Ein Beispiel aus Plettenberg

Wenn die Tankstelle blockiert ist: Alltags-Probleme aus dem Leben einer E-Auto-Fahrerin

Evelyn Kramer hätte gerne am Mittwoch auch ihr Elektroauto an einer der beiden Ladeplätze im Parkhaus Brachtstraße geladen. Allerdings blockierten zwei andere Fahrzeuge den ganzen Vormittag über die beiden Stellplätze. Nachdem die beiden Wagen um 13 Uhr noch immer dort standen, fuhr Evelyn Kramer mit ihrer verbliebenen Akkuladung in ihre Heimatstadt Attendorn und tankte dort ihr Auto voll.
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Evelyn Kramer hätte gerne am Mittwoch auch ihr Elektroauto an einer der beiden Ladeplätze im Parkhaus Brachtstraße geladen. Allerdings blockierten zwei andere Fahrzeuge den ganzen Vormittag über die beiden Stellplätze. Nachdem die beiden Wagen um 13 Uhr noch immer dort standen, fuhr Evelyn Kramer mit ihrer verbliebenen Akkuladung in ihre Heimatstadt Attendorn und tankte dort ihr Auto voll.

Alle reden über Elektroautos – die Bundesregierung, die Autobauer, die Verkäufer. Doch noch immer können sich Elektroautofahrer nicht ganz sorgenfrei fortbewegen, zum Beispiel, wenn Schnellladesäulen dauerhaft blockiert sind. Das zeigt ein Beispiel aus Plettenberg.

Plettenberg - Evelyn Kramer hat sich Anfang dieses Jahres ein Elektroauto gekauft. Ein kleiner Renault Zoe ist es geworden – genau das richtige Auto, um zu den Kunden nach Hause zu fahren, dachte sich die Ergotherapeutin aus Plettenberg. Mal abgesehen von der Ausschüttung der Kaufprämie, deren Beantragung eine bürokratische Herausforderung gewesen sei und deren Ausschüttung gut ein halbes Jahr gedauert habe, ist Evelyn Kramer auch sehr zufrieden mit ihrer Entscheidung für ein Elektroauto. Nur die Sache mit dem Tanken, die kann mitunter ein Problem werden.

Mittwochvormittag in Plettenberg, Parkhaus Brachtstraße: Während sie einen Steinwurf entfernt in ihrer Praxis arbeitet, würde Evelyn Kramer ihr Auto gerne an eine der beiden öffentlichen Schnellladestationen im Parkhaus anschließen. Ihr Zoe zeigt nur noch eine Akkuleistung von 15 Prozent an. Für eine vergleichsweise kurte Strecke wie von Plettenberg nach Lüdenscheid und zurück könnte das schon eng werden. Aber beide Plätze sind belegt. Ein Audi e-tron und ein Volvo XC90 thronen auf den gekennzeichneten Flächen, die Zapfpistole der Schnellladesäule an ihren Autos angeschlossen.

Evelyn Kramer weiß aus Erfahrung, dass der Ladevorgang hier in der Regel etwa zwei Stunden dauert, ehe sich die Anlage automatisch abschaltet und der Autobesitzer seinen Wagen wegfahren kann. Also parkt sie ihren Zoe in einer normalen Parkbox, in der Hoffnung, dass eine der beiden Ladesäulen vielleicht in einer Stunde frei sein könnte. Ein Schild weist ja extra darauf hin, dass die Plätze nach dem Ladevorgang zu räumen sind.

Doch daraus wird nichts. Um 10 Uhr stehen der Audi und der Volvo noch immer auf den Ladeplätzen. Der eine Wagen ist schon vollgetankt, darauf weist die grüne Signalleuchte an der Säule hin; das andere Fahrzeug lädt noch.

Um 11 Uhr schaut sie wieder vorbei. Der Audi und der Volvo sind vollständig geladen, blockieren aber noch immer die Plätze. Langsam wächst in Evelyn Kramer der Ärger. Sie schreibt einen Zettel mit der Aufschrift „Ich hätte gerne auch Strom“ und klemmt ihn dem Audi an die Windschutzscheibe. Jeder Elektroaufofahrer kenne doch das Problem der rar gesäten Schnellladestellen und würde sich gleichermaßen ärgern, wenn sie dauerhaft blockiert sind. „Das finde ich nicht mehr witzig“, wird sie darüber später im Gespräch mit der Heimatzeitung sagen.

