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Ein Schlossherr ohne Nachkommen: Historisches Schloss im MK wechselt den Besitzer

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Von: Georg Dickopf

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Dr. Christoph Freiherr von Wrede (li.) und Eberhard Freiherr von Wrede vor dem Haus Brüninghausen, das zwischen Plettenberg und Werdohl liegt und nun innerhalb der Familie von Wrede den Besitzer wechselte.
Dr. Christoph Freiherr von Wrede (li.) und Eberhard Freiherr von Wrede vor dem Haus Brüninghausen, das zwischen Plettenberg und Werdohl liegt und nun innerhalb der Familie von Wrede den Besitzer wechselte. © Dickopf

Jeder Plettenberger und Werdohler ist schon einmal am Haus Brüninghausen vorbeigefahren, das kurz hinter dem Bahnübergang oberhalb der B236 in einem Tal liegt und an dessen Seite die Jahreszahl 1668 zu erkennen ist.

Plettenberg/Werdohl - Seit jeher befindet sich das manchmal auch als Schloss bezeichnete Haus, das aus einem Wehrturm hervorging, mitsamt großer Waldflächen in der Hand der Familie.

Über die Herren von Ohle, die auch die Fliehburg auf dem Sundern besaßen, gelangte es an die Erbtöchter Brüninghausen. 1651 heiratete Anna von der Horst Johann Heinrich von Wrede. Das Haus Brüninghausen befindet sich somit seit 1311 unverkauft im Familienbesitz.

Und daran soll sich auch nichts ändern, auch wenn es seit Anfang Oktober einen neuen Besitzer gibt, wie der bisherige Eigentümer Dr. Christoph Freiherr von Wrede im Gespräch mit unserer Zeitung verriet.

Keine Nachkommen

„Die Zeiten werden schwierig. Das Haus Brüninghausen und das Haus Amecke gehörten früher zusammen, wurden später getrennt und werden nun von uns wieder zusammengeführt“, betont von Wrede. Er werde im April nächsten Jahres 65 Jahre alt und wolle frühzeitig die Weichen für die Zukunft stellen. Da er mit seiner Frau kinderlos geblieben sei und sich auch auf Seiten seiner Geschwister keine Nachfolger herauskristallisiert hätten, sei er mit seinem Vetter ersten Grades in Kontakt getreten.

Eberhard Freiherr von Wrede ist mit 52 Jahren zwölf Jahre jünger und Vater von vier Mädchen und einem Jungen im Alter zwischen elf und 22 Jahren, die allesamt das Haus Amecke unweit der Sorpe bewohnen. Die Fläche des nebenan liegenden Golfplatzes befindet sich in Familienbesitz.

Grenzwälle auf Affelner Höhen

„Die Familie von Wrede wurde 1202 erstmals erwähnt, Haus Amecke ist seit 1338 in Familienbesitz. Das Haus Brüninghausen wurde 1311 als Besitz des Herren von Ohle erstmals erwähnt“, so Dr. Christoph Freiherr von Wrede. Die Anlage sei innerhalb der Grafschaft Mark eine wichtige Grenzbefestigung gegen die Kürkölner gewesen. Davon würden auch heute noch sichtbar ältere Grenzwälle in der Nähe des Ausspanns bei Affeln zeugen. „Die Affelner haben auch gerne ihre Schweine ins Brüninghauser Feld gejagt – und und dann gab es Stress“, weiß von Wrede von mancher Fehde zwischen den Berg- und Talbewohnern.

Dr. Christoph Freiherr von Wrede mit der Ahnentafel der Familie.
Dr. Christoph Freiherr von Wrede mit der Ahnentafel der Familie. © Dickopf

Doch mit dem katholischen Dorf ist die Familie von Wrede, die zu den ältesten urkundlich nachweisbaren Familien des niederen Adels in der Region zählt, dennoch verbunden. Denn statt nach Ohle ging die katholische Familie nach Affeln zur Kirche. Dort befinden sich auch die sterblichen Überreste von Johann Heinrich von Wrede, der 1688 im rechten Seitenschiff der Affelner Lambertuskirche beigesetzt wurde.

Die gemeinsamen Großeltern der heutigen Besitzer der Häuser in Brüninghausen und Amecke zogen 1924 als junges Ehepaar nach Brüninghausen, weil der Erbonkel und die Erbtante im Haus Amecke Wohnrecht hatten und dort Platznot herrschte. Aus der Ehe entstanden vier Kinder: Christel von Wrede (geb. 1925), Engelbert von Wrede (geb. 1926), Jobst von Wrede (geb. 1928) und Hubertus von Wrede (geb. 1936).

Hofaufteilung unter zwei Söhnen

Der gemeinsame Großvater Hermann zog ebenso wie der älteste Sohn (er war Flakhelfer) in den Krieg. Er starb 1949. Gemäß des Höferechtes wurden die damals zusammengehörigen Besitztümer in Brüninghausen und Amecke unter den beiden ältesten Brüdern Engelbert und Jobst aufgeteilt. Der ältere Bruder bekam mit dem Haus Amecke den etwas größeren Betriebsteil. Jobst von Wrede erbte das Besitztum zwischen Plettenberg und Werdohl.

