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Ein Leben für die Architektur: Zum 90. Geburtstag von Helmut Teichert

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Von: Georg Dickopf

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Martina Reinhold besuchte Helmut Teichert kurz vor seinem 90. Geburtstag.
Martina Reinhold besuchte Helmut Teichert kurz vor seinem 90. Geburtstag. © Sabrina Jeide

 Seinen 90. Geburtstag kann am Samstag Architekt Helmut Teichert feiern. 

Plettenberg - Der Plettenberger schaut trotz seines hohen Alters noch regelmäßig in der Redaktion vorbei, um die Öffnung für das Museum Holthaus durchzugeben oder Leserbriefe abzugeben. Smartphones und Computer waren und sind nie sein Ding gewesen. Helmut Teichert ist ein Architekt alter Schule und half der Vorstellungskraft vieler Bauherren mit seinen detailreichen Modellen auf die Sprünge.

Der Chronist war nicht immer einer Meinung mit Helmut Teichert, schätzt und respektiert aber seine unbeugsame und beharrliche Art und die von ihm geschaffenen Bauwerke in Plettenberg und Umgebung.
Anlässlich des runden Geburtstages befragten wir einige Plettenberger zu dem bekannten Architekten der Stadt.

Die bootsähnliche Form des Steinmann-Anbaus ist das bislang letzte Werk des Plettenberger Architekten Helmut Teichert.
Die bootsähnliche Form des Steinmann-Anbaus ist das bislang letzte Werk des Plettenberger Architekten Helmut Teichert. © Dickopf

SPD-Ratsfrau Martina Reinhold lernte Helmut Teichert bereits mit 18 Jahren kennen, da ihr damaliger Mann bei ihm Architektur gelernt hatte. „Ich hatte großen Respekt vor ihm. Er wusste genau, was er wollte.“ Gerade runde Formen, die den Mitarbeitern auf dem Bau manchmal Mühe bereiteten, fanden sich laut Reinhold immer wieder in den Arbeiten des Plettenbergers. „Wenn es hieß, dass sich etwas nicht umsetzen lässt, hat er gezeigt und gesagt, wie es doch geht“, weiß Reinhold.

Villa in Locarno entworfen

Der Architekt sei viel durch die Welt gekommen und habe in Locarno am Laggio Maggiore seine erste Villa für einen Industriellen in Plettenberg gebaut. „Da sah man schon, was architektonisch alles geht. Hier wurde quadratisch – praktisch – gut gebaut, was nie Helmuts Sache war. Von ihm kamen viele geniale Entwürfe und er hat immer geschaut, wie man die Dinge schöner machen kann. Ohne ihn hätte ich nicht so viel gelernt im Bereich der Architektur und Stadtplanung. Und bei vielen Dingen muss man ihm im Nachhinein recht geben“, sagt Reinhold mit Blick auf den Stephansdachstuhl.

Die Entscheidung sei ebenso richtig gewesen wie der Erhalt des Bahnhofspavillons, so Reinhold aus heutiger Sicht, die dem Architekten und Freund persönlich gratulierte.

Lob von Pühl-Prokurist Heinrich Cordes

Auch Heinrich Cordes, langjähriger Prokurist der Firma Pühl, schätzt den Architekten: „Für mich ist Helmut Teichert einer der Menschen der Stadt, zu dem ich aufblicke. Im Bereich der Architektur zählt er für mich zu einer der herausragenden Persönlichkeiten, denn was er geschaffen hat, sticht zum großen Teil heraus aus der Masse. Nicht jeder mag das, aber er hat für die Stadt und das Gesamtbild viel getan – auch auf politischer Seite. Helmut Teichert hat immer dafür gekämpft, dass ein Plus für die Stadt herausspringt. Auch in den Aufbau des Museums Holthaus hat er viel Arbeit gesteckt“, sagt Cordes.

Die geschwunge Front der Firma Pühle war eine Idee von Helmut Teichert.
Die geschwunge Front der Firma Pühle war eine Idee von Helmut Teichert. © Wiechowski, Jona

Er schätze an Teichert auch dessen Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft: „Er ist einer der wenigen, die ich kenne, die nie auf Kommerz aus waren.“ Teichert habe seit den 90er Jahren viele Neubauten bei der Firma Pühl verantwortet und auch viele sehenswerte Häuser in Plettenberg geplant.

Michael Schulte sieht Teicherts Handschrift

Michael Schulte, Vorsitzender der FDP, beschreibt den Parteifreund wie folgt: „Helmut Teichert ist ein Liberaler durch und durch, jemand, dem die persönliche Freiheit und die Bürgerrechte sehr wichtig sind.“

Darüber hinaus sei Herr Teichert ein streitbarer Geist, insbesondere dann, wenn es um das Stadtbild gehe. „Hier hat Herr Teichert unbestritten große Verdienste, man denke an den Bahnhofspavillon oder den Stephansdachstuhl. Auch an vielen anderen Stellen im Stadtgebiet kann man seine „Handschrift“ erkennen, sei es bei Industriebauten oder bei Einfamilienhäusern. Viele Jahre hat er die FDP im Planungs- und Umweltausschuss vertreten und dabei immer den offenen Diskurs gesucht“, so Schulte.

Auf die abschließende Frage an das Geburtstagskind, was es sich noch wünscht, sagte Helmut Teichert folgendes: „Mit der Umgestaltung der Plettenberger Altstadt bin ich bis heute nicht einverstanden.“ Sehr zufrieden ist der 90-Jährige hingegen bis heute mit seiner Berufswahl: „Ich wollte von Anfang an Architekt werden und habe mir damit meinen beruflichen Traum erfüllt.“

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