Mieterin hat die unterversorgten Tiere wohl zurückgelassen

Polizei und Feuerwehr retten verwahrloste Katzen

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Die Plettenberger Feuerwehr musste am Montagabend zu einem Mehrfamilienhaus Auf der Burg ausrücken. Katzengeschrei und Gestank hatten Tierschützer und die Polizei auf den Plan gerufen.

Es waren unglaubliche Szenen, die sich am Montagabend Auf der Burg abgespielt hatten. In einem Mehrfamilienhaus kam es zu einer ungewöhnlichen Tierrettung durch das Ordnungsamt und die Feuerwehr, dank sehr aufmerksamer Anwohner, die zwei verwahrloste Katzen in einer offenbar leer geräumten Wohnung vermutet hatten.

Eine der Anwohnerinnen ist Ratsfrau Bärbel Keiderling, die das Geschehen wiefolgt beschrieb: „Wir haben uns Sorgen gemacht, denn es schien so, als befänden sich Tiere in einer Wohnung, in der schon längst keiner mehr lebt“. Um zu überprüfen, ob die Vermutungen stimmen könnten, besorgte sich Keiderlings Nachbarin Katzensticks, die sie unter der Wohnungstür herschob.

 „Wir haben dann mitbekommen, dass sich im Wohnungsinneren Katzen um das Futter balgten, also waren definitiv Tiere in der Wohnung – die eigentliche Mieterin haben wir aber mehr als eine Woche nicht mehr zu Gesicht bekommen. Sie schien ausgezogen zu sein und hatte ihre Tiere offensichtlich einfach zurückgelassen“, erklärte Keiderling bestürzt.

Einige Mieter im Haus, so erklärt Bärbel Keiderling, hätten sich schon mehrfach bei dem Wohnungsunternehmen LEG beschwert, zu dem das Hochhaus gehört. „Aus der Wohnung kam schon seit Monaten ein bestialischer Gestank. 

Es schien so, als würde sich die Mieterin nicht um ihre Haustiere und deren Hinterlassenschaften kümmern“, vermutete Keiderling. Die Dame, die die Tiere hält, habe letztes Jahr noch einen Hund und mehrere Katzen gehabt. Außerdem würde noch ihre kleine Tochter mit in der Wohnung leben. „Das müssen schreckliche Zustände gewesen sein, vor allem für das Kind“, beklagt Keiderling.

Notdienst des Ordnungsamtes

Die aufmerksamen Anwohnerinnen informierten daraufhin das Plettenberger Ordnungsamt, das für die Abend- und Nachtstunden für solche besonderen Situationen immer einen Notdienst stellt. Diesen Dienst hatte am Montagabend Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel, der sich laut Bärbel Keiderling „ganz hervorragend einsetzte und sofort kam“.

Er habe sich „heldenhaft“ verhalten, die Situation direkt richtig eingeschätzt und die Feuerwehr zur Unterstützung gerufen.

Vor Ort angekommen, bot sich den Einsatzkräften der Hauptwache ein schreckliches Bild. Nach der Türöffnung erklärte Feuerwehrpressesprecher Thomas Gritschke die Situation, wie folgt: „Ich habe die Wohnung betreten und mir wurde sofort speiübel. Ich bin sofort wieder rausgegangen und habe meinen Kollegen gesagt, sie sollen die Wohnung nur mit Atemschutz betreten“. Gesagt, getan.

Unter schwerem Atemschutz holten die Einsatzkräfte die zwei ängstlichen Katzen aus der Wohnung, die inmitten ihrer eigenen Fäkalien vorgefunden wurden. Ein furchtbares Bild, wie auch Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel bestätigte, der ebenfalls schockiert über die Zustände war. Ein Feuerwehrmann sei sogar noch von einem ängstlichen Tier gebissen worden.

Kritik an der LEG

Keiderling ist sauer darüber, dass es so weit kommen musste: „Wir haben uns mehrfach an die LEG gewandt, einen Brief haben eine Nachbarin und ich letztes Jahr im Juni geschickt, einen im Februar. Es kümmert sich aber niemand“, ist sie sauer [Anm. Der Redaktion: Die Schreiben liegen der Redaktion vor]. Sie sehe ganz klar das Wohnungsunternehmen als Hauseigentümer in der Pflicht, schließlich habe man kommen sehen, dass da irgendwas nicht stimmt.

