Einschränkungen in Seniorenheimen

Corona: Besonders an Ältere denken

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Die Begeisterung der Senioren war groß, als der Hegering in St. Josef zu Gast war. Solche Veranstaltungen bleiben erst einmal aus.

Plettenberg – In Zeiten des Coronavirus sind viele Bürger immer noch geteilter Meinung über die Risiken. Vor allem die gesunden und jungen Plettenberger scheinen größtenteils unbesorgt zu sein. Was ist aber mit den älteren und schwächeren Bewohnern?

Ein Anruf im Altenzentrum St. Josef zeigt, dass die älteren Bewohner sich weniger verrückt machen, als angenommen. 

Die Senioren verfolgen das Thema mit großem Interesse und informieren sich sehr ausführlich. Besorgt sind sie jedoch weniger“, erklärt Einrichtungsleiterin Heike Biedermann. Sie und ihre Mitarbeiter würden aktuell unheimlich sensibel mit der Thematik umgehen und seien auf der Hut, was die Hygiene anginge. Es sind sich alle einig, dass ältere und schwächere Bürger gerade jetzt besonders geschützt werden müssen.

 „Wir weisen die Besucher unserer Einrichtung immerzu darauf hin, sich gründlich die Hände zu waschen und auch zu desinfizieren, aber so etwas wie ein Besuchsverbot gibt es bei uns bisher noch nicht“, erklärt Biedermann. Da viele Ehepartner von Bewohnern zu den täglichen Besuchern gehörten, wolle Biedermann die Besuchszeiten ungern ganz streichen. Die Partner der Bewohner gehörten schließlich zu der ganz großen Seniorenheimfamilie mit dazu. Dennoch würde man sich einschränken, was Besuchermengen anginge: „Das geplante Frühlingsfest wird beispielsweise erst einmal abgesagt und Schülerpraktikanten sollen so wenig Kontakt mit den Bewohnern haben wie möglich“, erklärt Biedermann.

 Auch Projekte, beispielsweise mit Kindergartengruppen, müssten aktuell pausieren. Man wolle nicht hysterisch werden, aber einfach fürsorglich mit dem Thema umgehen. „Wir vermeiden erst einmal große Menschenmengen in der Einrichtung und klären die Bewohner und Angehörigen über Risiken und Maßnahmen auf, das ist uns sehr wichtig“, erklärt Heike Biedermann. Sie hoffe schlicht und einfach „dass der Corona-Krug an uns vorbeigeht!“

Auch Melanie Aderhold, Leiterin des Seniorenheims Matthias-Claudius-Haus, hat sich gemeinsam mit ihrem Team Gedanken zu den Risiken gemacht und erst gestern noch drastische Maßnahmen ergriffen: „Wir haben uns dazu entschlossen, ein generelles Besuchsverbot auszusprechen“, erklärt sie. Bis gestern galt die Regel: täglich ein Besucher pro Bewohner. Natürlich habe Melanie Aderhold niemanden weggeschickt:

 „Wenn ein Angehöriger gebracht wurde, haben wir die Begleitperson natürlich nicht vor der Tür stehenlassen. Wir bitten aber darum, aktuell erst einmal ganz von Besuchen abzusehen“, so Aderhold. Die Bewohner hätten bislang vollstes Verständnis für diese Maßnahmen, das wäre jedoch nicht bei allen Angehörigen der Fall. Schon vor dem absoluten Besuchsverbot seien die Reaktionen zweigeteilt gewesen: „Die Hälfte der Angehörigen zeigte sich sehr verständnisvoll, die andere Hälfte reagierte skeptisch, um nicht zu sagen ablehnend auf die Anweisungen, nicht mit mehr als einer Person zu Besuch zu kommen“, so Aderhold.

 Besonders in Sachen Hygiene seien deutliche Unterschiede bemerkbar: „Manche Besucher haben sich nicht mal die Hände desinfiziert – außer beim Verlassen des Gebäudes“, erklärt die Einrichtungsleiterin irritiert. „Das war sehr merkwürdig“, findet sie. Generell habe sie häufig intensive Gespräche mit uneinsichtigen Angehörigen führen müssen, um sie auf diese Hygienevorschriften hinzuweisen. Die Cafeteria im Matthias-Claudius-Haus bleibt ebenfalls erst einmal bis auf Weiteres geschlossen, auch die Gottesdienste fallen erst einmal aus.

 In einer schriftlichen Mitteilung des Seniorenzentrums am Krankenhaus an Besucher und Angehörige heißt es: „Wir möchten Sie bitten, zum Schutz Ihrer Angehörigen und unserer Mitarbeiter Ihre Besuche in unserem Hause einzuschränken und bis auf unvermeidbare Kontakte gänzlich einzustellen. Bitte informieren Sie auch weitere Angehörige oder Freunde unserer Bewohner und erinnern Sie sie an die Verantwortung, die wir hier alle tragen.“ 

Weiter heißt es in der Mitteilung: „Auf keinen Fall dürfen Besucher ins Haus kommen, die krank sind, die selbst aus Risikogebieten wie Italien kommen oder aber Kontakt zu solchen Personen hatten. Wegen der Inkubationszeit von 14 Tagen sagt auch Symptomfreiheit nichts darüber aus, ob der Kontakt mit einem hohen Risiko verbunden ist.“ Generell appellieren alle Heimleiterinnen aus Plettenberg, ältere Menschen besonders zu schützen. 

Sie schließen sich also dem Appell des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier an, der sagte: „Jeder Einzelne muss sich jetzt fragen: Was kann ich tun, um die Ausbreitung zu verlangsamen? Was kann ich tun, um Alte und Kranke zu schützen? Unsere Selbstbeschränkung heute wird morgen Leben retten.“

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