbeiter Marcus Gerhardt kennt das aus eigener Erfahrung. „Vor etwa drei Jahren habe ich mit dem Rasenmäher bei mir im Garten ein Erdwespen-Nest erwischt – danach bin ich erst mal gerannt“, erzählt er, denn die Wespen seien sofort aus ihrem Nest geschossen. Ein solcher Vorfall kann gefährlich enden, vor allem für Kinder, die unbedarft in einem Sandkasten spielen. Entsprechend richtig – und da waren sich im Nachhinein alle Beteiligten einig – war auch der Hinweis der Mutter und der dadurch eingeleitete Blick der Experten. Erst letztes Jahr hat der Bauhof auch zwei Erdwespen-Nester von Spielplätzen in Plettenberg beseitigen lassen. Noch ein kleiner Fakt am Rande: Laut Insekten-Experte Ludwig Erbeling sind vor allem die Erdwespen-Arten gefährlich und weniger die Wespen aus den Nestern, die oberirdisch gebaut sind. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare