„Zahnmiete“ als Gastgeschenk

Elif: Fastenbrechen verbindet in der Lichtringhauser Schützenhalle

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Reichhaltig: Mitglieder und Gäste konnten sich an einem üppigen Buffet bedienen, das viele selbstgemachte Speisen bereithielt.

Plettenberg / Lichtringhausen - Anlässlich des islamischen Fastenmonats Ramadan luden die Vereinsmitglieder von Elif (Eltern- Leser und Interkulturelle Förderung e.V.) am Mittwochabend zu einem gemeinsamen Fastenbrechen in den Räumlichkeiten der Lichtringhauser Schützenhalle ein.

Hier saßen sie alle zusammen: Christen und Muslime, Deutsche und Türken, Jung und Alt, mit dem Ziel, nach Sonnenuntergang um 21.37 Uhr gemeinsam das Iftar (Mahl nach dem Fastenbrechen) einzunehmen und einen Schritt weiter in Richtung verbesserter interkulturelle Kommunikation zu gehen.

Eine gute Verständigung zwischen Menschen des Christentums und des Islams sei vorrangiges Ziel des Plettenberger Vereins Elif: „Wir wollen eine Brücke zwischen zwei Kulturen aufbauen“, so Bünyamin Özcan, Vorstandsvorsitzender des Vereins. Der Verein setzt sich neben der Verbesserung des interkulturellen Dialogs auch für die Integration von Flüchtlingen, Bildung und Chancengleichheit ein. Um diese Ziele zu verwirklichen, arbeitet der seit 2010 bestehende Verein an der Vergrößerung seines Netzwerkes, zu dem unter anderem die Städte Plettenberg und Werdohl, deren Polizeipräsidien so wie auch Kulturvereine und Bürgerinitiativen zählen.

Dass die Kommunikation und Integration zweier so unterschiedlicher Kulturen friedlich und harmonisch verlaufen kann, hat dieser Abend deutlich gezeigt. Nach den Begrüßungsreden von Semiha Özdemir (Elif), Bürgermeister Ulrich Schulte und Sabine Hollweg (ev. Kirchengemeinde Plettenberg) gab es für die Besucher sowohl traditionell türkische Sufimusik von Mücahit Uzun auf der „Ney“ (orientalische Flöte) als auch Querflötenmusik von Matthias Brenne (Musikschule Lennetal) zu hören.

Satt: Nachdem viele Muslime den ganzen Tag auf Nahrung verzichtet hatten, konnten sie um 21.37 Uhr wieder essen und trinken.

Elif hat seinen Sitz eigentlich an der Brauckstraße in Plettenberg. Da die Räumlichkeiten hier allerdings zu klein seien, sei man für diesen Abend in die Schützenhalle nach Lichtringhausen gewechselt – eine gute Entscheidung, denn die Halle war gut gefüllt.

Hacer Özcan, Frau des Vorstandsvorsitzenden, fastet seit sie ungefähr 15 Jahre alt ist, jedes Jahr. Zu wissen, dass auf der ganzen Welt Muslime zeitgleich auf Essen und Trinken verzichten, um sich unter anderem in Geduld und Selbstdisziplin zu üben, erhöhe ihre Motivation ungemein und erzeuge ein starkes Gefühl kollektiver Dynamik. Sie selbst merke beim Fastenbrechen jedes Mal, wie viel intensiver die Geschmackssinne angesprochen werden. „Ich bin immer wieder fasziniert, wie gut Wasser eigentlich schmeckt“, berichtete sie, während sie ihren Blick erwartungsvoll auf das noch umgedreht stehende Wasserglas auf dem Tisch richtete.

Rappelvoll: Der Wechsel von den Räumen an der Brauckstraße in die Lichtringhauser Schützenhalle erwies sich für den Verein Elif als die richtige Entscheidung. 

Bis zum Sonnenuntergang um 21.37 Uhr wurden neben Datteln, mit denen traditionell das Fasten gebrochen wird, und Fladenbrot auch traditionell türkische Speisen wie Sarma (mit Reis gefüllte Weinblätter) oder Mercimek Köftesi (rote Linsenlaibchen) auf den Tischen bereitgestellt. Zudem konnten sich die Gäste nach einer Linsensuppe am reichhaltigen Buffet bedienen. Hier gab es unter anderem türkische Tortellini in Joghurtsauce, Putenschnitzel, diverse Aufläufe und verschiedene Salate. Zum Nachtisch gab es Baklava (türkische Süßspeise). Die, deren Augen größer als der Magen waren, waren herzlich dazu eingeladen, sich etwas in einer „Mitnehmbox“ mit nach Hause zu nehmen.

Bünyamin Özcan kündigte an, dass nach dem Iftar alle Gäste eine „Zahnmiete“ erhalten werden. Zahnmiete? Noch nie gehört. Sie ist eine alte osmanische Tradition, bei der die Gastgeber ihren Gästen am Ende des gemeinsamen Abendessens ein kleines Geschenk überreichen. Dieses ist quasi eine Art „Schadensersatz“ für die Abnutzung der Zähne des Gastes, die beim Essen entsteht. - Von Nadine Statzner

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