Ein abgelegenes Schmuckstück ist jetzt ein Denkmal

Einblicke in ein bemerkenswertes Haus

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dyllisch und einsam gelegen, oberhalb von Himmelmert, erstrahlt das fast 80 Jahre alte Waldhaus. 

Plettenberg - Die Stadt Plettenberg ist seit Mittwoch um ein Denkmal reicher. Es steht mitten im Wald in Himmelmert und thront fast schon majestätisch über dem Ort. Dieses einstige Wochenendhaus ist wirklich ein Schmuckstück.

Seine Besitzer Dorothee und Joachim Struwe können sich an dem Anblick des Hauses kaum satt sehen. An den Bruchsteinsockel schließt sich die graubraune Bretterverschalung an. Die Fensterläden strahlen ebenso wie die Überbleibsel des einstigen Garagentors im Grün der Bäume, die das Haus umgeben.

Auch im Innern ist die Zeit stehen geblieben. Die hölzernen Treppenstufen knarzen bei jedem Schritt, der Esstisch und die Stühle sehen aus, als stammen sie aus einem Antiquitätenladen. Im Schrank liegen noch die alten Gästebücher.

Der erste Eintrag ist von 15 Personen unterschrieben, unter anderem von Ernst Lefringhausen - jenem Mann, der das Waldhaus im Jahr 1938 von dem Architekten Friederich Karl Diederichs planen und bauen ließ. "Nach Fertigstellung unseres Waldhauses, das Gottes Güte uns erlaubt hat zu bauen, sind wir am 9. und 10. Oktober 1938 zum ersten Male hier zusammengekommen. Es war ein schönes, friedliches Beisammensein mit dankbarem Herzen", schreibt Lefringhausen im Gästebuch.

Seitdem hat das Waldhaus zahlreiche Besucher beherbergt. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges soll sich halb Himmelmert hier versammelt haben, um Schutz vor den Amerikanern zu suchen.

Im Lauf der Jahrzehnte wurde das Haus nur minimal verändert. Die Garage wurde zu einem Zimmer umgebaut, Teile des Garagentors blieben aber erhalten. Eine offene Feuerstelle wurde durch einen Kachelofen ersetzt, die Loggia wurde mit Fenstern zu einem Wintergarten geschlossen. Doch der ursprüngliche Charakter des Hauses blieb bis heute erhalten.

Diese Mischung aus Antiquität und Zweckmäßigkeit begeisterte seit jeher das Ehepaar Struwe, das einen Hof besitzt, der nur einen Steinwurf von diesem Haus entfernt liegt. Im Auftrag der letzten Besitzer, der Pastorenfamilie Kuhn aus Iserlohn, pflegten die Struwes das Waldhaus regelmäßig, kannten so jeden Winkel dieses Schmuckstücks. Als die Pastorenfamilie Ende letzten Jahres über einen Verkauf nachdachte, schlugen Dorothee und Joachim Struwe zu.

Dorothee und Joachim Struwe haben es sich in den Ohrensesseln gemütlich gemacht und stoßen auf ihr neues, zweites Zuhause an.

"Wir lieben das Nostalgische", sagt der Mann im Beatles-T-Shirt, Joachim Struwe. Vorbei an den Ohrensesseln und einem Schaukelstuhl im Wohnzimmer führt er uns ins Dachgeschoss, in dem sich zusätzliche Schlafräume befinden. Auch unten im Sockelgeschoss stehen Betten; das Haus bietet noch heute Platz für bis zu elf Personen. Die Sauna in dieser Etage ist funktionstüchtig, das Wasser im Badezimmer nebenan stammt aus einer eigenen Quelle. Fernseher oder Internetverbindung? Gibt es nicht. Braucht hier auch niemand.

Anstatt als Ferienhaus wollen die Struwes die Räumlichkeiten künftig als Rückzugsort aus dem stressigen Alltag mit Pferden, Hunden, Katzen, Hühnern und Bienen - also als Wohnhaus - nutzen. Dafür stellte das Ehepaar einen Antrag, der am Mittwoch im Planungsausschuss bewilligt worden ist.

Denkmalschützer waren begeistert

Obendrein nahmen die Struwes nach dem Kauf Kontakt mit den Denkmalschützern des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) auf. Diese sahen sich das Gebäude an - und waren begeistert. "Bedeutend für die Ortsgeschichte von Plettenberg, aber auch für die Regionalgeschichte des Sauerlandes", lautete das Experten-Urteil. "Unter anderem durch den steigenden Individualverkehr durch Pkw wurden die abgelegenen Gebiete erschlossen. Das hier beschriebene Haus steht zeitlich, in seiner Bauweise und mit seiner Lage genau für diese Entwicklung: ein Grundstück direkt am Waldrand in kompletter Alleinlage unweit der Oestertalsperre wurde mit einem vermeintlich typisch westfälischen Kleinhaus bebaut."

Der LWL befürwortete daher den Denkmalschutz für dieses Haus, ebenso die Untere Denkmalbehörde der Stadt Plettenberg. Auch der Planungsausschuss sprach sich dafür aus. Dorothee und Joachim Struwe freuen sich darüber: "Wir wollen sowieso nichts umstrukturieren. Das Haus bleibt wie es ist."

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