Plettenberger Förster Markus Ingenohl klärt über starken Borkenkäfer-Befall auf

„Das ist eine ziemliche Katastrophe!“

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Man erkennt die abgestorbenen Baumkronen, sie sind schon bräunlich verfärbt.

Plettenberg - Der Borkenkäfer – nicht mal ein Zentimeter groß und doch können diese kleinen Lebewesen ganze Wälder zerstören. In Plettenberg haben die winzigen Insekten in diesem Jahr schon mehr als 2000 Festmeter Nadelholz zerstört, also zumindest soweit, dass diese Menge abgeholzt werden musste.

Der Zustand bereitet den heimischen Förstern aktuell große Sorgen. „So ein Ausmaß von Borkenkäferbefall hatten wir in dieser gewaltigen Größenordnung bisher noch nie“, erklärt Markus Ingenohl, Förster des Regionalforstamts Kurkölnisches Sauerland. Seit März habe es jeden Monat weniger Niederschlag gegeben. Auch aktuell sei es viel zu trocken und für diese Jahreszeit immer noch viel zu warm.

 Auch im Sommer habe der Wald schon sehr gelitten und jetzt im Herbst werde es einfach nicht besser. „Normalerweise können sich die Nadelbäume, die vom Borkenkäferbefall betroffen sind, gegen die Insekten wehren. Dazu sondern sie Harz ab, durch den die Insekten – auch der Borkenkäfer – im besten Fall verkleben“, sagt Markus Ingenohl. 

Da die Bäume, die noch leben, aktuell so geschwächt seien, hat der Borkenkäfer also momentan ein sehr leichtes Spiel und nutzt die Schwäche der Bäume aus, um sich durch ihr Holz zu fressen und dort Eier abzulegen. Dadurch bohrt er lange Gänge durch das Gehölz, und das kappt die Versorgungsleitungen des Baumes und sorgt so zum Absterben. Der trockene Sommer, der auch den erhöhten Käferbefall mit sich gebracht hat, sorgte nun dafür, dass es ein Überangebot an Holz gibt und die Waldbesitzer somit viel weniger Geld für ihre Ware bekommen.

 Im Forstbezirk „Ebbetal“, dessen Staatswald sich über Plettenberg und Herscheid erstreckt, mussten bisher schon 2000 Festmeter Holz allein wegen des Käferbefalls abgeholzt werden. Den größten Teil des Holzes habe man noch gut verkaufen können, da die Schäden nicht so groß gewesen seien. Anders sei dies meist beim Befall des sogenannten Bockkäfers, der teilweise große Löcher ins Holz bohren würde. „Es kommt dann immer darauf an, ob schon Verfärbungen am Holz erkennbar sind, oder nicht. Je nachdem wie stark die Schäden sind, kann das Holz teilweise nur noch als Industrieholz verkauft werden“, erklärt der Förster, das die Schäden des Bockkäfers noch gravierender seien. Als Industrieholz bezeichnet man das Holz, das nicht als Vollholz oder Schnittholz weiterverarbeitet, sondern in weiterer Verarbeitung mechanisch zerkleinert oder chemisch aufgeschlossen wird.

 Industrieholz findet wie Industrierestholz vor allem Verwendung für die Herstellung von Holzschliff und Zellstoff als Grundstoffe der Papierherstellung, Holzwolle sowie für die Produktion von Holzwerkstoffen wie Span- und Faserplatten. Aber egal, welche Käferart – Schäden sind Schäden und die Förster wissen aktuell keinen Rat mehr. Aktiv etwas gegen den Befall tun könne man leider nicht, denn das könnten nur die Bäume selbst, in dem sie sich wehren. „Ein Regenschauer würde nicht helfen. 

Um große Teile des Waldes zu retten, muss es wirklich zwei bis drei Wochen durchregnen“, so Markus Ingenohl. „Das Wetter ist, so schön es auch für viele sein mag – für den Wald eine ziemliche Katastrophe“, stellt Markus Ingenohl fest

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