15 bebilderte Stationen

Ein Friedhof als Ort der Hoffnung und nicht der Trauer

Um diesen Walnussbaum herum sollen zukünftig Sternenkinder begraben werden können.
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Um diesen Walnussbaum herum sollen zukünftig Sternenkinder begraben werden können.

Schwarze Kleidung, bedrückte Stimmung, viele Tränen: Ein Friedhof wird meistens mit Trauer verbunden. Das muss nicht sein, dachte sich die Landeskirche.

Plettenberg - Und so ist nun der Friedhof Hirtenböhl ein „Ort der Hoffnung“ geworden. Passend dazu ist am Samstag ein Bibelweg mit 15 Stationen eingeweiht worden.

Die Veranstaltung des Friedhofsverbands Lüdenscheid-Plettenberg zum Landeskirchen-Projekt „Evangelischer Friedhof – Ort der Hoffnung“ sollte eigentlich schon im letzten Jahr stattfinden, musste wegen Corona aber abgesagt werden. Jetzt konnte die Andacht nachgeholt werden, die durch Kantorin Liesa-Verena Forstbauer an der Orgel musikalisch begleitet wurde.

Superintendent Dr. Christof Grote begrüßte die Gäste in der Friedhofskapelle – nicht zu einer Beerdigung, sondern zu einer Hoffnungsfeier, wie er sagte: „Wir möchten diesen Friedhof als Hoffnungsort erfahrbar, erlebbar machen.”

Über Jahre entstanden

Ganz neu gibt es dafür jetzt den Bibelweg, der über das große Gelände führt. Besucher werden an 15 Stationen mit Pflanzen vorbeigeführt, die in der Bibel vorkommen. „Der Weg ist über mehrere Jahre entstanden”, sagte Kirsten Himmelmann, Gärtner-Meisterin auf den Friedhöfen Plettenberg. Mit ihrem Team und mehreren Unterstützern hat sie viel recherchiert, auch um passende Bibelstellen herauszufinden. Die stehen jetzt – zusammen einer kleinen Beschreibung der Pflanzen – auf Schildern an den einzelnen Stationen. „Teilweise waren die Pflanzen schon vorher da, teilweise sind sie neu”, berichtete sie.

Zum Tag des Friedhofes, der an jedem dritten September-Wochenende stattfindet, nahm Himmelmann nach der Andacht gut zwei Dutzend Interessierte mit auf einen kleinen Rundweg. Los ging es am Eingang, wo ein Schild mit der Überschrift „Ort der Hoffnung“ steht. Hier heißt es: „Auf unserem Evangelischen Friedhof erinnern wir uns an vertraute Menschen. Wir glauben daran, dass Gott ewiges Leben schenkt und dass wir in seiner Hand geborgen sind.“

Der Bibelweg hat die eine oder andere Besonderheit zu bieten: Nicht alle Tage sieht man im Sauerland beispielsweise einen Olivenbaum, der an Station 6 zu finden ist und zur Familie der Ölbäume gehört. „Im Winter müssen wir den reinstellen”, erklärte Himmelmann mit Blick auf das Klima. Zu lesen ist an der Station Psalm 128,3: „Deine Frau wird sein wie ein fruchtbarer Weinstock drinnen in deinem Hause, deine Kinder wie junge Ölbäume um deinen Tisch her.“

Station 11 ziert ein Judasbaum aus der Familie der Johannisbrotgewächse. Auf dem Schild heißt es: „Seine Berühmtheit erlangte dieser kleine Baum aufgrund der Sage über den Jünger Judas Ischariot, welcher laut Bibel Jesus verraten hat. Judas erhängte sich danach an diesem Baum. Direkt nach dem Verrat setzte auch die natürliche und üppige purpurfarbene Blüte ein, welche den gesamten Baum einhüllt. Beobachter meinen, dass der Baum aus lauter Scham rot werden würde. Danach bildet er Blätter, welche nierenförmig und fast rund sind. Dieser ähneln den damaligen Silbermünzen und sollten so das Bestechungsgeld widerspiegeln, weswegen Judas schwach wurde.“

Erweiterung in Planung

Der Bibelweg kann von Interessierten besucht werden und soll in Zukunft noch erweitert werden. Die Gärtner-Meisterin kann sich auch vorstellen, dass Jugendliche etwa im Rahmen des Konfirmationsunterrichts einen Ausflug auf den Friedhof machen und den neuen Weg erleben. Das Familienzentrum Mittendrin möchte noch ein Insektenhotel auf der Blumenwiese des Friedhofs aufstellen.

Die Fläche um einen Walnussbaum soll für Sternenkinder hergerichtet werden – also für Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt verstorben sind.

Die Veranstaltung am Samstag fand unter der 3 G-Regel statt. In die Kapelle durfte nur, wer geimpft, genesen oder negativ getestet war. Zwar konnte die Maske am Platz abgenommen werden, beim Singen aber war sie Pflicht.

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