Dr. Ingrid Tewes-Holtvoeth geht in den Ruhestand

Wieder ein Kinderarzt im MK weniger - Praxiskollege verhängt einen Aufnahmestopp

Kinderarzt Plettenberg Achenbach Tewes-Holtvoeth geht in Ruhestand Aufnahmestopp
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Videosprechstunden waren zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie auch in der Kinderarztpraxis von Michael Achenbach und Dr. Ingrid Tewes-Holtvoeth deutlich gefragter. Unser Reporter hat sich so auch über die Kinderarzt-App auf dem Handy zum Gespräch mit den beiden Ärzten verabredet.

Die Versorgung an Kinderärzten im südlichen Märkischen Kreis verschlechtert sich weiter. Nachdem bereits vor zwei Jahren die Praxis von Dr. Zati Altay in Werdohl ohne Nachfolger geschlossen worden ist, gibt noch eine Kinderärztin weniger.

Plettenberg - Dr. Ingrid Tewes-Holtvoeth, Kinderärztin in Plettenberg, verabschiedet sich zum Jahreswechsel in den Ruhestand. Am Dienstag letzter Woche hatte die 67-Jährige ihren letzten Arbeitstag. In einer kleinen Feierstunde in der Mittagspause verabschiedeten sie die Kollegen.

Dass Dr. Tewes-Holtvoeth ihren Dienst als Kinderärztin nun beendet, hat auch, aber nicht nur mit dem Alter zu tun. Fast drei Stunden saß sie im Berufsverkehr und wegen der vielen Autobahnbaustellen für den Arbeitsweg von Dortmund nach Plettenberg jedes Mal im Auto – „und im Winter war es noch anstrengender“, sagt die Kinderärztin, die den Plettenberger Vollzeit-Kinderarzt Michael Achenbach in dessen Praxis an der Kaiserstraße immer montags und dienstags unterstützt hat. Diese Praxengemeinschaft und die Aufteilung des gleichen Patientenstamms war eine gute Situation für beide, doch nach acht Jahren geht die Zusammenarbeit nun zu Ende.

Kinderarzt im MK: Bisher keine Nachfolge für Plettenberg in Sicht

Für den verbliebenen Kinderarzt Michael Achenbach zeichnet sich nun eine deutliche Mehrarbeit ab. Versuche, die Stelle durch Inserate oder Ausschreibungen neu zu besetzen, waren bisher nicht von Erfolg gekrönt. Und auch mit Blick auf die Nachbarstadt Werdohl, in der Michael Achenbach ebenfalls vergeblich mitgeholfen hatte, eine Nachfolge zu finden, ist er für die Stelle in seiner Praxis in Plettenberg nicht sonderlich optimistisch.

„Es müsste sich schon jemand finden, der aus der Gegend kommt und zurück möchte oder der noch nicht so fest in einem Sozialgefüge ist“, sagt Achenbach. Denn die tägliche Anfahrt zum Beispiel aus Dortmund nach Plettenberg werde sich niemand antun und sich stattdessen eine nähergelegene Praxis suchen. „Und diese Hürde kann ich leider nicht wegnehmen“, sagt Achenbach.

Kinderarzt Michael Achenbach verhängt vorläufigen Aufnahmestopp

Die erste Konsequenz lautet nun: „Ich werde einen Aufnahmestopp aussprechen müssen“, sagt Michael Achenbach, „ich werde das sonst nicht anders steuern können.“ Der Kinderarzt möchte weiterhin die Versorgung seiner jetzigen Patienten sicherstellen und könne deshalb keine neue Patienten aufnehmen. Wie lange dieser neue Aufnahmestopp gelten wird? „Das weiß ich leider nicht“, sagt Michael Achenbach, der auch die Sorge äußert, dass es angesichts des Hausärztemangels immer schwieriger wird, Patienten weiterzugeben. „Ich komme da von zwei Seiten unter Druck“, erklärt Achenbach und findet klare Worte: „So gegen den Ärztemangel nicht politisch massiv vorgegangen wird, wird sich an der Situation auch nichts ändern.“ Achenbach ist nicht der erste, der im MK so auf den Mangel an Kinderärzten reagiert.

„Es ist schade für Plettenberg und schade für die Kinder“, findet auch Dr. Ingrid Tewes-Holtvoeth, der die kritische Situation bewusst ist: „Es werden ja nicht weniger Patienten, nur weil ich aufhöre.“

Die Zeit für eine Nachfolge drängt. „Die Kinderarzt-Stelle ist noch für sechs Monate bis zum 30. Juni für Plettenberg reserviert“, erklärt Michael Achenbach. Sollte sich bis dahin keine Nachfolge gefunden haben, wird die Stelle kreisweit ausgeschrieben und könnte zum Beispiel in Iserlohn besetzt werden. Für die Plettenberger blieben dann im näheren Umkreis neben Michael Achenbach nur noch die Praxen Hauswald in Herscheid, Baradari in Attendorn sowie Böhle, Jüttner, Schmetzke, Burkandt und Frese in Lüdenscheid.

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