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Azubi-Mangel im Handwerk trotz Super-Gehalt: „Bei uns bis zu 85.000 Euro Jahresverdienst“

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Von: Hartmut Damschen

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Mit großen Maschinen für die Ausbildung werben: Bei der Firma Stauff konnten Plettenberger Schüler unter anderem sehen, wo die am Ohler Standort produzierten Teile für Hydrauliktechnik zum Einsatz kommen können.
Mit großen Maschinen für die Ausbildung werben: Bei der Firma Stauff konnten Plettenberger Schüler unter anderem sehen, wo die am Ohler Standort produzierten Teile für Hydrauliktechnik zum Einsatz kommen können. © Damschen

Zahlreiche offene Stellen, aber viel zu wenige Bewerber – so lässt sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt in der heimischen Region zusammenfassen. Gerade für Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie unverständlich, denn auch nach einer Ausbildung lasse sich gutes Geld verdienen.

Plettenberg - Dennoch: Mittlerweile müsse viel stärker um neue Auszubildende geworben werden – auch bei der Firma Stauff. Vertreter des Ohler Unternehmensstandorts, aber auch der Metall- und Elektroindustrie taten am Freitagmorgen genau das: Sie rührten die Werbetrommel, mit vielen Informationen, aber auch interessanten Einblicken.

Die Firma Stauff (Walter Stauffenberg GmbH u. Co. KG) in Ohle bietet mit ihrer breiten Palette an Schellen aus verschiedensten Kunststoffen und NE-Metallen (Nicht-Eisen-Metalle) sowie Befestigungsteilen aus Normal- und Edelstahl eine vielseitige Produktionsstätte, die als beispielhaftes Anschauungsobjekt am Freitag dienen sollte.

Eingeladen worden waren die Schüler der beiden letzten Klassen aller Plettenberger Schulen, um sie über mögliche Ausbildungsberufe und die Wege dorthin zu informieren. Mit dabei war, nun schon zum zweiten Mal, der Info-Truck der Metall- und Elektroindustrie Gesamtmetall, von IW Medien (Institut der deutschen Wirtschaft Köln Medien GmbH) betreut.

Doch was treibt Firmen an, die Jugendlichen über Ausbildungsberufe vermehrt zu informieren? Ein Blick in Statistiken genügt: Im Märkischen Kreis gebe es längst ein Überangebot an Ausbildungsstellen, die die Zahl der Bewerber übersteigt. Auch das Statistische Bundesamt erklärte zuletzt, dass die Zahl neuer Ausbildungsverträge 2021 weiter auf historisch niedrigem Niveau gelegen habe. Im Vergleich zu 2011 habe es einen Rückgang von 14 Prozent bei den Ausbildungswilligen bundesweit gegeben.

Die Gründe für den Rückgang seien vielfältig. Uwe Göckeler, Lehrer für Physik und Technik an der Plettenberger Geschwister-Scholl- Realschule, kennt eine Ursache: „Uns haben die Coronajahre zurückgeworfen. Die in dieser Zeit reduzierten Kontaktmöglichkeiten und geänderten schulischen Lehrmöglichkeiten haben vieles verhindert.“ Außerdem würde der Trend von einer dualen Ausbildung weg hin zum Studium gehen.

Für Niclas von Seidlitz, Personalleiter bei Stauff, unverständlich: „Dabei sind die Verdienstmöglichkeiten in der Industrie sehr gut. Ein ausgebildeter Facharbeiter kann bei uns ohne Weiteres einen Jahresverdienst von 80 000 bis 85 000 Euro nach Hause bringen.“ Er fuhr im Hinblick auf den Aktionstag fort: „Wir leisten hier Basisarbeit und investieren somit in die Zukunft“.

Wir, das waren außer ihm nicht nur Katrin Schulz, Georg Thieme und Dirk Kowitz von IW Medien, Jasmin Haski und Nina Bäcker vom Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit, sondern auch jede Menge Mitarbeiter der Firma Stauff und deren Schwesterunternehmen.

Die Mitarbeiter begleiteten die jungen Menschen auf ihrem Rundgang durch den Betrieb, zeigten Endprodukte, die in jedem Regal von Drogerien und Märkten zu finden sind, erklärten spezifische Details beim Spritzgießen oder auch in der Stanzerei. Als großes Anschauungsobjekt stand ein Mobilbagger vor einer Halle, an dem ohne die verbaute Hydraulik mit Elementen aus dem Hause Stauff nichts funktionieren würde. Vom im Verhältnis riesigen Beispiel für hydraulische Funktionen wurden die Schüler in den Truck geleitet, in dem kleinere Maschinen nicht nur angeschaut werden konnten.

Dirk Kowitz fand mit seiner direkten Art in kleiner Runde und in der oberen Ebene des Trucks ohne Probleme Zugang zu den jungen Leuten. So bekam er auch gute Antworten auf seine Fragen: „Was möchtest du werden?“, „Was ist wichtig für euch in eurem zukünftigen Beruf?“, „Welche Wünsche hast du?“

Da offenbarte sich schnell, dass große Wünsche auch gutes Geld kosten werden, das im Beruf verdient werden muss. Also muss wieder geschaut werden, was am Ende herauskommt.

Kowitz erklärte, dass die Lehrzeit eines Auszubildenden rund 85 000 bis 100 000 Euro kostet. Um eine reale Vorstellung mit auf den Weg zu geben, meinte er: „Das ist ungefähr ein Drittel von dem, was ein Haus kostet.“ Man merkte, wie der Vergleich in den Köpfen ankam.

Ein junger Stauff-Mitarbeiter berichtete davon, wie er nach vielen Umwegen schließlich in Ohle ankam. „Erst hier hatte ich den Beruf gefunden, der mir auch Spaß macht.“ Er schloss auch mit dem Rat: „Sucht euch nie einen Beruf aus, der euch nicht Spaß macht. Ihr werdet dann nicht glücklich.“

Kowitz hatte noch einen anderen Tipp: „Unentschuldigte Fehlstunden gehen gar nicht“, und unterstrich das nochmals: „Fehlt niemals unentschuldigt!“ Einhelliges Nicken der Schüler zeugte von gleicher Meinung. Es trifft gleichermaßen auf die Schul- und auch Ausbildungszeit zu. Oder auch für das ganze Leben.

Katrin Schulz von IW Medien erklärte: „Wir wollen der Jugend die Möglichkeiten einer Ausbildung in der Metall- und Elektroindustrie näherbringen, um damit das negative Bild alter Ausbildungsberufe positiv zu verändern.“

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