Das Wohnungsunternehmen weist die Anschuldigungen von sich. Pressesprecher Mischa Lenz erklärt schriftlich: „Selbstverständlich bedauern wir den Vorfall im Sinne unserer betroffenen Mieter. Allerdings lagen uns keinerlei Beschwerden zu diesem Thema vor. Am Standort hatten wir in der Vergangenheit bereits mehrfach das Problem, dass verschiedene Mieter im Quartier wild lebende Katzen unter anderem gefüttert haben. Wir haben dann jeweils eng mit dem Ordnungsamt zusammengearbeitet und die notwendigen, professionellen Maßnahmen eingeleitet, um die Situation zu befrieden – natürlich unter strenger Berücksichtigung des Tierschutzes. Die Mieter vor Ort wissen daher, dass das Ordnungsamt der erste und beste Ansprechpartner für dieses Thema ist.“

Das sagt das Plettenberger Ordnungsamt

Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel berichtet: „Das Ordnungsamt wurde am späten Montagabend darüber informiert, dass eine Tierschützerin und Polizeibeamte in einem Mehrfamilienhaus Auf der Burg vor Ort seien. Hinter einer Wohnungstür seien mutmaßlich unversorgte, schreiende Katzen zurückgelassen worden. Die telefonische Befragung eines Polizeibeamten und zweier Zeugen erhärtete den Verdacht. Die Örtlichkeit wurde sodann aufgesucht. Die Situation stellte sich so dar wie von den Zeugen geschildert. Bereits vor dem Haus waren Katzenschreie zu hören.

Bei Betreten des Hausflurs war starker, stechender Ammoniakgeruch wahrnehmbar, wie er sich typischerweise nach einigen Tagen durch Zersetzungsprozesse der im Urin enthaltenen Harnsäure entwickelt. Der stechende Geruch verstärkte sich bei Annäherung an die Wohnungstür noch. Auf mehrfaches Klingeln und Klopfen an der Wohnungstür erfolgte keine Reaktion. Nach Durchschieben von etwas Katzennahrung unter der Tür stürzten sich die Katzen sofort darauf.

Nach weiterer Befragung der Zeugen sprach alles dafür, dass eine Mieterin in diesem Mehrfamilienhaus zum Monatsende ihre Wohnung ausgeräumt hatte und ausgezogen war. Ihre Katzen hatte sie augenscheinlich zurückgelassen. Ordnungsbehördlich wurde angeordnet, dass die Wohnung zum Betreten zwecks Sicherstellung der Tiere zwangsgeöffnet wird.

Bei dieser Entscheidung spielte neben dem Katzengeschrei auch eine Rolle, dass im Lichte der Zeugenaussagen, des Sperrmüllhaufens vor dem Haus und des stechenden Ammoniakgeruchs tatsächlich davon auszugehen war, dass die Tiere bereits über eine kritisch lange Zeit von einer Woche unversorgt sich selbst überlassen waren.

Das Ordnungsamt bedankt sich bei den aufmerksamen Zeugen, dem Tierschutz und den Kollegen von der Feuerwehr, die die zwei Katzen nach Öffnung der Wohnungstür – unter Atemschutz – aus dem verkoteten und bestialisch stinkenden Wohnungsflur bargen. Der Tierschutz hat die Tiere unmittelbar in Verwahrung genommen.

Wünschenswert wäre aus Sicht des Ordnungsamtes gewesen, die Hausverwaltung hätte schon eher reagiert, sofern sie den starken Ammoniakgeruch im Treppenhaus bemerkt hat. Eine Zuspitzung der Situation hätte dann vielleicht vermieden werden können. Für die Mieterin kann die Angelegenheit noch ein Nachspiel haben. Neben den einzufordernden Kosten für die Wohnungstüröffnung und das Bergen der Tiere unter Atemschutz (circa 500 Euro), werden Polizei und Staatsanwaltschaft, denen ein entsprechender Bericht zugeht, möglicherweise ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren nach Paragraph 17 Tierschutzgesetzgesetz in Verbindung mit Paragraph 13 Strafgesetzbuch einleiten.“

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