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Eiscafé setzt auf Tradition: Geschmacksverstärker „absolut undenkbar“

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Von: Georg Dickopf

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Yannik und Leander (re.) genießen das traditionell hergestellet Eis genau wie viele andere, auch wenn es etwas teurer geworden ist.
Yannik und Leander (re.) genießen das traditionell hergestellet Eis genau wie viele andere, auch wenn es etwas teurer geworden ist. © Dickopf, Georg

Das Eiscafé Sagui setzt auf Naturprodukte. Vanillegeschmack mit Geschmacksverstärkern ist für die Brüder Paolo und Dario Sagui „absolut undenkbar“. Zweimal musste der Preis für die Kugel Eis diese Saison erhöht werden. Das steckt dahinter.

Plettenberg – In den letzten Jahrzehnten gab es immer mal wieder Krisen in Plettenberg. Doch wenn das Eiscafé Sagui nach einem langen Winter in Plettenberg wieder seine Türen am Maiplatz öffnete, dann gab das immer einen positiven Schub für die Stadt, denn dieses Eiscafé ist nicht irgendein Geschäft, in dem man einen Becher Eis oder einen Cappuccino bekommt.

Paolo und der ein Jahr ältere Dario Sagui (re.) leiten das Plettenberger Eiscafé mittlerweile in der vierten Generation.
Paolo und der ein Jahr ältere Dario Sagui (re.) leiten das Plettenberger Eiscafé mittlerweile in der vierten Generation. © Dickopf, Georg

Für die Plettenberger und viele Auswärtige ist es weitaus mehr. Wer lange nicht in Plettenberg weilte und zurück in seine Heimatstadt kommt, für den ist das Eiscafé mit seiner über 65-jährigen Familientradition fast schon Kult. Und auch die beiden Brüder Dario und Paolo Sagui, mittlerweile 57 und 56 Jahre alt, kennt eigentlich jeder in Plettenberg.

Doch seit der Corona-Pandemie, die die aus den Dolomiten stammende Eismacherfamilie tapfer überstanden hat, ist etwas anders im Eiscafé.

An den Tischen im Außenbereich herrscht stets guter Betrieb – trotz der aus Personalmangel notwendig gewordenen Selbstbedienung.
An den Tischen im Außenbereich herrscht stets guter Betrieb – trotz der aus Personalmangel notwendig gewordenen Selbstbedienung. © Dickopf, Georg

„Unsere Kunden werden im Außenbereich nicht mehr wie früher am Tisch bedient“, bedauert Paolo Sagui. In der Coronazeit sei das auch nicht erlaubt gewesen. „Jetzt würden wir diesen Service gerne wieder anbieten, finden aber leider keine Servicekräfte, obwohl wir es auf viele Arten versucht haben“, sagt der maßgeblich für die Eisherstellung zuständige Paolo. Freie Zeit zu haben, sei heute offenbar deutlich wichtiger geworden, weshalb es schwierig sei, gerade für die Arbeit an den Wochenenden verlässliches Personal zu finden.

Deshalb entschied er mit seinem Bruder, den Corona-Modus beizubehalten. Das bedeutet, dass man seine Bestellung an der Eistheke aufgibt, das Eis oder Getränk dort sofort zubereitet und anschließend bezahlt wird und man dann damit den gewünschten Platz im Außenbereich ansteuert.

„Im Innenbereich wird auch weiter am Tisch bedient“, betont Dario Sagui. Mit dieser Art der Bedienung sei man übrigens nicht allein. Laut Eisfachverband würden mittlerweile fast 70 Prozent aller Eisdielen mangels Personal auf die Selbstbedienung setzen.

Die drei Pakete mit Vanilleschoten haben einen Gesamtwert von über 1 200 Euro.
Die drei Pakete mit Vanilleschoten haben einen Gesamtwert von über 1 200 Euro. © Dickopf, Georg

Bedingt durch den Ukraine-Krieg und die damit verbundenen Preissteigerungen musste Dario in diesem Jahr gemeinsam mit seinem Bruder einen weiteren Schritt vollziehen, der bislang stets vermieden werden konnte: eine zweite Preiserhöhung für die Kugel Eis in einer Saison. Nahm man nach der Eröffnung im Februar noch 1,10 Euro für die Kugel Eis, werden seit April 1,20 Euro fällig.

„Der Schritt ist uns wirklich nicht leicht gefallen, aber die Preise für die Zutaten sind zwischenzeitlich und nach dem Kriegsausbruch teilweise um bis zu 30 Prozent gestiegen“, sagt Dario Sagui und verweist auf deutliche höhere Preise für Milch und Sahne. Noch schlimmer sei der Preisanstieg bei den Vanilleschoten, für die früher rund 300 Euro pro Kilogramm fällig wurden und die nun zwischenzeitlich auf bis zu 720 Euro pro 1000 Gramm anstiegen.

Der 2005 verstorbene Silvano Sagui.
Der 2005 verstorbene Silvano Sagui. © Dickopf, Georg

Hergestellt wird das Eis immer noch nach traditioneller Eismacherart. „Wir verwenden fast ausnahmslos natürliche Zutaten und verzichten auf jegliche künstlichen Zusatzstoffe“, verspricht Dario. Natürlich könne man den Vanillegeschmack auch mit Geschmacksverstärkern erzeugen, „aber das ist bei Familie Sagui absolut undenkbar“, sagt Dario und blickt dabei auf das Bild seines Vaters Silvano, der im Jahr 2005 verstarb und fast bis zuletzt an der Eismaschine stand.

Zwar wurde der Preis für die Kugel Eis und auch für Sahne erhöht, doch wer beispielsweise ein Spaghetti-Eis bestellt, bezahlt unverändert 5,70 Euro.

Lange Tradition

Im März 1957 wurde in einem Teil der Räume des Cafe Siepmann an der Wilhelmstraße (heute Bahnhofstraße) das Eiscafé Sagui eröffnet. Drei Jahre später erfolgte im Jahr 1960 der Umzug zum Maiplatz 2 in das Haus Berges, wo das Eiscafé seit nunmehr 62 Jahren residiert.

Die Familie Sagui stammt aus dem Ort Zoppè di Cadore (Provinz Belluno). Das 300-Seelen-Dorf liegt 1500 Meter hoch in der Nähe von Cortina d’ampezzo. Gesprochen wird dort ladinisch. Eine Sprache, die Paolo und Dario beide beherrschen und pflegen wollen, auch wenn sie heute nicht mehr direkt in ihrem Heimatort leben.

Die Sagui-Brüder, die nur ein Jahr Altersunterschied trennt und die beide am gleichen Tag Geburtstag haben, betreiben das beliebte Eiscafé im Herzen der Stadt Plettenberg mittlerweile in der vierten Generation. Dem bald geplanten Maiplatz-Umbau sehen sie gelassen entgegen und hoffen auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung.

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