Doch vor dem Anruf bei unserer Zeitung versucht sie sich anderweitig zu helfen. Sie fragt bei den Stadtwerken, dem Betreiber der Ladesäulen, nach, ob sie etwas unternehmen können, sie meldet sich bei der Polizei und beim Ordnungsamt – aber niemand könne ihr helfen. E-Auto-Ladeplätze – eine rechtliche Grauzone!?

E-Autos und der Parkplatz vor der Ladesäule: Das sind die Regeln

Selbst für den langjährigen Plettenberger Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel ist der Fall vor Ort neu. „In der Vergangenheit hat sich bisher niemand mit dieser Fragestellung an uns gewandt“, berichtet er auf Anfrage der Heimatzeitung. „Offenkundig herrschte an E-Ladesäulen in Plettenberg bisher kein Parkdruck oder die Park- und Lademöglichkeiten wurden bisher nicht ‘über Gebühr’ ausgenutzt.“

Nun ist der Fall zum ersten Mal aufgetreten, gut möglich, dass sich die Situationen mit künftig mehr Elektroautos auf den Straßen sogar mehren. Ist es also wie in dem beschriebenen Fall von Evelyn Kramer verboten, länger als für den Ladevorgang den Platz zu blockieren? „Das ist äußerst fraglich und wird unsererseits eher verneint“, sagt der Ordnungsamtsleiter.

Das Schild im Parkhaus Brachtweg („Elektrofahrzeuge während des Ladevorgangs“) stelle zwar klar, dass der Parkplatz nicht nur eine Reservierung für E-Fahrzeuge beinhalten soll, sondern dass die Fahrzeuge hier nur während des Ladevorgangs abgestellt werden sollen. Doch der Zusatz „während des Ladevorgangs“ gibt nach Auffassung des Plettenberger Ordnungsamtes keinen klaren zeitlichen Rahmen vor. Diese „hinreichend präzise Bestimmbarkeit im Voraus“, wie es in der Fachsprache heißt, müsste aber gegeben sein. „Nur dann wäre es zu rechtfertigen, den Fahrer auch wegen eines Verstoßes zur Verantwortung zu ziehen“, sagt Spiegel.

Er nennt ein Beispiel: Der E-Auto-Fahrer wisse vielleicht im Grundsatz, dass 80 Prozent seines Akkus nach etwa anderthalb bis zwei Stunden aufgeladen sind. Aber: Weder er, noch die Kontrolleure wissen, wie lange die vollständige Aufladung genau dauern wird. Verschiedene Faktoren – zum Beispiel die Leistung der Ladevorrichtung oder auch Alter des Fahrzeugakkus – können die Dauer beeinflussen. Mit anderen Worten: Wenn Zeitüberschreitungen geahndet werden sollen, müsste eine eindeutige Zeitbeschränkung ausgeschildert werden.

Bisher teilen Elektroautos im Parkhaus Brachtstraße das rechtliche Schicksal der anderen (Verbrenner-)Fahrzeuge: Die Parkdauer ist – abgesehen von kurzzeitigen Halteverbotszeiten in der Nacht – grundsätzlich unbeschränkt. „Gerade das Parkhaus Brachtstraße soll tagsüber ein weitgehend zeitunabhängiges Parken zum Beispiel für Berufstätige ermöglichen“, betont Thorsten Spiegel. Und das solle auch so bleiben.

Eine Ahndung wegen Ladezeitüberschreitung sei bisher nicht vorgesehen. Sollte es aber in Zukunft häufiger zu Fällen kommen, in denen E-Auto-Fahrer deutlich länger als nötig die Plätze für die Ladesäulen blockieren, erwäge das Ordnungsamt, neue Schilder mit Zeiteinschränkung anzuordnen.

E-Autos und der Parkplatz vor der Ladesäule: Ein Appell aus dem Ordnungsamt

Damit es nicht soweit kommt, sagt der Ordnungsamtsleiter: „Wir appellieren an E-Fahrzeugführer, die ja Teil eines sozial-ökologischen Transformationsprozesses sein wollen, sich auch untereinander fair zu verhalten: Nur an einer E-Ladesäule parken, wenn diese auch tatsächlich zum Laden in Anspruch genommen wird. Den Pkw einigermaßen zügig entfernen, wenn der Ladevorgang abgeschlossen ist.“

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