Bürgermeister und Bauamtsleiter im Interview

So steht es um die Pläne für die Elsetal-Entlastungsstraße

+
Bürgermeister Ulrich Schulte zeigt den Plan für die Elsetalentlastungsstraße, die vom Kreisverkehr Schwarze-Brücke bis zur Industriestraße durch das Elsetal verläuft.

Plettenberg – Der Name ist sperrig und geht fast über eine Zeile. So lang der Begriff ist, so lange wird die Elsetalentlastungsstraße auch schon geplant. Rund 40 Jahre alt sind die ersten Planungen der Straße, die den Lkw-Verkehr parallel zur überlasteten und maroden Herscheider Straße durch das Elsetal führen soll. Bisher gibt es nur Pläne, Bauzeichnungen und Gutachten. Noch immer ist kein Spatenstich in Sicht.

Wo die Probleme bei der Umgehungsstraße liegen, was noch passieren muss und was die Straße kosten wird – darüber sprach Georg Dickopf mit Bürgermeister Ulrich Schulte und Bauamtsleiter Sebastian Jülich. Der Herscheider, der die Nachfolge von Bernd Merhofe angetreten hat und auch die Leitung des Planungsamtes von Hartmut Engelkemeier übernommen hat, will frischen Wind in die Planungen bringen. „Ich bin mit Sebastian Jülich auf einer Wellenlänge, dass das eine sehr wichtige Erschließungsstraße ist. Seitdem geht es bei dem Planverfahren etwas zügiger voran“, sagt Schulte, der den baldigen Startschuss zur Umgehungsstraße bereits bei seinem Amtsantritt in Aussicht gestellt hatte. Doch der Plettenberger Bürgermeister unterschätzte vor fünf Jahren die Komplexität des Projektes. Entsprechend zurückhaltend gibt sich das Stadtoberhaupt, wenn man wissen will, wann denn nun die ersten Lkw über die Umgehungsstraße fahren können. „Die Straße wird seit 40 Jahren diskutiert. Die Straße ist deswegen nicht umgesetzt, weil ich es nicht wollte, sondern weil doch viel mehr zu tun ist, um es umsetzen zu können, und vor allem, weil viele Dinge noch einmal neu aufgenommen werden müssen, um die entsprechenden Plangrundlagen zu haben“, sagt Schulte. 

Abgerückt ist man bei der Stadtverwaltung auch von dem Plan, die Umgehungsstraße in Teilabschnitten zu planen, zumal dann auch keine Förderung möglich wäre. Stattdessen überlege man, ein neues Planfeststellungsverfahren auf den Weg zu bringen. 

Herr Jülich, warum ist ein neues Verfahren notwendig? 

Jülich:  Weil zum Planfeststellungsverfahren beispielsweise auch ein aktuelles Lärmschutzgutachten zählt. Die Grenzwerte haben sich im Laufe der Jahre geändert. Die Anwohner bekommen dort Lärm, den sie früher nicht hatten. Unsere Aufgabe wird es sein, das Ganze in ein Maß zu bringen, das man ertragen kann. 

Wo liegt das Hauptproblem?

Schulte:  Wenn es nur ein Problem wäre, wäre es gut. Aber es ist eine lange Strecke und es gibt viele Punkte, die intensive Vorarbeiten erfordern.

Warum konnte man die Vorarbeiten nicht gezielt abarbeiten in den letzten Jahren? 

Warum hätte man nicht schon vor 15 Jahren starten können? Als ich das Amt von Klaus Müller übernahm, hieß es, wir müssten nur noch eine Einigung beim Dermeckebach hinbekommen. Als ich bei dem Thema auf der Zielgeraden waren, sagte Herr Jülich mir, dass es noch viele weitere offene Punkte gibt. Alles, was früher einmal in den Schubladen gelegen hat, ist heute obsolet.

Welche offenen Punkte gibt es denn noch? 

Jülich:  Offen ist zum Beispiel die Ausführung der Lärmschutzwände. Dafür brauchen wir ein aktuelles Lärmgutachten und eine aktuelle Verkehrsprognose. Entweder wir quetschen die Umgehungsstraße unter einer 110 Jahren alten Brücke hindurch oder bauen die komplette Brücke neu. Das Lichtraumprofil muss heute größer sein. Ein solcher Brückenneubau würde knapp zwei Millionen Euro kosten. 

Wie sieht die planerische Seite aus?

Wir überlegen gerade, welches Verfahren wir für die Gesamtstrecke neu aufsetzen, weil die ersten Schritte zu lange her sind. Alles muss jetzt praktisch neu aufgerollt werden. Nahezu alle alten Gutachten sind praktisch hinfällig. Wenn die Rechtslage sich ändert, gibt es keinen Bestandsschutz für solche Planungen. Das Thema Lärmschutzwände dürfte dabei auch eine Rolle spielen. 

Gibt es dafür genug Platz dafür auf den städtischen Flächen? 

Die Straße soll sechseinhalb Meter breit werden. Im Bereich der Bankette würde die Lärmschutzwand errichtet. Für einen aufwändigeren Lärmschutzwall – es gibt da ja sehr viele Varianten – müsste man allerdings Flächen der Anwohner beanspruchen.

Welche Punkte sind noch zu beachten?

Wir versuchen, zu große Steigungen im Trassenverlauf zu vermeiden, weil sonst die Lkw-Fahrer runterschalten müssen und die Lärmbelastung steigt. Durch den Straßenbau erzeugen wir natürlich einen gewissen Eingriff. Es heißt Entlastungsstraße. Dadurch, dass ich sie durch das Elsetal führe, bringe ich eine Entlastung an der Herscheider Straße. Wir wollen die Eingriffe für die Anlieger an der Prinzstraße und am Lüttmecker Weg durch Lärmschutzmaßnahmen auf das absolut nicht Vermeidbare reduzieren. Das Ergebnis wird der Entlastung an anderer Stelle gegenübergestellt und muss dann abgewogen werden. 

Was ist noch zu tun?

Hinter der Firma R+FK Schulte muss eine 250 Meter lange und gut fünf Meter hohe Stützmauer errichtet werden – die Planung dafür ist fertig. Kostenpunkt 2,3 Mio. Euro. Und zwischen den Firmen Brösecke und Brockhaus wollen wir das Wohngebiet Hechmecke über ein städtisches Grundstück an den Elsetalradweg anbinden. 

Das ist aber noch eine ganze Menge an Feinarbeit, Herr Schulte...

Schulte: Ja, und es gibt noch die spannende Frage, ob wir im ersten Teilabschnitt die Else verlegen, was aus ökologischer Sicht Sinn machen würde. Aber da gibt es noch Bedenken eines Grundstückseigentümers. Davon ist abhängig, ob und wo eine Brücke über die Else für gut 1,5 Mio. Euro errichtet bzw. saniert werden muss. 

Was kostet denn das Gesamtprojekt überhaupt?

Wir rechnen mit rund 13 Millionen Euro an Gesamtkosten. Leider wird es teurer, je länger es dauert. Und es dauert eigentlich schon viel zu lange. Deshalb wollen wir das Straßen-Projekt jetzt nach vorne bringen, auch wenn noch jede Menge Arbeit vor uns liegt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare