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„Eine Zumutung“: Alternativlose Sperrung im MK verärgert Anwohner

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Genervt bis richtig verärgert sind sie: Rund 50 Anwohner der Straße Am Stübel kamen zum Treffen am Donnerstag an die Nordstraße. Statt einfach über den Bahnübergang, müssen sie bald einen längeren Umweg von knapp 1 300 Metern einplanen.
Genervt bis richtig verärgert sind sie: Rund 50 Anwohner der Straße Am Stübel kamen zum Treffen am Donnerstag an die Nordstraße. Statt einfach über den Bahnübergang, müssen sie bald einen längeren Umweg von knapp 1 300 Metern einplanen. © Wiechowski, Jona

Der Bahnübergang Nordstraße wird in Kürze gesperrt, die Fußgängerbrücke als Ersatz ist noch nicht fertig. Auf die Anwohner Am Stübel kommt ein langer Umweg zu. „Eine Zumutung“, finden sie. Ob es eine Lösung gibt?

Plettenberg – Die Anwohner Am Stübel sind sauer, sogar richtig verärgert. Der Bahnübergang Nordstraße wird ab dem 20. Mai dicht gemacht. Genutzt werden muss dann die Straßenbrücke, die derzeit neben dem Ohler Aldi fertiggestellt wird. Das gilt auch für Fußgänger. Denn die Fußgängerbrücke Am Stübel ist voraussichtlich erst im Oktober fertig. Die Folge: Über ein Kilometer Umweg für die Bewohner, von denen viele älter sind und nicht mehr gut auf den Beinen. Anders geht es nicht, erklärt die Stadt.

Das wollen die Anwohner nicht so einfach hinnehmen. Mit gut 50 Bürgern war der Menschenauflauf beachtlich, der sich am Donnerstagabend um Karin Gutschlag versammelt hatte. Sie hatte dem Bürgermeister Fragen gestellt – und das gut 700 Wörter umfassende Antwortschreiben an alle Interessieren verteilt. Die Essenz: Der Bahnübergang könne aus technischen Gründen nicht weiter offen gehalten werden. Schulte äußerte Verständnis für die Anwohner, könne letztlich aber nichts tun, schätzte die Situation für den Zeitraum als „vertretbar und auch zumutbar“ ein. Schulte, ebenso wie Bauamtsleiter Sebastian Jülich, mussten ihr Kommen zu dem Treffen, zu dem sie zwei Tage vorher eingeladen worden waren, wegen anderer Verpflichtungen absagen.

Für immer dicht: Bald wird der Bahnübergang Nordstraße gesperrt.
Für immer dicht: Bald wird der Bahnübergang Nordstraße gesperrt. © Wiechowski, Jona

„Die Kommunikation fehlt“, bemängelte Gutschlag, dass die Anwohner vor vollendete Tatsachen gestellt worden seien. Wie viele andere, habe sie aus der Zeitung von der kommenden Situation erfahren.

Beim Treffen machten die Anwohner unmissverständlich klar: „Der Umweg ist für uns eine Zumutung“. Die Länge – will man vom Bahnübergang zu Bäcker Schubert, werden aus gut 150 Metern knapp 1,3 Kilometer – sei dabei nur ein Problem. Der Weg in Richtung neue Straßenbrücke (Am Friedhahn) sei eng, unübersichtlich und nachts nicht beleuchtet. „Die Autos rasen“, so ein Anwohner. Das sei ein Problem, nicht nur für Kinder auf dem Weg zur Schule. Ob einige die Abkürzung über die Schienen nehmen, fragten gleich mehrere.

„Es wird Lebensqualität genommen”, beklagte Bernd Pusch. Seine Frau Renate ist auf einen Rollator angewiesen, bewegt sich trotzdem gerne, will auch weiterhin mal zum Bäcker gehen. Bald sei das nicht mehr möglich. „Der Weg lässt sich nur schwierig gehen“, sagt sie, beschreibt die Enge des Weges und den Zustand. Ihr Mann lud den Bürgermeister ein, selbst mit dem Rollator das Stück zu gehen.

Rollator und Auto: Was Am Stübel schon eng ist, wird Am Friedhahn wohl noch enger, befürchten Anwohner wie Bernd und Renate Pusch (Bild).
Rollator und Auto: Was Am Stübel schon eng ist, wird Am Friedhahn wohl noch enger, befürchten Anwohner wie Bernd und Renate Pusch (Bild). © Wiechowski, Jona

Mehrfach tauchte das Beispiel Finnentrop auf, wo es 2015 eine vergleichbare Situation gab – ein Bahnübergang wurde geschlossen, ohne dass die neue Brücke bereitstand. Die Lösung? Bus und Anruf-Sammeltaxis. Die konnten sich auch Anwohner vorstellen. Es war so etwas wie der Lichtblick des Treffens.

Denn letztlich endete das Gespräch nach einer guten Stunde ohne Lösung. Dass es die sowieso nicht geben würde (und schon mal gar nicht an dem Donnerstag), war bereits beim Treffen mit dem Schreiben von Bürgermeister Schulte klar. Dabei bleibt es wohl. SPD-Ratsmitglied Uwe Boese leitete die Kernfragen des Abends an Bauamtsleiter Sebastian Jülich weiter (» Info-Kasten). Seine Antworten zusammengefasst: Der Umweg ist ärgerlich, aber die Situation nicht zu ändern.

Das sagt die Stadt

Fünf Kernfragen ergaben sich aus der Zusammenkunft am Donnerstag an der Nordstraße. Das antwortet die Stadt.

1. Ist die Verkehrssicherungspflicht auf dem Teilstück für Kinder und Personen mit Rollator gegeben? Es gibt schließlich keinen Bürgersteig.

Bauamtsleiter Sebastian Jülich berichtet auf Nachfrage von SPD-Ratsmitglied Uwe Boese, dass die Vorgaben der Straßenverkehrsordnung gelten würden – im Beispiel hier das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme. Anzumerken sei, dass der Weg dort her jetzt auch schon von den Fußgängern aus Richtung Ölmühle genutzt werden müsse, da die Fußgängerbrücke bereits im letzten Jahr abgebrochen werden musste und der fußläufige Weg von der Ölmühle in Richtung Ohle Dorf jetzt über den Bahnübergang geführt werde. Die Einschätzung aus dem Bauamt: Die Situation entlang des Friedhahns werde eher besser, da dann weniger Autos fahren würden. Bis dahin sei die Straße auch im Bereich der neuen Brücke fertiggestellt. Der Bewuchs werde kurz gehalten; für eine geordnete und sichere Führung der Fußgänger über die neue Brücke gesorgt.

2. Warum kann die Schließung des Bahnübergangs ab Freitag, 20. Mai, nicht verschoben werden?

„Die Sperrung des Bahnübergangs erfolgt aufgrund einer technischen Notwendigkeit“, erklärt Bürgermeister Ulrich Schulte. An diesem Tag gehe das elektronische Stellwerk in Finnentrop in Betrieb. Von diesem erfolge auch die Steuerung der Ruhr-Sieg-Strecke im Raum Plettenberg. „In dem neuen Stellwerk ist der Bahnübergang Nordstraße im Signalbild nicht mehr vorhanden. Das begründet sich damit, dass die Technik am Bahnübergang Nordstraße sehr alt ist und rein technisch nicht mehr auf die neue Stellwerkstechnik aufgeschaltet werden kann.“ Vor dem Hintergrund der anstehenden Schließung des Bahnübergangs Nordstraße habe die Bahn von einer Umrüstung des Bahnübergangs auf die neue Technik Abstand genommen.

3. Besteht die Möglichkeit, dass Posten eine Überquerung ermöglichen?

Provisorische Lösungen wie etwa Posten gingen nicht, so Schulte. „Diese Alternative wurde vorab ebenso geprüft wie eine frühzeitige gegebenenfalls provisorische Inbetriebnahme der Fußgängerbrücke.“ Den Antworten von Sebastian Jülich ist zu entnehmen, dass der Posten allein daran scheitere, dass der Bahnübergang Nordstraße dann im Bahnbetrieb nicht mehr existiere und auch keine Infos über anfahrende Züge habe.

4. Wird der Übergang so gesichert, dass Personen nicht auf die Gleise gehen können?

Laut Jülich ja. Dafür würden entsprechende Bauzäune aufgestellt, die hoch, fest verbunden und zusätzlich abgestützt seien. Im Bereich der Fahrbahn würden zusätzlich noch Betonbarrieren aufgestellt.

5. Kann die Stadt für die Zwischenzeit einen Taxibus einrichten?

Das sei nicht möglich, so Jülich. Er verweist auf die ähnliche Situation an der Ölmühle – durch Wegfall der Fußgängerbrücke mussten die dortigen Anwohner ebenfalls länger laufen. Ein von der Stadt einmal wöchentlich georderter Bürgerbus sei – trotz der größeren Zahl an Anwohnern – nur wenig genutzt worden. Ein Rechtsanspruch auf einen kurzen Weg und einen Taxibus auf Kosten der Stadt gebe es nicht. Ein Ersatzverkehr sei nicht gerechtfertigt; die Fußgängerfrequenz am Bahnübergang sei nicht so hoch. Die Stadt habe schon bei der Kreuzungsvereinbarung gut argumentieren müssen, damit überhaupt die dauerhafte Fußgängerbrücke gebaut und finanziert werde.

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