Blick auf einen Teil des an der B236 gelegenen Anwesens.
Blick auf einen Teil des an der B236 gelegenen Anwesens. © Dickopf

„,Es muss ja weitergehen’, sagte mein Vater damals“, erinnert sich Christoph von Wrede, der das Haus Brüninghausen seinerseits 1993 von seinem Vater Jobst von Wrede übernahm.

Von den 60er Jahren bis 2007 waren beide Betriebe wirtschaftlich getrennt, doch nach dem Sturmtief Kyrill verstärkte sich die Zusammenarbeit beim Holzverkauf, den man fortan und bis heute gemeinschaftlich organisiert.

Umzug nach Essen

Bis Mitte nächsten Jahres wird Christoph Freiherr von Wrede noch gemeinsam mit seiner Frau im Betriebsleiterhaus hinter dem Haus Brüninghausen wohnen und dann nach Essen-Werden umziehen. „Ich war als Patenkind oft bei meiner Tante in Essen-Werden und habe dorthin auch noch gute Kontakte“, sagt der Plettenberger, der in den letzten Monaten die Übertragung des Besitzes mitsamt der dazugehörigen Waldflächen an seinen Vetter in die Wege leitete.

Wir sind nur das Glied in einer langen Kette.

Eberhard Freiherr von Wrede

Eberhard Freiherr von Wrede übernimmt den Besitz in einer schwierigen Zeit, denn große Flächen wurden durch den Borkenkäferbefall zerstört und müssen neu aufgeforstet werden. „Ich habe schon 55 000 Bäume bestellt“, sagt von Wrede, der seine Kinder in die Entscheidungsprozesse bei der Wiederaufforstung bereits mit einbindet. Dabei gibt der Amecker zu verstehen, dass er keines seiner fünf Kinder zwingen werde, später das Erbe anzunehmen und die 700-jährige Familientradition fortzuführen. Gleichwohl sei es natürlich wünschenswert. „Wir sind nur das Glied in einer langen Kette“, betonte von Wrede mit Blick auf die jahrhundertealte Tradition, die durch weitere „Kettenglieder“ möglichst fortbestehen soll. „Ich glaube schon, dass unsere Kinder ein Familien- und Traditionsbewusstsein haben“, so Eberhard von Wrede, der den Übergang in die nächste Generation begleiten soll.

Wiederaufforstung geplant

Bei der Wiederaufforstung der Waldflächen rund um Brüninghausen setzt der 52-Jährige auf eine Naturverjüngung und auf Mischwälder. Statt Fichten, die er bereits seit 30 Jahren (!) nicht mehr neu anpflanzt, pflanzt er Douglasien, Hemlock-Tannen, Nobilis, Abies Grandis und Thuja als Waldbäume. Die Bäume werde man mit weitem Abstand auf die Freiflächen setzen. „Die Lärche und die Laubbäume kommen von allein“, so von Wrede, der durch den Klimawandel besondere Herausforderungen im Brüninghauser Tal sieht. „Hier ist eine Aufbauleistung wie nach dem Zweiten Weltkrieg erforderlich“, sagt der Amecker.

Die Bewirtschaftung des Waldes sei auch in Zukunft notwendig, um damit den Unterhalt für die historischen Gemäuer zu decken. Doch das werde schwierig, da der Borkenkäfer große Werte auf einen Schlag vernichtet habe.

Deshalb müsse man bei der weiteren Bewirtschaftung auch offen sein für neue Nutzungsformen. Beispielhaft nannte Eberhard Freiherr von Wrede einen Friedwald zur Bestattung, Stammbäume oder möglicherweise auch einen idyllischen Ort, an dem man wie bereits in Amecke Trauungen abhalten könne.

Dr. Christoph Freiherr von Wrede (li.) und Eberhard Freiherr von Wrede besiegelten die Besitzübergabe vor dem gemeinsamen Familienwappen.
Dr. Christoph Freiherr von Wrede (li.) und Eberhard Freiherr von Wrede besiegelten die Besitzübergabe vor dem gemeinsamen Familienwappen. © Dickopf

Verantwortung für Denkmal

Dr. Christoph Freiherr von Wrede unterstrich in dem Zusammenhang abschließend die Verantwortung, die man trage, um das denkmalgeschützte Haus Brüninghausen zu erhalten und verdeutlichte, was gerade passiert: „Wir bewältigen hier gerade eine Katastrophe. Die Übertragung erfolgt deshalb sozusagen bei voller Fahrt.“

Doch die „Fahrt“ – und das ist beiden ungemein wichtig – geht innerhalb der Familie von Wrede weiter und die 700-jährige Tradition von Haus Brüninghausen und Haus Amecke wird fortgeschrieben.

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