Wer spricht noch Plattdeutsch?

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Lotti Haase und Friedhelm Melzner (von links) sind des Platt noch mächtig und freuen sich über neue Besucher der Dämmerstunde.

Wissen Sie, was Tuffle sind? Ein anderes Wort dafür ist auch Äpel!“, sagt Friedhelm Melzner lachend.

Es handelt sich dabei nicht – wie anfangs vermutet – um Äpfel. Es handelt sich bei den zwei Wörtern um die plattdeutsche Version vom hochdeutschen Wort „Kartoffel“.

„Das sind einfach zwei verschiedene Dialekte, den einen hat man in Plettenberg verwendet, und in Herscheid hieß es dann Tuffle“, fügt Lotti Haase lachend hinzu. Immer wieder wirft sie Friedhelm Melzner einen plattdeutschen Satz zu, der sich wie ein niederländischer Satz anhört.

Die beiden sprechen in Geheimsprache, um die üblichen Personen am Tisch aufs Korn zu nehmen. Selber würden sie oft gar nicht merken, dass sie „platt“ sprechen, sagen sie.

Friedhelm Melzner (91) und Lotti Haase (86) sind Mitglieder der „Dämmerstunde“, die sich regelmäßig im Heimathaus trifft. Dort wurden viele Jahre lang plattdeutsche Gedichte und Geschichten erzählt – irgendwer habe dann immer übersetzt, wie Ursula Neukirch vom Heimatkreis erklärt.

Die 80-Jährige spricht kein Plattdeutsch mehr. „Ich bin in Bayern aufgewachsen – Platt sprach man eher in Norddeutschland", erklärt die Plettenbergerin. Hin und wieder verstehe sie einzelne Wörter – ansonsten fiele es ihr auch schwer, mitzuhalten, wenn Melzner und Haase loslegten.

Obwohl die beiden Mitglieder der Dämmerstunde selbst kein Platt mehr in der Schule gelernt hätten, haben sie sehr viel von Eltern und Großeltern aufschnappen können. „Wir haben das dann immer so mitgelernt aus den Gesprächen“, erklärt Haase.

Sie selbst – wie auch Friedhelm Melzner – besäßen noch einige Bücher und Schriftstücke in Plattdeutsch. Ansonsten kennen die Senioren niemanden mehr in Plettenberg, der richtig Plattdeutsch sprechen könne. Erika Rauch, die Dame, die in den früheren Treffen des Heimatkreises ihre Gedichte vortrug, lebe nicht mehr in Plettenberg.

Somit stirbt die Sprache mehr und mehr aus – denn auch Friedhelm Melzner und Lotti Haase beschäftigten sich kaum noch alleine mit der Sprache. „Es wäre schön, wenn wir vielleicht noch einige Plettenberger finden könnten, mit denen wir uns hin und wieder einmal im Rahmen der Dämmerstunde austauschen könnten“, sagt Friedhelm Melzner.

Auch Ursula Neukirch würde sich über Zuwachs freuen. „Vielleicht könnte man gemeinsam Texte übersetzen und dann auch für diejenigen aufarbeiten, die kein Platt können – das wäre doch toll“, hofft sie darauf, weitere Interessierte zu finden.

Sprechen Sie noch Plattdeutsch oder haben Sie Plattdeutsch-Kenntnisse? Wer Interesse hat, zukünftig in der Dämmerstunde an einem Plattdeutsch-Austausch teilzunehmen, meldet sich bitte bei Ursula Neukirch unter der Tel. (0 23 91) 1 42 76.

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